Kryptomarkt unter Liquiditätsdruck: Abflüsse aus ETFs und Realisierung von Verlusten belasten die Kurse

Bearbeitet von: Yuliya Shumai

Der Kryptowährungsmarkt sieht sich aktuell mit der stärksten Liquiditätsprüfung seit Ende des Jahres 2022 konfrontiert. Dies manifestiert sich in einem Rückgang der gesamten Marktkapitalisierung um über eine Billion US-Dollar innerhalb der letzten sechs Wochen. Bis zum Stand vom 21. November korreliert diese Entwicklung eng mit der anhaltenden makroökonomischen Unsicherheit und der revidierten Erwartungshaltung bezüglich eines baldigen Zinsschritts seitens der globalen Finanzaufsichtsbehörden.

Ein synchroner Abschwung erfasste sowohl Bitcoin als auch bedeutende Altcoins wie XRP, wie Analysen der Daten von CheckOnChain und Glassnode belegen. Der unmittelbare Auslöser für die jüngste Marktverwerfung war die aggressive Gewinnmitnahme durch kurzfristige Inhaber – also Investoren, deren Vermögenswerte weniger als drei Monate im Umlauf waren. Allein am 21. November realisierten Händler Verluste in Höhe von 1 Milliarde US-Dollar, eine direkte Folge panikartiger Verkäufe angesichts sinkender Kurse.

Die Analysten von Glassnode bemerkten einen drastischen Abfall des Realisierten Gewinn/Verlust-Verhältnisses für kurzfristige Bitcoin-Halter. Dieser Wert sank auf Niveaus, die man zuletzt während des Bärenmarktes von 2022 beobachtete. Dies deutet auf eine weitreichende Kapitulation unter den jüngsten Käufern hin. Der Verkaufsdruck wird zusätzlich durch mechanische Verkäufe verstärkt, die durch die Abflüsse aus den US-amerikanischen Spot-Bitcoin-ETFs ausgelöst wurden. Allein am 20. November verzeichneten diese Fonds Nettoabflüsse von 903 Millionen US-Dollar, was den zweithöchsten Tagesabfluss seit ihrer Einführung im Januar 2024 darstellt. Im gesamten Monat November summierten sich die Entnahmen aus den ETFs auf 3,79 Milliarden US-Dollar und übertrafen damit den bisherigen Rekordwert aus dem Februar.

In diesem Szenario spiegelt die Dynamik von XRP die systemische Anfälligkeit wider, da dieser Token eine Korrelation mit Bitcoin aufweist, jedoch ohne die vergleichbare institutionelle Rückendeckung. XRP verlor innerhalb eines Tages rund 9 Prozent seines Wertes und fiel erstmals seit Anfang Oktober unter die Marke von 2 US-Dollar. Laut Glassnode schnellten die realisierten Verluste von XRP auf Basis des 30-tägigen gleitenden Durchschnitts auf 75 Millionen US-Dollar täglich hoch, was auf eine Kapitulation der Halter hindeutet. Die strukturelle Betrachtung zeigt, dass lediglich 58,5 Prozent des im Umlauf befindlichen XRP-Angebots sich im Gewinn befinden – der niedrigste Stand seit November 2024.

Der Markt geriet in einen Teufelskreis: Sinkende Bitcoin-Kurse führen zu ETF-Abflüssen, was Fondsmanager dazu zwingt, die zugrunde liegenden Vermögenswerte zu verkaufen. Dies erhöht den Druck auf den Spotmarkt und löst eine neue Verkaufswelle bei kurzfristigen Spekulanten aus. Im Gegensatz zur Krise von 2022, die durch Kreditkontamination ausgelöst wurde, sehen Analysten die aktuelle Korrektur als Folge der Erschöpfung der marginalen Nachfrage und des mechanischen Abbaus von Positionen. Auffällig ist, dass die Aktivität der Großinvestoren, der sogenannten „Wale“, in diesem Zyklus geringer ist, was diesen Abschwung von früheren Konsolidierungsphasen unterscheidet.

Dieser Stresstest, ausgelöst durch makroökonomische Einflüsse und das Verhalten der kurzfristigen Trader, zwingt die Marktteilnehmer, die Risikobewertung digitaler Vermögenswerte neu vorzunehmen. Historische Parallelen, wie die explosiven Anstiege nach ähnlichen Mustern in den Jahren 2017 und 2020, bieten eine ferne Perspektive auf eine mögliche Marktbereinigung, vorausgesetzt, die Rentabilitätskennzahlen von XRP stabilisieren sich wieder.

Quellen

  • CryptoSlate

  • Vertex AI Search

  • Vertex AI Search

  • Vertex AI Search

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