Akustische Daten identifizieren arktische Brutgebiete des Grönlandwals nahe Spitzbergen

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Neue wissenschaftliche Untersuchungen unterstreichen die kritische Rolle der akustischen Überwachung für das Verständnis der gefährdeten Grönlandwalpopulationen im sich wandelnden Arktischen Ozean. Forscher des Alfred-Wegener-Instituts Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) setzten Hydrophone ein, um die komplexen Rufe dieser Meeressäuger im Gebiet um Spitzbergen in der Framstraße zu analysieren. Die Studie verglich zwei ökologisch unterschiedliche Regionen, um die Auswirkungen des schwindenden Meereises auf das Verhalten der Wale präzise zu bewerten.

Die AWI-Wissenschaftler, darunter Experten wie Thomisch und Hiemer, nutzten langfristige passive akustische Aufzeichnungen, die im Rahmen des Ocean Observing System FRAM (Frontiers in Arctic Marine Monitoring) gesammelt wurden. In der nordwestlichen Region von Spitzbergen, die das ganze Jahr über überwiegend eisbedeckt bleibt, detektierten die Wissenschaftler zwischen Oktober und April zwölf verschiedene komplexe Gesangsformen. Die Vielfalt der Gesänge erreichte ihren Höhepunkt im Februar, als sich der Aufnahmeort nahe der zurückweichenden Eiskante befand, was diesen Bereich als ein essenzielles Reproduktionshabitat für die Population der Ostgrönland-Svalbard-Barentssee (Spitzbergen) identifiziert. Diese Erkenntnis ist für Schutzmaßnahmen von großer Bedeutung, da Grönlandwale das Meereis sowohl als Schutz vor Prädatoren als auch als Nahrungsquelle benötigen.

Die Analyse der umfangreichen Audiodaten wurde durch den Einsatz von KI-Bilderkennungsmethoden unterstützt, die speziell auf Walgesänge trainiert wurden. Im Gegensatz dazu erbrachte die eisfreie östliche Framstraße lediglich einfache Kontaktrufe, was darauf hindeutet, dass dieses Gebiet primär als Migrationskorridor und nicht als Brutstätte dient. Studien aus den Jahren 2012, 2016 und 2017 zeigten bereits, dass die akustische Präsenz in der Framstraße von Herbst bis in den Winter (Oktober bis Februar) anhielt und die Region somit ein wichtiges Überwinterungsgebiet darstellt. Die nordwestlich von Svalbard gelegene, eisbedeckte Region zeigte eine höhere und kontinuierlichere akustische Präsenz als die eisfreien Gewässer der östlichen Framstraße, was auf eine erhöhte Tierhäufigkeit in diesem Gebiet hindeutet.

Der Verlust des Meereises in der Arktis, bedingt durch den fortschreitenden Klimawandel, erhöht die Gefahren durch menschliche Aktivitäten, insbesondere durch Schifffahrt und die damit verbundene Lärmbelästigung. Umweltorganisationen warnen davor, dass eine verstärkte Nutzung zentralarktischer Routen, wie der Nordost- oder Nordwestpassage, zu einer erhöhten Lärmbelästigung führen würde, da zentrale Ozeanbereiche bisher kaum menschlicher Aktivität ausgesetzt waren. Die Detektion komplexer Gesänge im eisbedeckten Gebiet nordwestlich von Svalbard von Oktober bis April bestätigt reproduktives Verhalten an diesem Ort und stimmt mit dem Migrationsmuster der Population überein, die im Herbst in nördliche Brutgebiete zieht. Die akustische Forschung liefert somit eine unverzichtbare Grundlage für den Schutz dieser Population, die laut IUCN weiterhin als gefährdet gilt.

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Quellen

  • research-in-germany.org

  • What calling and singing reveal about bowhead whales

  • 10 June 2025: New study highlights key winter areas for bowhead whales around Svalbard

  • Exploring Geographic Variation in Fin Whale (Balaenoptera physalus) Calls From Two Passive Acoustic Monitoring Sites Revealing Population Identities Across the Weddell Sea, Antarctica | EPIC

  • Climate crisis pressures the 'Arctic giant': Habitats risk disappearing completely - News

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