Regulierungsinitiativen gegen ultra-verarbeitete Lebensmittel gewinnen weltweit an Dynamik
Bearbeitet von: Olga Samsonova
Weltweit intensivieren sich gesundheitspolitische Bemühungen, um den Konsum ultra-verarbeiteter Lebensmittel (UPFs) einzudämmen. Diese Produkte, die oft aus industriellen Zutaten und intensiven Verarbeitungsschritten resultieren, werden mit einer erhöhten Inzidenz schwerwiegender globaler Pathologien in Verbindung gebracht, darunter Adipositas, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In Deutschland belegte die Nationale Verzehrsstudie II (NVS II) bereits Anfang der 2000er-Jahre, dass rund 50 Prozent der gesamten Energieaufnahme von Erwachsenen aus diesen UPFs stammte.
Als unmittelbare Maßnahme zur Reduzierung der Kalorienaufnahme von Kindern hat das Vereinigte Königreich strenge neue Vorschriften erlassen, die ab dem 5. Januar 2026 in Kraft treten. Diese Regelungen verbieten die Online-Werbung für Junkfood und beschränken die Fernsehwerbung für derart hochverarbeitete Produkte auf die Zeit nach 21:00 Uhr. Die britische Labour-Regierung, welche die Initiative von der konservativen Vorgängerregierung übernahm, prognostiziert, dass diese Maßnahme jährlich 7,2 Milliarden Kalorien aus den Ernährungsplänen britischer Kinder eliminieren könnte. Aktuell leiden in Großbritannien zehn Prozent der vierjährigen Kinder an Fettleibigkeit, und fast jedes fünfte Kind bis zum fünften Lebensjahr weist Karies auf. Langfristig sollen durch diese Präventionsstrategie auch Milliardenkosten für das staatliche Gesundheitswesen NHS eingespart werden.
Parallel dazu adressiert die Politik in den Vereinigten Staaten die Thematik durch die Veröffentlichung der Dietary Guidelines for 2025-2030, welche explizit zur Limitierung hochgradig verarbeiteter Artikel raten. Diese US-Richtlinien üben erheblichen Einfluss auf bundesstaatliche Programme, wie die Verpflegung in Schulen, aus und empfehlen für Kinder unter vier Jahren sogar eine Zufuhr von null Gramm zugesetztem Zucker.
Die regulatorische Dynamik beschleunigt sich, obwohl die Debatte um eine präzise Definition von UPFs, etwa durch das NOVA-Klassifizierungssystem, anhält. Eine umfassende Analyse von 43 internationalen Experten, publiziert im Fachjournal „The Lancet“, untermauert die Notwendigkeit globaler Reaktionen, die mit jenen gegen die Tabakindustrie vergleichbar seien. Die Forschung, an der unter anderem die Universität São Paulo und die Harvard T.H. Chan School of Public Health beteiligt waren, belegt in über 100 Langzeitstudien einen konsistenten Zusammenhang zwischen hohem UPF-Konsum und einem erhöhten Risiko für mindestens zwölf chronische Erkrankungen.
Die Verdrängung frischer Lebensmittel durch diese industriell hergestellten Produkte, gekennzeichnet durch Hyperschmackhaftigkeit und eine hohe Energiedichte bei geringer Nährstoffdichte, stellt eine wachsende Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar. Die weltweite Verbreitung ist signifikant: Die USA und Schweden weisen mit über 50 Prozent des Energieanteils aus UPFs die höchsten Verbrauchsraten in Europa auf, während Länder wie Portugal und Italien unter 14 Prozent liegen. In Spanien verdreifachte sich der Konsum in den letzten drei Jahrzehnten von elf auf 32 Prozent. Organisationen wie EuroHealthNet fordern auf EU-Ebene verbindliche Regulierungen, um die Verfügbarkeit von UPFs zu begrenzen und minimal verarbeitete Lebensmittel erschwinglich zu halten. Die regulatorischen Schritte in Großbritannien und die Richtlinienempfehlungen in den USA signalisieren einen Wendepunkt in der globalen Ernährungspolitik, weg von der Selbstregulierung hin zu verbindlichen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung.
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Quellen
Corriere della Sera
JD Supra
ASTHO
The Guardian
GOV.UK
EdNC
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