Rotwelsch-Vortrag an Universität Osijek analysiert mittelalterliche Geheimsprache
Bearbeitet von: Vera Mo
Die Philosophische Fakultät der Universität Osijek kündigt für den 3. Dezember 2025 eine populärwissenschaftliche Veranstaltung im Rahmen des FUZ&JA-Projekts an. Im Zentrum der Veranstaltung steht eine Analyse des Rotwelsch, einer historisch relevanten Geheimsprache, deren Ursprünge im mittelalterlichen Europa liegen. Diese Sammlung von Soziolekten diente primär marginalisierten Bevölkerungsgruppen wie Vaganten, Kriminellen und Bettlern zur Verschleierung ihrer Kommunikation. Der Vortrag soll die linguistische Struktur und die soziokulturelle Funktion dieser historischen Sprachform beleuchten.
Der Vortragende ist Dr. sc. Kristian Novak, assoziierter Professor und Schriftsteller, dessen akademische Qualifikation die Thematik fundiert untermauert. Dr. Novak absolvierte 2005 sein Studium der Germanistik und Kroatistik in Zagreb und promovierte 2011 in Allgemeiner Linguistik. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die historische Soziolinguistik und die Kontaktlinguistik, was seine Expertise für die Erörterung von Rotwelsch belegt. Die Präsentation wird die Entwicklung dieser Sprache, die über Jahrhunderte ein Überlebensinstrument für Ausgestoßene war, detailliert darlegen.
Linguistisch betrachtet ist Rotwelsch kein eigenständiges Idiom mit eigener Grammatik, sondern ein Soziolekt, der sich durch Entlehnungen und Wortneubildungen auszeichnete. Die lexikalische Zusammensetzung basiert hauptsächlich auf deutschen Varietäten, integriert jedoch signifikante Einflüsse aus dem Jiddischen, der Sprache der Roma, slawischen Dialekten sowie anderen fremden Wortgütern. Diese sprachliche Mischung machte die Kommunikation für Außenstehende nahezu undurchdringlich. Der Begriff selbst, erstmals um 1250 als „rotwalsch“ im Sinne von „betrügerische Rede“ belegt, setzt sich aus „rot“ (für Bettler) und „welsch“ (für fremdartig oder romanisch) zusammen. Diese Eigenart diente der effektiven Abschirmung vor staatlicher Überwachung und der Sicherung der internen Kohäsion in Zeiten sozialer Spannungen.
Die historische Dokumentation des Rotwelsch ist vielschichtig. Das anonym erschienene „Liber vagatorum“ von Matthias Hütlin aus dem Jahr 1510 gilt als eines der einflussreichsten Glossare, das 219 rotwelsche Begriffe enthielt und bis 1755 nachgedruckt wurde. Solche Verzeichnisse, oft in sogenannten Gaunerbüchlein zu finden, dienten ursprünglich der Entlarvung der Betrügereien der Vaganten. Viele Wörter aus dem Rotwelsch sind in die moderne deutsche Umgangssprache übergegangen; der Dudenverlag listet in seiner fünften Auflage über 70 rotwelsche oder gaunersprachliche Einträge auf. Beispiele für übernommene Vokabeln sind „Dietrich“ oder „Hochstapler“, während umgangssprachliche Übernahmen „Dalles“ oder „Schiebung“ umfassen.
Die anhaltende Relevanz dieser historischen Soziolekte wird durch die Tatsache unterstrichen, dass Spuren des Rotwelsch vereinzelt noch heute bei reisenden Handwerkern oder Landstreichern nachweisbar sind. Die Aufnahme in das immaterielle Kulturerbe zeigt zudem, wie die moderne Linguistik die Bedeutung dieser Sprachform für die Identitätsbildung von Randgruppen anerkennt. Dr. Novak wird in seinem Vortrag die Mechanismen der Überlieferung und die Funktion als Überlebensstrategie für die über Jahrhunderte abgelehnten Bevölkerungsschichten herausarbeiten, was einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der soziolinguistischen Dynamiken des Mittelalters und der frühen Neuzeit darstellt.
Quellen
Wiktionnaire
Glas Slavonije
La France en Bulgarie
Human Rights Watch
Conseil économique social et environnemental (CESE)
Direction générale du Trésor
Observatoire des inégalités
Glas Slavonije
Glas Slavonije
dr. sc. Kristian Novak - Odsjek za germanistiku
dr.sc. Kristian Novak, izv. prof. - Filozofski fakultet
Kristian Novak - V.B.Z.
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