Svalbard-Eisbären kompensieren Eisschwund durch veränderte Nahrungsaufnahme

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Neue Forschungsergebnisse vom norwegischen Archipel Svalbard deuten auf eine unerwartete Anpassungsfähigkeit der dortigen Eisbärenpopulation hin, die sich inmitten des beschleunigten Klimawandels zeigt. Eine Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Scientific Reports, analysierte Gesundheitsdaten von 1992 bis 2019, wobei der Body Condition Index (BCI) der Tiere im Fokus stand. Die Analyse belegt, dass die Bären nach dem Jahr 2000 paradoxerweise an Körpergewicht und Fettreserven zulegten, obwohl die Zahl der eisfreien Tage signifikant anstieg.

Die Region der Barentssee ist von einem Meereisverlust betroffen, der doppelt so schnell voranschreitet wie in anderen arktischen Lebensräumen. Die Temperaturen sind dort seit 1980 um bis zu 2 Grad Celsius pro Jahrzehnt gestiegen, mit Spitzenwerten von 2,7 Grad Celsius Dekade zwischen 2001 und 2020. Die Ursache für die bemerkenswert gute körperliche Verfassung dieser Population liegt in einer deutlichen Diversifizierung ihrer Nahrungsaufnahme. Die Eisbären auf Svalbard haben erfolgreich auf alternative, terrestrische Nahrungsquellen umgestellt, um die traditionelle Robbenjagd zu ergänzen.

Zu diesen neuen Nahrungsquellen zählen das Aas von Walrosskadavern sowie die aktive Jagd auf Rentiere, deren lokale Populationen zugenommen haben. Das Spitzbergen-Rentier, eine endemische, kurzbeinige Unterart, ist mit etwa 10.000 Exemplaren auf dem Archipel verbreitet und bildet nun einen Teil der erweiterten Speisekarte. Diese Flexibilität im Ernährungsverhalten stellt eine kurzfristige Anpassungsstrategie dar, die es den Bären ermöglichte, trotz des Rückgangs der Jagdplattform Meereis zu überleben.

Die Datenerhebung war umfangreich: Ein sechsköpfiges Forschungsteam unter der Leitung von Jon Aars vom Norwegischen Polarinstitut betäubte zwischen 1992 und 2019 rund 1200-mal ein Tier, um Gesundheitsdaten von 770 erwachsenen Eisbären zu sammeln. Diese Daten wurden mit der Zunahme der eisfreien Tage in der Barentssee korreliert. Jon Aars, der seit 2003 das Eisbären-Forschungsprogramm am Norwegischen Polarinstitut leitet, hat die Entwicklung der Population über zwei Jahrzehnte wissenschaftlich begleitet.

Trotz dieser positiven Befunde mahnen Experten zur Vorsicht, da diese beobachtete Resilienz wahrscheinlich nur temporär ist und keine dauerhafte evolutionäre Lösung darstellt. Die langfristige Überlebensfähigkeit der Eisbären hängt fundamental von der Verfügbarkeit des Meereises ab, da dieses die Plattform für die Jagd auf energiereiche Robben bietet. Aars selbst betonte, dass bei anhaltendem Verlust des Meereises eine kritische Schwelle überschritten wird, nach deren Überschreitung ein zukünftiger Populationsrückgang unvermeidlich ist. Die aktuelle Ernährungsflexibilität stellt somit einen Aufschub, aber keinen Ersatz für den lebenswichtigen Eislebensraum dar.

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Quellen

  • PEOPLE.com

  • Climate Depot

  • The National

  • The Straits Times

  • Popular Science

  • WWF Arctic

  • Ground News

  • Greater Belize Media

  • The National

  • The Straits Times

  • Discover Magazine

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