ESA-Ingenieurin Michaëla Benthaus schreibt Geschichte mit suborbitalem New Shepard-Flug

Bearbeitet von: Svetlana Velgush

Die 33-jährige deutsche Ingenieurin Michaëla Benthaus hat einen Meilenstein in der Raumfahrtgeschichte gesetzt: Sie ist der erste Mensch mit einer Querschnittslähmung unterhalb der Taille, dem die Reise in den suborbitalen Raum gelungen ist. Dieses historische Ereignis fand am Samstag, dem 20. Dezember 2025, auf dem Launch Site One in West-Texas statt. Der Flug wurde von Blue Origin im Rahmen der Mission New Shepard NS-37 durchgeführt.

Benthaus, die seit einem Mountainbike-Unfall im Jahr 2018 auf einen Rollstuhl angewiesen ist, durchquerte die international anerkannte Grenze zum Weltraum, die Kármán-Linie, die in etwa 105 Kilometern (65 Meilen) Höhe liegt. Der gesamte Flug dauerte nur rund zehn bis elf Minuten, markierte jedoch einen bedeutenden Schritt hin zu mehr Inklusivität im Bereich der Raumfahrt. Die Mission NS-37 war der sechzehnte bemannte Flug von Blue Origin und der neunte Start der New Shepard im Jahr 2025. Das Unternehmen kündigte an, die Frequenz der Flüge für das Jahr 2026 weiter erhöhen zu wollen.

Neben Benthaus bestand die sechsköpfige Crew aus weiteren bemerkenswerten Persönlichkeiten. Dazu zählten der ehemalige SpaceX-Topmanager Hans Königsmann, der Investor Joey Hyde, der Unternehmer Neil Milch, der Investor Adonis Puroulis sowie der Weltraum-Enthusiast Jason Stansell. Ursprünglich war der Start für den 18. Dezember angesetzt. Er musste jedoch um zwei Tage verschoben werden. Grund dafür waren technische Störungen, die das System 58 Sekunden vor dem geplanten Countdown meldete, sowie starke Winde in den oberen Atmosphärenschichten.

Um Benthaus den Flug zu ermöglichen, hatte Blue Origin spezifische Anpassungen vorgenommen. Dazu gehörten die Bereitstellung einer speziellen Transferhilfe für den Sitzwechsel sowie das Verlegen von Teppichboden auf dem Gelände, um ihr die Manövrierfähigkeit nach der Landung zu erleichtern. Die New Shepard-Kapsel selbst ist bereits auf Inklusivität ausgelegt, beispielsweise durch einen Aufzug, der den Zugang zur Startrampe ermöglicht. Benthaus, die aktuell als Graduiertenpraktikantin beim Europäischen Weltraumorganisation (ESA) an der Erforschung der Marsatmosphäre arbeitet, bezeichnete den Flug als das „großartigste Erlebnis ihres Lebens“ und die Erfüllung eines lang gehegten Traumes.

Dieser historische Flug hat eine weitreichende soziale Bedeutung, da er als praktischer Test für die Integration von Barrierefreiheit in die Raumfahrtindustrie dient. Benthaus verfügte bereits über Vorerfahrungen mit der Schwerelosigkeit, die sie 2022 während eines parabolischen Fluges sammelte, und nahm 2024 an einer analogen Astronautenmission teil. Ihr erklärtes Ziel ist es, diese Erfahrungen zu nutzen, um sich für mehr Zugänglichkeit auf der Erde einzusetzen. Sie betont eindringlich, dass körperliche Einschränkungen keine Hürde für das Erreichen ehrgeiziger Ziele darstellen dürfen.

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Quellen

  • Аргументы и факты

  • Houston Chronicle

  • CBS News

  • The Guardian

  • PBS News

  • The Independent

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