Bewusstes Atmen als Werkzeug zur neuronalen Umgestaltung: Castellanos beleuchtet Gehirn-Körper-Interaktion

Bearbeitet von: Elena HealthEnergy

Die Neurowissenschaftlerin Nazareth Castellanos hat Forschungsergebnisse vorgelegt, die belegen, dass bewusstes Atmen eine unmittelbar zugängliche Methode zur Umgestaltung der Gehirnstruktur und zur Reduzierung unnötigen Leidens darstellt. Diese Arbeit, dargelegt in ihrem Buch El puente donde habitan las mariposas (Die Brücke, wo die Schmetterlinge leben), verknüpft moderne neurowissenschaftliche Erkenntnisse mit philosophischen Konzepten, um die Selbstfürsorge durch gezielte Steuerung der Respiration zu fördern. Castellanos, die die Forschung am Nirakara Lab leitet und eine Professur an der Complutense Universität Madrid (UCM) innehat, geht von der Annahme aus, dass Individuen ihr Gehirn aktiv formen können, eine Idee, die sie auf Santiago Ramón y Cajal zurückführt, der postulierte: „Jeder Mensch kann, wenn er es sich vornimmt, ein Bildhauer seines eigenen Gehirns sein.“

Castellanos’ Forschungstätigkeit, die sich unter anderem auf das Projekt „Interacción cerebro-cuerpo en practicantes de mindfulness“ konzentriert, evaluiert mittels hochentwickelter Messsysteme die Wechselwirkungen zwischen zerebraler Aktivität, Atmung, Darmtätigkeit und Herzfrequenz. Diese wissenschaftliche Grundlage wird durch die philosophische Perspektive Martin Heideggers ergänzt, um zu verdeutlichen, dass die bewusste Lenkung der Atmung ein essenzielles Werkzeug zur Rekonstruktion der neuronalen Architektur ist, wobei die Atmung als Brücke zwischen innerer und äußerer Welt fungiert. Die Freiheit in der Forschung an ihrem Institut ermöglicht es ihr, wissenschaftliche Methoden ohne externen Druck anzuwenden, was für die Tiefe ihrer Erkenntnisse als wesentlich erachtet wird.

Experimentelle Befunde aus dem Forschungsprojekt zur Gehirn-Körper-Interaktion belegen, dass bereits die reine Beobachtung des Atems eine signifikant stärkere Aktivierung des anterioren cingulären Kortex (ACC) auslöst als andere gedankliche Prozesse. Der ACC wird als kritischer Bereich für den Wechsel zwischen unbewussten und bewussten Verarbeitungsprozessen identifiziert und fungiert als innerer „Achtsamkeitsmonitor“, der das Abschweifen der Aufmerksamkeit registriert. Studien zeigen, dass erfahrene Meditierende im Vergleich zu Kontrollpersonen eine verstärkte Aktivierung im rostralen ACC aufweisen, was auf eine intensivere Verarbeitung ablenkender Ereignisse hindeutet. Diese Fokussierung auf die Interozeption – die Interpretation innerer Körpersignale – initiiert eine immense neuronale Aktivität.

Castellanos empfiehlt eine spezifische Atemtechnik: eine Inspiration über drei Zählzeiten, gefolgt von einer langsamen Exspiration bis sechs. Diese verlängerte Ausatmung ist wissenschaftlich untersucht und bekannt dafür, die Amygdala, das zentrale Angstzentrum des Gehirns, zu beruhigen, was zu einer weniger überzogenen Angstreaktion führt. Die bewusste Verlangsamung des Atems reduziert die Stressreaktion des Körpers, indem sie dem Gehirn einen Stressor weniger auferlegt. Angesichts der Tatsache, dass 70 % der europäischen Gesellschaft über Erschöpfung berichten, plädiert Castellanos dafür, Techniken zur Körperwahrnehmung als eine Notwendigkeit für die öffentliche Gesundheit in die Lehrpläne der Schulen zu integrieren. Sie betont die Notwendigkeit der „synaptischen Stille“ als einen neurobiologischen Zustand, der für die tiefgreifende Reparatur des Nervensystems unabdingbar ist, und unterscheidet diesen klar von einfacher Ermüdung.

Das Nirakara Lab, das seit über 15 Jahren aktiv ist, verfolgt das Ziel, wissenschaftlich fundierte Methoden für mentales Wohlbefinden zugänglich zu machen. Der Wert dieser Forschung liegt in der Bereitstellung praktischer Instrumente zur Verbesserung der psychischen Gesundheit, wobei anerkannt wird, dass externe Umstände die persönliche Transformation ebenso beeinflussen wie die individuelle Intention. Die UCM und das Nirakara Institut veranstalten regelmäßig multidisziplinäre Foren zur Beleuchtung der Auswirkungen alltäglicher Gewohnheiten auf die Gesundheit, an denen auch Experten wie Sara Lazar von der Harvard Universität beteiligt sind.

63 Ansichten

Quellen

  • EL PAÍS

  • Casa del Libro

  • Ediciones Siruela

  • PenguinRandomHouse.com

  • YouTube

  • YouTube

Haben Sie einen Fehler oder eine Ungenauigkeit festgestellt?

Wir werden Ihre Kommentare so schnell wie möglich berücksichtigen.