EU-Verordnung: Ab 2026 wird recycelbare Lebensmittelverpackung zur Pflicht
Bearbeitet von: Olga Samsonova
Die Europäische Union leitet eine tiefgreifende Transformation im Umgang mit Verpackungsmaterialien ein, um die Abhängigkeit der Lebensmittelindustrie von Einwegkunststoffen drastisch zu reduzieren. Die neue Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR), die am 11. Februar 2025 offiziell in Kraft getreten ist, setzt einen klaren Zeitplan: Ab dem 12. August 2026 muss jede Lebensmittelverpackung, die auf dem EU-Markt bereitgestellt wird, strengen Recyclingkriterien entsprechen. Dieser Rechtsakt ersetzt die bisherige Richtlinie 94/62/EG und entfaltet in allen Mitgliedstaaten unmittelbare Wirkung, was eine Harmonisierung der Standards auf dem gesamten Kontinent gewährleistet.
Das primäre Ziel der Regulierungsbehörden besteht darin, das Abfallaufkommen zu minimieren, den Verbrauch von Primärrohstoffen zu senken und den Übergang zu einer echten Kreislaufwirtschaft zu forcieren. Angesichts der Tatsache, dass Verpackungsmaterialien in der EU CO2-Emissionen verursachen, die mit dem Ausstoß eines kleineren Landes vergleichbar sind, führt die im Dezember 2024 veröffentlichte PPWR-Verordnung strikte Anforderungen an Design und Zusammensetzung ein. Diese betreffen Hersteller, Distributoren und sogar Online-Plattformen gleichermaßen. Ein weiterer entscheidender Aspekt ist das Verbot von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) in Lebensmittelkontaktmaterialien ab dem 12. August 2026, sofern diese festgelegte Grenzwerte überschreiten, um die Belastung durch sogenannte „Ewigkeitschemikalien“ zu eliminieren.
Die Gesetzgebung sieht eine schrittweise Verschärfung der Auflagen vor, um der Industrie Zeit zur Anpassung zu geben. Ab dem Jahr 2030 treten noch restriktivere Maßnahmen in Kraft, darunter ein umfassendes Verbot von Kunststoffverpackungen für frisches Obst und Gemüse bei Mengen unter 1,5 Kilogramm. Auch Einwegbehälter, die für den Vor-Ort-Verzehr in Restaurants und Cafés genutzt werden, stehen vor dem Aus. Zudem werden Produzenten verpflichtet, sich zu registrieren und detaillierte Daten über ihre Verpackungsmengen zu melden. Die finanzielle Beteiligung an den Entsorgungssystemen wird künftig moduliert und richtet sich direkt nach der tatsächlichen Recyclingfähigkeit der verwendeten Materialien.
Die Wirtschaft reagiert bereits aktiv auf diese neuen Mandate und verlagert ihren Fokus zunehmend auf alternative, nachhaltigere Lösungen. Als Ersatz für herkömmliche Frischhaltefolien aus Kunststoff gewinnen Einschlagpapiere auf Basis von Bienenwachs oder pflanzlichen Polymeren sowie Silikonabdeckungen an Bedeutung. Ein deutlicher Trend zeichnet sich auch beim Austausch von Kunststoffbehältern durch langlebige Produkte aus gehärtetem Glas oder rostfreiem Edelstahl ab. Sogar innovative Ansätze wie essbares Besteck finden ihren Weg in den Markt. Branchenriesen wie Nestlé haben bereits angekündigt, bis zum Jahr 2025 mehr als 95 % ihrer Kunststoffverpackungen recycelbar zu gestalten und den Einsatz von Neuplastik um ein Drittel zu reduzieren.
Neben technischen Anforderungen zielt die Verordnung darauf ab, die Transparenz für die Endverbraucher durch eine klare und einheitliche Kennzeichnung zu erhöhen, was die Mülltrennung im Alltag erheblich vereinfachen soll. Im Rahmen der PPWR ist jedes Mitgliedsland dazu verpflichtet, das Pro-Kopf-Aufkommen an Verpackungsabfällen bis 2030 um mindestens 5 % im Vergleich zum Referenzjahr 2018 zu senken. Diese Maßnahmen dienen nicht nur dem Schutz der Umwelt, in der Verpackungsabfälle einen signifikanten Anteil des Meeresmülls ausmachen, sondern fungieren auch als Katalysator für Innovationen im Sektor nachhaltiger Werkstoffe.
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Quellen
okdiario.com
EU Adopts New Regulation on Packaging and Packaging Waste - Taylor Wessing
I Found 4 Items in My Kitchen That Could Be Leaking Microplastics Into My Food - CNET
Reheating plastic food containers: what science says about microplastics and chemicals in ready meals - Greenpeace Africa
EU plastics packaging recycling reaches 42.1 per cent - letsrecycle.com
Packaging in the EU: all manufacturers need to meet the new requirements of the new Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) What has to be done? | JD Supra
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