Vier Jahrzehnte Walfangmoratorium: Wandel der Schutzstrategien hin zu Kollisionsprävention

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Die internationale Gemeinschaft nähert sich dem 40. Jahrestag des globalen Moratoriums gegen den kommerziellen Walfang, das im Jahr 1986 in Kraft trat. Diese Maßnahme folgte auf eine Abstimmung der Mitgliedsstaaten der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) im Jahr 1982. Die IWC, die 1946 durch das Internationale Übereinkommen zur Regelung des Walfangs ins Leben gerufen wurde, zählt aktuell 88 Vertragsregierungen und bereitet sich auf ihr 80. Jubiläum im Jahr 2026 vor. Das Moratorium wird weithin als entscheidend dafür angesehen, den katastrophalen Rückgang vieler Walpopulationen zu stoppen, die durch jahrhundertelange intensive Jagd dezimiert wurden; allein im 20. Jahrhundert wurden fast drei Millionen Wale getötet. Diese Dezimierung, insbesondere bei Blau- und Finnwalen, gilt als die größte Auslöschung der Artenvielfalt nach Biomasse in der Menschheitsgeschichte.

Trotz der weitreichenden Einhaltung des Verbots halten einige Staaten an Walfangaktivitäten fest, oft unter Berufung auf abweichende Rechtsinterpretationen innerhalb des IWC-Rahmens. Norwegen, Island und Japan sind die Hauptakteure, die seit der Implementierung des Verbots kommerziellen Walfang betreiben; Schätzungen zufolge haben diese drei Nationen seit 1986 rund 45.000 Wale erlegt. Norwegen hat seine Quote für Zwergwale für 2026 auf 1.641 Tiere erhöht, was auf die Übertragung ungenutzter Quoten zurückzuführen ist. Japan stellte seine Teilnahme an der IWC im Juli 2019 ein, um sich nicht mehr an das Moratorium binden zu müssen, und nahm den kommerziellen Walfang innerhalb seiner 200-Seemeilen-Zone wieder auf. Island stützt seine Fangaktivitäten auf eine Vorbehaltserklärung, die bei seinem Wiedereintritt in die IWC im Jahr 2002 hinterlegt wurde.

Während der Fokus sich von der direkten Bejagung verschiebt, identifizieren wissenschaftliche Analysen nun die Verwicklung in Fischereigeräte und Beifang als die unmittelbarsten und schwerwiegendsten Bedrohungen für die weltweiten Cetaceen. Diese anthropogenen Interaktionen in der Fischerei führen schätzungsweise jährlich zum Tod von über 300.000 Walen, Delfinen und Schweinswalen, was einem täglichen Durchschnitt von etwa 800 Todesfällen entspricht. Studien deuten darauf hin, dass bis zu 80% der Nordkaper und Buckelwale mindestens einmal von einer Verwicklung betroffen waren, wobei Stress und Verletzungen die Reproduktions- und Überlebenschancen mindern. Weitere signifikante Gefahren umfassen Unterwasserlärm durch Schiffsverkehr, Umweltverschmutzung durch Chemikalien wie PCB sowie den Klimawandel, der Nahrungsquellen verschiebt.

Als Reaktion auf dieses veränderte Bedrohungsszenario erweitert die IWC ihr Mandat strategisch über die historische Regulierung des Walfangs hinaus. Die Kommission integriert aktiv Schutzmaßnahmen zur Bewältigung moderner Gefahren wie Schiffskollisionen, Meeresverschmutzung und Beifang. Diese erweiterte Agenda wird ein zentrales Thema bei der bevorstehenden Konferenz IWC70 sein, die vom 28. September bis 3. Oktober 2026 in Hobart, Australien, zusammentreten soll. Die Delegierten werden auch die Forderungen der „End Commercial Whaling Coalition“ berücksichtigen, die anlässlich des 40. Jahrestages am 15. Februar 2026 eine globale Petition startete. Die Debatten in Hobart werden den Weg für Lösungen ebnen, welche die historischen Praktiken mit den dringenden ökologischen Erfordernissen der Weltmeere in Einklang bringen müssen.

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Quellen

  • The Good Men Project

  • IFLScience

  • Mongabay

  • IFAW

  • Ministry of Foreign Affairs of Japan

  • IISD SDG Knowledge Hub

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