CATL prognostiziert vollständige Elektrifizierung von Hochseeschiffen bis 2028

Bearbeitet von: Tatyana Hurynovich

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Der weltweit führende Hersteller von Batteriesystemen, CATL, bekräftigt seine ehrgeizige Voraussage: Bis Ende 2028 sollen Schiffe, die für weite Ozeanüberquerungen konzipiert sind, vollständig auf elektrischen Antrieb umgestellt werden. Diese Ankündigung, die mutmaßlich auf der jüngsten internationalen Fachveranstaltung Marintec China Ende 2025 fiel, stellt die Skepsis der Branche in Bezug auf die ausreichende Energiedichte der Batterien für lange Seereisen in Frage.

Su Yiyi, die Leiterin der maritimen Sparte von CATL, bekräftigte diese Einschätzung und betonte, dass das Unternehmen intensiv an technologischen Lösungen arbeitet, um die derzeitigen Reichweitenbeschränkungen zu überwinden. Diese kühne Prognose von CATL steht im Einklang mit dem zunehmenden globalen regulatorischen Druck zur Dekarbonisierung des Wassertransports. Hierzu zählen insbesondere die Richtlinien der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) sowie die Emissionshandelssysteme der Europäischen Union.

Die IMO hat ein Netto-Null-Programm verabschiedet, das darauf abzielt, die Treibhausgasemissionen der Schifffahrt bis 2050 auf null zu reduzieren. Im Rahmen dieser Strategie könnten ab dem Jahr 2028 Strafzahlungen in Höhe von 380 US-Dollar pro Tonne für CO2-Emissionen, die den festgelegten Schwellenwert überschreiten, fällig werden. Dies schafft einen starken ökonomischen Anreiz für die Umstellung auf alternative Energiequellen.

CATL, das seine Aktivitäten im maritimen Sektor bereits 2017 aufnahm, hat bis dato Batteriesysteme für rund 900 Schiffe geliefert. Dies entspricht nach Schätzungen des Unternehmens etwa 40 Prozent des weltweiten Marktes für Schiffsbatterien. Um diesen Fokus zu schärfen, wurde im November 2022 die spezialisierte Einheit CATL Electric Ship Technology ins Leben gerufen, die sich ausschließlich auf Energielösungen für den Wasserverkehr konzentriert.

Technologisch setzt das Unternehmen auf seine bewährten Lithium-Eisenphosphat- (LFP) Kathodentechnologien, die für ihre erhöhte Sicherheit bekannt sind, sowie auf die vielversprechenden Natrium-Ionen-Batterien. Diese technologische Diversifizierung ist ein wichtiger Baustein, um die ambitionierten Ziele zu erreichen.

Zur Untermauerung seiner Vision fördert CATL ein umfassendes Ökosystem namens „Schiff-Ufer-Cloud“ (Ship-Shore-Cloud). Dieses integrierte System verknüpft die Energiespeicher an Bord mit schnellen Lade- oder Batteriewechselsystemen an Land sowie einer intelligenten Cloud-basierten Steuerung. Diese ganzheitliche Strategie soll den Schiffen eine Reichweite von bis zu 5.000 Kilometern ermöglichen – ein entscheidender Wert für den Hochseeverkehr.

Als Beleg für die Machbarkeit führt das Unternehmen erfolgreiche Referenzprojekte an, darunter den Kreuzfahrtschiff „Yangtze Three Gorges No. 1“ aus dem Jahr 2020 und das Küstenschiff „Yujian 77“, das im Sommer 2024 in Betrieb genommen wurde. Diese Beispiele zeigen, dass die Technologie bereits in verschiedenen maritimen Segmenten Fuß fasst.

Die Marktperspektiven in diesem Sektor sind beachtlich: Der globale Markt für elektrische Schiffe wurde für 2025 auf 6,5 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll bis 2035 voraussichtlich auf 58,8 Milliarden US-Dollar anwachsen. CATLs Prognose einer vollständigen Elektrifizierung der Hochseeschifffahrt innerhalb der nächsten drei Jahre deutet auf einen technologischen Quantensprung hin, der die aktuellen Reichweitenbeschränkungen, die noch bei Küsten- und Binnenschiffen vorherrschen, überwinden muss. Man darf gespannt sein, ob dieser Zeitplan eingehalten werden kann.

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Quellen

  • Cambio16

  • Marintec Last Week: CATL Expects Oceangoing Battery-Electric Vessels Within Three Years

  • Yicai Global

  • MarineLink

  • ChinaEVHome

  • CleanTechnica

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