Einmalige Gentherapie beseitigt Enzymmangel bei Hunter-Syndrom bei Kind

Bearbeitet von: Maria Sagir

Ein medizinisches Team in Manchester hat vielversprechende Ergebnisse einer weltweit ersten Stammzell-Gentherapie zur Behandlung des seltenen genetischen Leidens, des Hunter-Syndroms (MPS II), bekannt gegeben. Die einmalige Prozedur wurde im Februar 2025 im Royal Manchester Children's Hospital durchgeführt.

Der dreijährige Junge Oliver Chu war der erste Teilnehmer dieser klinischen Studie, die von Wissenschaftlern der Universität Manchester entwickelt wurde. Die Behandlung begann bereits im Dezember 2024 mit der Entnahme körpereigener (autologer) hämatopoetischer Stammzellen des Patienten. Diese Zellen wurden anschließend im Labor des Great Ormond Street Hospital (GOSH) in London mittels eines lentiviralen Vektors so modifiziert, dass eine funktionierende Kopie des IDS-Gens eingefügt wurde.

Das Besondere an dieser Therapie liegt in der Konstruktion des modifizierten Enzyms: Es ist mit einem kurzen „Tag“ versehen. Dieser Tag ermöglicht es dem Enzym, die Blut-Hirn-Schranke deutlich effizienter zu überwinden. Dies ist ein entscheidender Faktor, um neurologische Symptome zu bekämpfen, bei denen herkömmliche Behandlungen oft an ihre Grenzen stoßen.

Im November 2025, etwa neun Monate nach dem Eingriff, zeigte Oliver deutliche Fortschritte. Die wöchentlichen Infusionen des Medikaments Elaprase konnten abgesetzt werden. Im Blut des Jungen wurden extrem hohe Enzymspiegel gemessen – Berichten zufolge übersteigen diese die normalen Werte um das Hundertfache. Professor Simon Jones, Co-Leiter der Studie, bezeichnete diese Resultate als lang ersehnt und äußerst ermutigend.

Die Entwicklung dieser Therapie zog sich über einen Zeitraum von etwa 10 bis 15 Jahren hin. Nachdem die Biotechnologiefirma Avrobio ihre Lizenz im Jahr 2023 zurückzog, wurde die Finanzierung der klinischen Studien durch den Wohltätigkeitsfonds LifeArc in Höhe von 2,5 Millionen Pfund Sterling gesichert. Diese finanzielle Unterstützung war essenziell, um das Projekt am Laufen zu halten.

Das Hunter-Syndrom entsteht durch eine Mutation im IDS-Gen, was zu einem Mangel des Enzyms Iduronat-2-Sulfatase führt. Dies resultiert in der Ansammlung von Glykosaminoglykanen in Geweben und Organen, was schwere, fortschreitende Schäden und kognitiven Abbau nach sich zieht. Bei schweren Verlaufsformen liegt die Lebenserwartung typischerweise nur bei 10 bis 20 Jahren.

Die Standardbehandlung, die Enzymersatztherapie mit Elaprase, ist außerordentlich kostspielig – sie beläuft sich auf rund 375.000 Pfund Sterling jährlich. Trotz dieser hohen Kosten kann sie die Neurodegeneration nicht aufhalten, da das Enzym die Blut-Hirn-Schranke kaum passiert. Olivers Genesung deutet darauf hin, dass die neue Gentherapie diese kritische Hürde überwinden kann.

Im Rahmen der aktuellen Untersuchung sind bis zu fünf weitere Jungen aus den USA, Europa und Australien zur Teilnahme vorgesehen. Zum Zeitpunkt des Beginns der klinischen Überwachung standen in Großbritannien keine geeigneten Patienten mehr zur Verfügung. Olivers Eltern berichten von einer spürbaren Besserung des körperlichen und kognitiven Zustands ihres Sohnes. Professor Rob Wynn hob hervor, dass diese Gentherapie eine sicherere und effektivere Alternative zur herkömmlichen Knochenmarktransplantation darstellt.

Der Grund dafür ist die Verwendung von patienteneigenem Material, wodurch die Notwendigkeit einer Spendersuche entfällt und gleichzeitig höhere Spiegel des fehlenden Enzyms erreicht werden können. Obwohl eine zweijährige Beobachtungsphase zur abschließenden Bewertung der Langzeitwirksamkeit notwendig ist, markiert der Fall von Oliver Chu bereits einen bedeutenden Fortschritt auf dem Weg von der rein palliativen Versorgung hin zu einer potenziellen genetischen Korrektur dieser schweren Erbkrankheit.

Quellen

  • Pravda

  • Groundbreaking UK gene therapy offers hope after progress of three-year-old

  • Boy given world-first gene therapy made by UCL scientists 'thriving'

  • 3-Year-Old Boy with Rare Condition Amazes Doctors by Becoming World's First Gene Therapy Patient

  • 3 promising biotech approaches to treat Hunter syndrome, a rare genetic disorder

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