Weltweit erstes Pilotprojekt für kultiviertes Fleisch auf niederländischem Bauernhof gestartet
Bearbeitet von: Olga Samsonova
In Schipluiden, Südholland, hat das weltweit erste Pilotprojekt zur Herstellung von kultiviertem Fleisch auf einem konventionellen Bauernhof den Betrieb aufgenommen. Das Vorhaben, das am 22. November 2025 bekannt gegeben wurde, erfolgt in enger Kooperation mit dem Unternehmen RespectFarms und zielt darauf ab, die dezentrale Produktion zellbasierter Proteine direkt in bestehende landwirtschaftliche Strukturen zu integrieren.
Milchbauer Corné van Leeuwen ist der erste Landwirt weltweit, der für die Kultivierung von Fleisch Agrarbeihilfen von der Europäischen Innovationspartnerschaft für landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit (EIP-Agri) sowie der Provinz Zuid-Holland erhält. Dieses Projekt soll belegen, wie Viehzüchter neue Proteinquellen in ihre Betriebsabläufe einbinden können, wodurch Bedenken hinsichtlich einer Verdrängung der Landwirtschaft durch zentrale Produktionsanlagen gemindert werden sollen. Die vierjährige Pilotphase, die durch europäische Agrarfonds mitfinanziert wird, sieht den Test von Bioreaktoren mit Volumina zwischen 20 und 200 Litern vor, mit dem Ziel, bis 2028 einen voll funktionsfähigen Testbetrieb zu etablieren.
Die Technologie des kultivierten Fleisches, auch als In-Vitro-Fleisch bekannt, beruht auf der kontrollierten Vermehrung tierischer Stammzellen in Bioreaktoren zur Züchtung von Muskel- und Fettgewebe. Ein zentraler Forschungsaspekt ist die Nutzung von landwirtschaftlichen Restströmen, wie Käse-Molke, als Nährmedium für die Zellkulturen. Die Verwertung von Molke, die traditionell als Futtermittel diente, bietet hier einen Mehrwert, indem sie Proteine für die menschliche Ernährung nutzbar macht.
Befürworter dieser Methode verweisen auf die sensorische Identität des Endprodukts mit traditionell erzeugtem Fleisch und sehen darin eine mögliche Antwort auf den global steigenden Proteinbedarf, der bis 2050 voraussichtlich um 78 Prozent zunehmen wird. Kritisch betrachtet wird jedoch die Energiebilanz der Bioreaktoren, die für das Zellwachstum auf etwa 37 Grad Celsius und für die Reinigung auf bis zu 78 Grad Celsius gehalten werden müssen. In Europa unterliegt kultiviertes Fleisch der Novel-Food-Verordnung; der erste Zulassungsantrag für „Entenleber aus Zellkultur“ wird derzeit von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geprüft.
RespectFarms verfolgt einen skalierbaren, farmintegrierten Ansatz, um die wirtschaftlichen Grundlagen ländlicher Gemeinschaften zu stärken. Für den Hof von Corné van Leeuwen ist zudem die Eröffnung eines Erlebniszentrums im Frühjahr 2026 geplant, um Transparenz und öffentliches Engagement für diese neue Lebensmitteltechnologie zu fördern. Das Pilotprojekt nutzt das Wissen von Partnern wie der Wageningen University & Research und Unternehmen aus dem CRAFT Konsortium, um die Machbarkeit der Integration von Hochtechnologie in die konventionelle Landwirtschaft zu validieren und eine transparente Proteinwende zu gestalten, die den Landwirt im Zentrum belässt.
22 Ansichten
Quellen
Nieuwe Oogst
RespectFarms
Provincie Zuid-Holland
Green Queen Media
Veeteelt
WOS
Weitere Nachrichten zu diesem Thema lesen:
Haben Sie einen Fehler oder eine Ungenauigkeit festgestellt?Wir werden Ihre Kommentare so schnell wie möglich berücksichtigen.
