Forschung: Schimpansen zeigen rationale Fähigkeit zur Glaubensrevision

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Eine im späten Jahr 2025 publizierte Versuchsreihe liefert signifikante Belege dafür, dass Schimpansen ihre Überzeugungen auf rationale Weise anpassen können, sobald sie mit neuen, widersprüchlichen Informationen konfrontiert werden. Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift Science erschienen, stellen die traditionelle Annahme in Frage, dass die rationale Revision von Glaubenssätzen ein ausschließlich menschliches kognitives Merkmal sei. Die Untersuchung wurde von einem internationalen Konsortium durchgeführt, an dem Forscher der University of California, Berkeley, und der Universität Utrecht beteiligt waren.

Die Experimente fanden unter streng kontrollierten Bedingungen im Ngamba Island Chimpanzee Sanctuary in Uganda statt, einer Einrichtung, die Schimpansen vor Wilderei rettet. Im Kern der Versuche wurde den Schimpansen zunächst ein Hinweis auf den Aufenthaltsort einer Belohnung in einem von zwei Behältern gegeben, woraufhin die Tiere ihre erste Wahl trafen. Anschließend erhielten die Primaten stärkere, überzeugendere Evidenz, die auf den anderen Behälter hindeutete, wodurch die Testung der sogenannten „Second-Order-Evidence“ möglich wurde.

Die Resultate zeigten, dass eine signifikante Anzahl der Schimpansen ihre ursprüngliche Entscheidung revidierte, wenn die sekundären Informationen die anfänglichen Hinweise in ihrer Beweiskraft übertrafen. Dies deutet darauf hin, dass die Tiere die Stärke der verfügbaren Belege abwogen und ihre Entscheidungsstrategie entsprechend anpassten, was ein Kennzeichen rationalen Denkens darstellt. Um auszuschließen, dass die beobachteten Verhaltensweisen auf einfache Instinkte wie den Rezenzbias zurückzuführen waren, setzten die Wissenschaftler aufwendige rechnerische Modellierungen ein, welche die Übereinstimmung der Entscheidungsfindung mit rationalen Strategien bestätigten.

Professor Jan Engelmann von der UC Berkeley, der die Forschung leitete und das Social Origins Lab betreut, untersucht die Evolution der Kognition und zieht Vergleiche zwischen Schimpansen und menschlichen Kindern. Die flexible Argumentationsfähigkeit der Schimpansen wurde von der Postdoktorandin Emily Sanford mit derjenigen von vierjährigen Kindern verglichen. Diese Entdeckungen implizieren eine Verschiebung im Verständnis der Kognition über Speziesgrenzen hinweg, da Rationalität nun als ein Kontinuum und nicht als eine kategoriale menschliche Eigenschaft betrachtet wird.

Die Forschungsergebnisse haben weitreichende Konsequenzen für verschiedene wissenschaftliche Felder, insbesondere für die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz und das Verständnis frühkindlicher Lernprozesse. Die Fähigkeit der Primaten, Überzeugungen auf Basis von Evidenz zu bilden und anzupassen, könnte die Modellierung von Argumentationssystemen in der KI beeinflussen, indem sie den Fokus auf genuin kognitive Prozesse verlagert. Die nächste Phase der Studie sieht vor, die gleichen Aufgaben auf Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren anzuwenden, um die Entwicklung der Glaubensrevision bei Kleinkindern im Vergleich zu Schimpansen zu kartieren.

2 Ansichten

Quellen

  • Manigi

  • What We Learned in 2025: Exploring Human Intelligence in the Age of AI

  • New psychology study suggests chimpanzees might be rational thinkers | Letters & Science

  • Chimps shock scientists by changing their minds with new evidence | ScienceDaily

Haben Sie einen Fehler oder eine Ungenauigkeit festgestellt?

Wir werden Ihre Kommentare so schnell wie möglich berücksichtigen.