Großbritannien verbietet ab Januar 2026 jegliche Werbung für ungesunde Lebensmittel, die sich an Kinder richtet
Bearbeitet von: Svetlana Velgush
Zum 5. Januar 2026 tritt im Vereinigten Königreich eine weitreichende Gesetzesänderung in Kraft, die darauf abzielt, die Kinderfettleibigkeit aktiv zu bekämpfen. Diese Maßnahme beinhaltet ein umfassendes Verbot der digitalen Werbung für Produkte, die reich an gesättigten Fetten, Salz oder Zucker sind (HFSS-Produkte). Zusätzlich wird die Fernsehwerbung für diese Lebensmittel auf die Zeit vor 21:00 Uhr beschränkt. Von dieser Regelung sind exakt 13 Produktkategorien betroffen, die besonders stark mit dem Übergewicht bei Kindern in Verbindung gebracht werden. Dies stellt die bedeutendste Neuerung für die Werbebranche in Bezug auf diese spezifischen Lebensmittel dar.
Das Werbeverbot erstreckt sich auf sämtliche bezahlte Online-Werbung, was soziale Medien, Suchmaschinen und Display-Anzeigen einschließt. Im Fernsehbereich gilt die Einschränkung strikt bis zur genannten Uhrzeit. Die Überwachung und Durchsetzung dieser Bestimmungen obliegt der Advertising Standards Authority (ASA), die in Fragen der Rundfunkwerbung eng mit Ofcom zusammenarbeitet. Anna Taylor, Geschäftsführerin der Food Foundation, wertete diesen Schritt als einen entscheidenden Meilenstein im Schutz der jungen Generation vor der aggressiven Vermarktung von ungesunden Nahrungsmitteln.
Gesundheitsminister Ashley Dalton betonte, dass das Hauptziel darin bestehe, die übermäßige Exposition gegenüber ungesunden Lebensmitteln zu eliminieren, sodass „die gesunde Wahl für Eltern und Kinder zur einfachen Wahl wird“. Die Regierung prognostiziert, dass diese Beschränkungen langfristig bis zu 7,2 Milliarden Kalorien aus der Ernährung von Kindern herausnehmen und rund 20.000 Fälle von Kinderfettleibigkeit verhindern könnten. Dies würde einen volkswirtschaftlichen Nutzen von etwa 2 Milliarden Pfund Sterling generieren. Die Dringlichkeit der Lage unterstreicht die Statistik: Bereits bei Schuleintritt weisen 22,1 % der Kinder in England Übergewicht oder Adipositas auf; bis zum Schulabgang steigt dieser Anteil auf beachtliche 35,8 %.
Zu den Produkten, die unter diese strengen Werbebeschränkungen fallen, zählen unter anderem zuckerhaltige Erfrischungsgetränke, Süßwaren, Eiscreme, Pizza sowie bestimmte Frühstückscerealien, sofern sie die festgelegten Nährwertprofile nicht erfüllen. Selbst Produkte wie Sandwiches jeglicher Art und Müsli sind betroffen, wobei reine Haferflocken von der Regelung ausgenommen sind. Die Werbebranche begann bereits im Oktober 2025 freiwillig, sich an die neuen Vorgaben zu halten. Dies führte dazu, dass in den ersten Weihnachtskampagnen traditionelle Süßigkeiten zugunsten von Obst und Gemüse in den Werbeanzeigen ersetzt wurden.
Obwohl Gesundheitsorganisationen die Initiative begrüßen, wurden Stimmen laut, die auf potenzielle Schlupflöcher hinweisen. Kritiker merkten an, dass das sogenannte „Brand Advertising“, bei dem lediglich der Markenname oder das Logo ohne die explizite Darstellung eines HFSS-Produkts beworben wird, von der Regelung ausgenommen ist. Zudem fehlt in der aktuellen Fassung ein Verbot für Außenwerbung, beispielsweise auf Plakatwänden. Daten der Food Foundation belegen, dass die Ausgaben für Plakatwerbung zwischen 2021 und 2024 um 28 % gestiegen sind. Besonders auffällig ist, dass McDonald's seine entsprechenden Werbeausgaben im selben Zeitraum um 71 % erhöhte, was auf eine klare Verschiebung der Marketingbudgets in noch nicht regulierte Kanäle hindeutet.
Diese Maßnahme ist Teil eines größeren Maßnahmenpakets. Dazu gehört die Ausweitung der Abgabe auf zuckerhaltige Milchgetränke bis Januar 2028 sowie die Ermächtigung lokaler Behörden, die Ansiedlung von Fast-Food-Ketten in unmittelbarer Nähe von Schulen zu beschränken. Die zuständigen Regulierungsbehörden, insbesondere die ASA, können bei Nichteinhaltung empfindliche Strafen verhängen. Diese können bis zu 5 % des Jahresumsatzes der betroffenen Marken oder maximal 250.000 Pfund Sterling betragen. Dieses Gesetz setzt einen neuen Maßstab für die staatliche Gesundheitspolitik, indem es den Fokus klar auf die direkte Einschränkung des Marketings gegenüber Kindern legt.
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Quellen
Deutsche Welle
Sky News
GOV.UK
The Guardian
The Hindu
The BMJ
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