Googles Universal Commerce Protocol: Standardisierung des KI-gesteuerten Einkaufens

Bearbeitet von: Veronika Radoslavskaya

Anfang Januar 2026 läutete Google mit der Einführung des Universal Commerce Protocol (UCP) eine neue Ära ein. Dieses quelloffene Standardwerk soll das sogenannte „agentische Einkaufen“ erst ermöglichen. Die Initiative zielt darauf ab, die Kluft zwischen hochentwickelten KI-Assistenten und den komplexen Systemen des Einzelhandels zu überbrücken. Das UCP schafft eine einheitliche technische Sprache, die es KI-Agenten erlaubt, den gesamten Einkaufsprozess – von der ersten Produktentdeckung bis hin zum finalen Bezahlvorgang – autonom zu steuern.

Das UCP wurde nicht im stillen Kämmerlein entwickelt, sondern in enger Zusammenarbeit mit einer breiten Koalition führender Branchenakteure konzipiert. Zu diesen gehören Schwergewichte wie Shopify, Etsy, Wayfair, Target und Walmart. Anstatt dass Händler für jede einzelne KI-Plattform individuelle Schnittstellen programmieren müssen, bietet das Protokoll nun eine standardisierte Methode, um die Warenwirtschaftssysteme direkt mit konversationellen KI-Oberflächen zu verknüpfen. Dies vereinfacht die technische Anbindung enorm.

Eine einheitliche Sprache für den Handel

Die technischen Kernpfeiler des Protokolls sind darauf ausgelegt, Transparenz und Effizienz zu maximieren. Ein zentrales Element ist die Echtzeit-Genauigkeit. KI-Agenten können nun direkt auf die Datenbanken der Händler zugreifen, um aktuelle Lagerbestände, dynamische Preisgestaltungen und präzise Lieferfenster abzufragen. Dies stellt sicher, dass die Informationen, die der KI vorliegen, stets auf dem neuesten Stand sind.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Halterung der Händlerstellung. Selbst wenn der Kaufprozess vollständig über eine KI-Schnittstelle initiiert wird, bleibt der jeweilige Einzelhändler der „Merchant of Record“. Das bedeutet, er behält die direkte Kundenbeziehung und ist weiterhin für die gesamte Abwicklung und Logistik verantwortlich. Die KI agiert hierbei lediglich als Vermittler.

Native Kaufabwicklung im KI-Modus

Eine der wichtigsten praktischen Anwendungen des UCP ist die neu eingeführte Funktion „Native Checkout“, die schrittweise im Gemini-App und im „AI Mode“ der Google Suche für qualifizierte US-Produktangebote ausgerollt wird. Diese Funktion optimiert den Bezahlvorgang erheblich.

  • Optimierte Transaktionen: Nutzer können den Kauf direkt in der Konversationsschnittstelle abschließen. Hierbei werden hinterlegte Zahlungs- und Versandinformationen aus der Google Wallet nahtlos verwendet.
  • Erweiterung der Zahlungsoptionen: Obwohl der Fokus der Erstimplementierung auf der Google Wallet liegt, ist die Integration von PayPal für die kommenden Monate fest eingeplant, um den Nutzern mehr Flexibilität zu bieten.

Branded „Business Agents“ und direkte Angebote

Parallel zur technischen Infrastruktur hat Google neue Werkzeuge vorgestellt, die es Händlern ermöglichen sollen, persönlicher mit potenziellen Käufern in Kontakt zu treten. Hierbei geht es darum, die Markenstimme in die KI-Umgebung zu transportieren.

  • Business Agent: Dieser gebrandete, virtuelle Verkaufsassistent erlaubt es Einzelhändlern, direkt in Googles KI-Oberflächen mit ihrer eigenen Markenstimme zu kommunizieren. Zu den ersten Partnern, die diesen Service nutzen, zählen unter anderem Lowe’s, Michaels, Poshmark und Reebok.
  • Direkte Angebote: Ein neues Werbepilotprojekt im AI Mode gestattet es Händlern, exklusive, kontextbezogene Rabatte – wie etwa „kostenloser Versand“ oder „Kaufe eins, erhalte eins gratis“ – auszuspielen. Dies geschieht genau in dem Moment, in dem die KI eine hohe Kaufabsicht während der Unterhaltung identifiziert.

Zukunftsperspektiven

Obwohl die anfängliche Einführung strikt auf die Vereinigten Staaten beschränkt ist, haben Google und seine Partner bereits einen klaren Fahrplan für die zweite Jahreshälfte 2026 skizziert. Dieser Plan sieht vor, die UCP-gestützten Shopping-Funktionen schrittweise auf internationale Märkte auszuweiten.

  • Globale Expansion: Die Pläne beinhalten die Einführung der UCP-Funktionalitäten in weiteren Ländern.
  • Erweiterte Fähigkeiten: Zukünftige Aktualisierungen sollen die Integration von Kundenbindungsprogrammen und die Abwicklung komplexerer Bestellungen mit mehreren Artikeln umfassen.
  • Eigenständiges KI-Training: Langfristig sollen Händler ihre eigenen Business Agents anhand proprietärer Daten und spezifischer Erkenntnisse trainieren können, um noch spezialisiertere Beratung anbieten zu können.

21 Ansichten

Quellen

  • Ad Hoc News

  • Google Cloud

  • Google Partners

  • Google for Developers Blog

  • invidis

Haben Sie einen Fehler oder eine Ungenauigkeit festgestellt?Wir werden Ihre Kommentare so schnell wie möglich berücksichtigen.