Archäologischer Park Pompeji startet Webserie über antike Flora und die Weiße Zwiebel
Bearbeitet von: An goldy
Der Archäologische Park Pompeji hat ein neues digitales Format ins Leben gerufen: „Convivium: Die Geschmäcker von Pompeji“. Ziel dieser Serie ist es, das reiche botanische Erbe dieser historischen Stätte ins Rampenlicht zu rücken. Das Projekt vereint kulinarische Kunst, archäologische Forschung und Prinzipien der nachhaltigen Begrünung und bietet den Zuschauern eine facettenreiche Perspektive auf die antike Kultur. Dieser Schritt unterstreicht die wachsende Erkenntnis, dass die grünen Elemente Pompejis ein integraler Bestandteil der archäologischen Landschaft sind und nicht bloß eine Frage der Verwaltung und Instandhaltung. Parkdirektor Gabriel Zuchtriegel betont, dass die Vegetation nunmehr als Schlüsselkomponente in der umfassenderen landwirtschaftlichen Initiative des Parks betrachtet wird.
Die Premiere der ersten Episode dieser Reihe fand am 5. Januar 2026 statt. Sie widmet sich der historischen Weißen Zwiebel von Pompeji, die als Symbol für die agrarische Identität der Region dient. Diese Sorte, bekannt als Bianca di Pompei, produziert traditionell eine große weiße Zwiebel mit langen grünen Stielen und wird wegen ihres saftigen Geschmacks geschätzt. Historisch gesehen war die Zwiebel ein wichtiges Anbauprodukt, dessen Kultivierung laut vielen Historikern bereits vor mindestens 5000 Jahren begann, möglicherweise in Zentralasien oder im Iran.
Im Rahmen dieser Veröffentlichung präsentierte der renommierte Küchenchef Fabrizio Mellino, bekannt für seinen Ansatz, der lokale Zutaten zelebriert, eine moderne Interpretation eines antiken römischen Zwieelgerichts: der Patella Lucretiana. Dieses Gericht ist im Werk „De re coquinaria“ von Marcus Gavius Apicius dokumentiert, einer Rezeptsammlung, die Rezepte aus dem 5. und 6. Jahrhundert nach Christus zusammenfasst. Mellino, der mit drei Michelin-Sternen für sein Restaurant Quattro Passi ausgezeichnet wurde, hebt stets seine Verpflichtung zu Biodiversität und Nachhaltigkeit hervor. Dies spiegelt sich in seiner kulinarischen Philosophie wider, die tief in der Region Kampanien verwurzelt ist.
Für die Dreharbeiten und die Demonstration der Kochtechniken wurden ausschließlich Zutaten verwendet, die im Pompeji-Pflanzgarten (Vivaio della Flora Pompeiana) angebaut wurden. Dieser befindet sich auf dem Gelände der Casa di Pansa. Dieser Pflanzgarten wurde unter strenger Beachtung historisch-archäologischer Daten wiederhergestellt und bildet die Gärten nach, von denen bekannt ist, dass sie in der antiken Stadt existierten. Die Casa di Pansa, eines der größten Anwesen in Pompeji, gehörte der Familie Nigidius und demonstriert die Raffinesse eines Atriumhauses.
Die wissenschaftlichen Abschnitte der Sendung beleuchteten paläobotanische Funde vor Ort. Besonders hervorgehoben wurde die Arbeit der Botanikerin Wilhelmina Jashemski, die in den 1950er Jahren Pollen- und Spurenfunde entdeckte, welche die Existenz üppiger Gärten bestätigten. Des Weiteren thematisierten die Segmente die historische Verwendung der Zwiebel, wobei Plinius der Ältere erwähnt wurde, der ihr die Fähigkeit zuschrieb, die Sehkraft zu verbessern und diverse Beschwerden zu heilen. Die Eigenschaften der Zwiebelsorte, die derzeit im Pflanzgarten kultiviert wird, wurden detailliert untersucht, wodurch eine Brücke zwischen alten landwirtschaftlichen Methoden und modernen Erhaltungsbemühungen geschlagen wird.
Das Projekt „Convivium“ erweist dem agrarischen Erbe nicht nur die Ehre, sondern demonstriert auch die Tiefe römischer Erfindungskunst. Ein Beispiel hierfür ist die Rekonstruktion eines komplexen Bewässerungssystems, das es ermöglichte, Pflanzen zu gießen, ohne den Garten betreten zu müssen. In Pompeji, wo der Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. die Überreste von Hunderten von Gärten und Gemüsebeeten konservierte, dienen Initiativen wie diese Webserie als wichtiges Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Sie verdeutlichen, dass der Anbau ein zentraler Pfeiler des städtischen Lebens war.
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Quellen
Il Mattino
Pompeii Sites - Parco Archeologico di Pompei
Il Giornale dell'Arte
DIRE.it
Scuola di Specializzazione in Beni Archeologici
StabiaChannel.it - Libera Informazione
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