Wissenschaftler des Roslin Institute der Universität Edinburgh erzielten einen bedeutenden Fortschritt in der Tiergesundheit durch den Einsatz fortschrittlicher Genom-Editierungstechniken. Sie modifizierten Schweine erfolgreich so, dass diese eine vollständige Immunität gegen die Klassische Schweinepest (CSF) aufweisen. Dieser Erfolg wird als wichtiger Meilenstein für die Stabilität der globalen Viehhaltung und die Sicherung der Nahrungsmittelversorgung angesehen.
Die Forschung konzentrierte sich auf die gezielte Veränderung eines Proteins, das für die Vermehrung des CSF-Virus essentiell ist. In direkten Konfrontationstests zeigten unbehandelte Kontrolltiere die erwartete Infektion, wohingegen die gentechnisch veränderten Exemplare widerstandsfähig blieben, ohne jegliche gesundheitliche Beeinträchtigung. Diese Ergebnisse deuten auf eine tiefgreifende Verschiebung hin: weg von reaktiven Maßnahmen bei Tierseuchen hin zu einer präventiven Resilienz durch gezielte genetische Anpassung.
Die Klassische Schweinepest stellt eine erhebliche Bedrohung für die Schweinezucht dar und verursacht weltweit immense wirtschaftliche Einbußen, insbesondere in Regionen wie Asien und Lateinamerika. Die Entwicklung einer solchen intrinsischen Abwehr könnte die Notwendigkeit kostspieliger Impfkampagnen und drastischer Maßnahmen wie der Keulung ganzer Bestände signifikant reduzieren. Die Forschungsgruppe am Roslin Institute hat bereits in verwandten Projekten ihre Expertise unter Beweis gestellt, etwa durch die Erzeugung von Schweinen, die resistent gegen das PRRS-Virus sind, indem ein spezifischer Bereich des CD163-Gens blockiert wurde, was ebenfalls zu vollständiger Immunität führte.
Professor Bruce Whitelaw vom Roslin-Institut betonte bei früheren Arbeiten die Präzision der molekularen Scheren. Diese Technik ermöglicht minimale genetische Veränderungen, um natürliche Resistenzen, wie sie beispielsweise bei afrikanischen Warzenschweinen beobachtet werden, nachzuahmen und somit das Risiko unerwünschter Nebeneffekte zu minimieren. Die weltweiten Auswirkungen von Schweinepest-Ausbrüchen sind gravierend; so führte die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Asien seit August 2018 zum Verlust von fast fünf Millionen Schweinen in sechs Ländern, wobei China Berichten zufolge im Jahr 2018/2019 rund 200 Millionen Schweine zur Eindämmung keulen musste. Dieser wissenschaftliche Fortschritt bietet die Perspektive, die Widerstandsfähigkeit der Nutztierhaltung zu stärken und eine stabilere Grundlage für die Versorgung der wachsenden Weltgemeinschaft zu schaffen.
