Grauwal „Little Patch“ in Britisch-Kolumbien unerwartet zur Überwinterungszeit gesichtet

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Am 25. November 2025 wurde der bekannte Grauwal mit dem Spitznamen „Little Patch“ (Kleines Fleckchen) beim Fressen in den Gewässern von Britisch-Kolumbien, genauer gesagt in der Region Sechelt, gesichtet. Diese Sichtung erregt Aufsehen, da für diese Jahreszeit für Grauwale typischerweise die südliche Migration in die warmen Lagunen Mexikos zur Überwinterung ansteht.

„Little Patch“, der durch eine kleine weiße Markierung auf seinem Körper leicht zu identifizieren ist, steht seit 1991 unter der Beobachtung der Pacific Whale Watch Association (PWWA). Erin Gleas, die Geschäftsführerin der PWWA, betonte, dass dieser Wal der bekannteste im Salish Sea sei und sich seit seiner ersten Identifizierung in diesem Gebiet auf Nahrungssuche befinde. Bereits im April und Mai verbrachte der Wal einige Wochen vor der Küste von West Vancouver, wo er nah am Ufer fraß, was auf eine Präferenz für lokale Gewässer hindeutet.

Die Abweichung von der üblichen Migrationsnorm könnte auf weitreichendere ökologische Einflüsse zurückzuführen sein, welche die Population der Grauwale im östlichen Nordpazifik betreffen. Die Bestandsgröße dieser Gruppe wurde Anfang 2025 auf etwa 13.000 Individuen geschätzt. Forscher vermuten, dass klimatische Veränderungen, insbesondere die Erwärmung in der Arktis, die Nahrungsquellen dieser Meeressäuger negativ beeinflussen und die Verfügbarkeit von Bodenorganismen reduzieren. Dies zwinge die Wale dazu, alternative Futtergründe aufzusuchen, was die späte Anwesenheit von „Little Patch“ erklären könnte.

„Little Patch“ gehört zu einer Gruppe von Grauwale, die als „Sounders“ bekannt sind. Diese Individuen zeigen gelegentlich Abweichungen vom Hauptmigrationspfad. Es existiert die Hypothese, dass der Wal bewusst die Überwinterung in lokalen Gewässern wie dem Salish Sea wählt, da er dort ausreichend Nahrung findet. Während die östliche Population, zu der dieser Wal wahrscheinlich zählt, als sich erholend gilt, bleibt die Ochotskisches Meer-Population (westlich), die vor der russischen Küste lebt, mit geschätzten 240 Exemplaren extrem gefährdet. Ende 2024 verabschiedete das russische Ministerium für natürliche Ressourcen und Umwelt eine Strategie zur Erhaltung dieser Population, die darauf abzielt, anthropogene Einflüsse zu minimieren und die Futtergebiete zu schützen.

Angesichts der Nähe des Wals zu besiedelten Gebieten, einschließlich der Sunshine Coast und West Vancouver, wurden Bootsführer und Schiffseigner dazu angehalten, äußerste Vorsicht walten zu lassen. Die strikte Einhaltung der Vorschriften für sichere Walbeobachtungen ist unerlässlich, um Kollisionen zwischen Schiffen und Walen zu verhindern. Man muss hier wirklich Augenmaß bewahren.

Historisch gesehen erreichen Grauwale, die nach Mexiko migrieren, diese Gebiete üblicherweise Ende Dezember oder Anfang Januar, um dort zu kalben und sich zu paaren. Im Jahr 2025 wurde jedoch generell ein Rückgang der Population an der mexikanischen Küste festgestellt, mit einem Defizit von 70 Tieren im Vergleich zu früheren Saisons. Das Verhalten von „Little Patch“ im November in Britisch-Kolumbien stellt faktisch eine Verschiebung der traditionellen Überwinterung dar und könnte auf eine Anpassung an die veränderten Bedingungen in den arktischen Nahrungsgebieten hinweisen. Wissenschaftler setzen ihre Überwachung fort, da das Verhalten dieses Einzeltiers ein wichtiger Indikator für breitere Verschiebungen in der Überlebensfähigkeit der gesamten östlichen Grauwalpopulation sein könnte.

Quellen

  • CBC News

  • FOX 13 Seattle

  • Karmactive

  • KLCC

  • AWI Quarterly

  • FOX 13 Seattle

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