Langeweile als metabolisches Risiko: Genetische Faktoren und Ernährungsstrategien
Bearbeitet von: Olga Samsonova
Aktuelle Forschungsergebnisse aus Spanien rücken die Langeweile in den Fokus als einen signifikanten metabolischen Risikofaktor, dessen Tragweite mit dem übermäßigen Zuckerkonsum vergleichbar ist. Dieses Phänomen des emotionalen Essens, das häufig zum Verzehr ultra-verarbeiteter Lebensmittel führt, wird durch das Verlangen des gelangweilten Gehirns nach einer schnellen Dopaminfreisetzung angetrieben. Studien belegen, dass diese Jagd nach sofortiger Befriedigung gesündere Nahrungsalternativen verdrängt, was zu einer suboptimalen Nährstoffaufnahme und einer daraus resultierenden Gewichtszunahme führt.
Besonders kritisch stellt sich hierbei das nächtliche Snacken dar, insbesondere für Bevölkerungsgruppen in Spanien, die Träger der spezifischen Genvariante MTNR1B sind. Die genetische Prädisposition durch das MTNR1B-Allel, insbesondere das rs10830963 (G-Allel), ist in verschiedenen Bevölkerungsgruppen stark mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes mellitus assoziiert, was auf eine evolutionäre Verknüpfung hindeutet. Dieses Gen beeinflusst die Glukosetoleranz negativ, wenn die Nahrungsaufnahme spät am Tag erfolgt, da dies oft mit der natürlichen Präsenz des Hormons Melatonin kollidiert, welches den zirkadianen Rhythmus reguliert. Störungen der zirkadianen Ausrichtung, wie sie durch späte Mahlzeiten entstehen, sind ein bekannter Risikofaktor für Stoffwechselstörungen.
Die innere Uhr, gesteuert durch den ventromedialen Nukleus des Hypothalamus (VMH), koordiniert die Insulinsekretion, welche tageszeitabhängigen Schwankungen unterliegt. Die Beeinträchtigung dieser Abstimmung kann selbst geringe Insulindosen in der Nacht zu Hypoglykämien führen, was die Sensitivität des Körpers für Glukose weiter stört. Forschung am Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln deutet darauf hin, dass der Konsum von fett- und zuckerreichen Lebensmitteln das dopaminerge System im Gehirn neu verdrahtet und diese Präferenz für belohnendes Essen unterbewusst festigt. Die Deutsche Hirnstiftung weist zudem darauf hin, dass hochverarbeitete Lebensmittel das Risiko für neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall und Demenz erhöhen können.
Als wirksame Gegenmaßnahmen zur Eindämmung dieses Verhaltens werden Strategien zur Erhöhung der diätetischen Ballaststoffzufuhr, primär aus Obst und Gemüse, empfohlen. Diese Empfehlung wird durch die substanziellen Ergebnisse der PREDIMED-Studie gestützt, die über die Jahre 2003 bis 2010 in Spanien mit 7.447 Teilnehmern durchgeführt wurde. Die PREDIMED-Studie, deren Ziel die Prävention kardiovaskulärer Ereignisse war, zeigte, dass eine mediterrane Kost, angereichert mit entweder nativem Olivenöl extra oder Nüssen, das Körpergewicht effektiver senkte als eine konventionelle fettarme Diät, obwohl der Fettanteil in den Interventionsgruppen bei über 40 Prozent lag. Die Betonung liegt auf der Qualität der Fette und der gesamten Ernährungskomposition. Die Etablierung fester Essensrituale, wie das frühere Einnehmen des Abendessens, kann helfen, die durch Langeweile aktivierten neuronalen Belohnungsmechanismen zu umgehen und das nächtliche "Grazing" zu reduzieren.
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Quellen
Xataka
EL PAÍS
Xataka
Canal Diabetes
ELLE
CIBEROBN
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