Sichtungen der Riesen-Phantomqualle in geringen Tiefen stellen Verbreitungsannahmen in Frage
Bearbeitet von: Olga Samsonova
Die *Stygiomedusa gigantea*, bekannt als Riesen-Phantomqualle, zählt weiterhin zu den großen Rätseln der Ozeanforschung. Seit ihrer Erstbeschreibung im Jahr 1910 wurde die kolossale Qualle erst rund 126 Mal dokumentiert. Das Nesseltier zeichnet sich durch flache Arme aus, die Längen von über zehn Metern erreichen können, während die Glocke einen Durchmesser von bis zu einem Meter überschreitet. Wissenschaftler des Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI) gewinnen durch die sporadischen Erscheinungen, die mittels ferngesteuerter Unterwasserfahrzeuge (ROVs) erfasst werden, kontinuierlich neue Erkenntnisse über die Spezies.
Die vier langen, flachen Mundarme dienen der Qualle dazu, Beute wie kleine Fische und Krebstiere langsam einzuhüllen. Im Gegensatz zu vielen anderen Quallenarten sind bei der *Stygiomedusa gigantea* keine Stechzellen bekannt. Jüngste Forschungsergebnisse stellen nun die traditionellen Vorstellungen über die Tiefenverteilung dieser Spezies in Frage. Während die Qualle üblicherweise in Tiefen zwischen 1.000 und 3.000 Metern anzutreffen ist, deuten neue Beobachtungen auf ein wesentlich breiteres Spektrum hin, insbesondere in den südlichen Hochbreiten.
Eine in der Fachzeitschrift *Polar Research* veröffentlichte Studie dokumentierte Begegnungen vor der Antarktischen Halbinsel in Tiefen zwischen 80 und 280 Metern. Diese Sichtungen erfolgten mithilfe von Tauchbooten, die vom Forschungsschiff *Viking Octantis* der Viking Expeditions aus eingesetzt wurden. Die Autoren der Studie, darunter Dr. Daniel Moore, vermuten, dass saisonale Schwankungen in der Antarktis die Beutetiere näher an die Oberfläche treiben könnten, was die Qualle in geringere Tiefen lockt. Die Forscher der Viking Expeditions machten im Rahmen ihrer Antarktis-Saison 2022 dreimal direkte Beobachtungen der Qualle.
Die *Stygiomedusa gigantea* ist weltweit verbreitet, mit Ausnahme des Arktischen Ozeans, wird jedoch aufgrund der Tiefe ihres Lebensraumes selten gesichtet. Ihre tiefrote bis schwarze Färbung macht sie bei fehlendem Licht nahezu unsichtbar, obwohl sie bei Lichteinfall ein schwaches orange-rotes Leuchten zeigen kann. Die Art ist zudem vivipar, was bedeutet, dass sie lebend gebärt, ein für Scyphozoen ungewöhnliches Merkmal. Die Nutzung moderner ROVs wie Doc Ricketts des MBARI, die Aufnahmen in 4K-Qualität liefern, ermöglicht detaillierte Studien des intakten Tieres, was mit traditionellen Schleppnetzen nicht möglich war.
Diese gallertartigen Giganten gelten als bedeutende Wirbellosen-Prädatoren im Tiefsee-Ökosystem. Ihre ökologische Wichtigkeit wird durch Beobachtungen unterstrichen, wie etwa die Nutzung der Glocke als Unterschlupf durch den Fisch *Thalassobathia pelagica* im Golf von Kalifornien. Die ersten Exemplare der *Stygiomedusa gigantea* wurden bereits 1899 gesammelt, aber erst 60 Jahre später als eigenständige Art anerkannt. Kooperationen, bei denen Wissenschaftler an Bord von Forschungsschiffen wie der *Viking Octantis* oder dem Schwesterschiff *Viking Polaris* direkt beobachten können, sind für die Entdeckung neuer Verhaltensweisen besonders wertvoll.
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Quellen
Diario El Popular
MBARI
La 100
Popular Science
La República
Forbes
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