Südafrika eröffnet Nelson-Mandela-Regel-Akademie im historischen Drakenstein-Zentrum

Bearbeitet von: Tatyana Hurynovich

Am Mittwoch, den 11. Februar 2026, markierte Südafrika einen historischen Meilenstein mit der feierlichen Eröffnung der landesweit ersten Akademie zur Ausbildung nach den Nelson-Mandela-Regeln. Diese spezialisierte Bildungseinrichtung widmet sich der Schulung von Justizvollzugsbeamten, um die strikte Einhaltung internationaler Standards bei der Behandlung von Gefangenen zu gewährleisten, wie sie von den Vereinten Nationen (UN) vorgegeben sind. Der Festakt fand auf dem Gelände des Drakenstein Correctional Centre im Westkap statt – jenem geschichtsträchtigen Ort, der früher als Victor-Verster-Gefängnis bekannt war und aus dem Nelson Mandela am 10. Februar 1990 in die Freiheit schritt.

Die Eröffnungszeremonie wurde von Präsident Cyril Ramaphosa geleitet, der zuvor das Madiba House auf dem Komplex besichtigt hatte. Die neue Akademie wird sich exklusiv der Vermittlung der 122 UN-Mindestnormen widmen, die seit 2015 offiziell als Nelson-Mandela-Regeln bekannt sind. Diese Richtlinien decken das gesamte Spektrum des Gefängnismanagements ab – von der Aufnahme und Klassifizierung der Inhaftierten bis hin zum strikten Verbot von Folter und der Begrenzung von Einzelhaft. Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechenskontrolle (UNODC) fungiert dabei als Hüter dieser globalen Standards und unterstützt die Initiative maßgeblich.

Neben Präsident Ramaphosa gehörte der Minister für Justizvollzug, Dr. Pieter Groenewald, zu den zentralen Akteuren der Veranstaltung. In seiner Ansprache betonte Minister Groenewald ein wichtiges Spannungsfeld: Während die Würde der Gefangenen unantastbar sei, dürfe ihr Leben hinter Gittern nicht als „angenehm“ missverstanden werden, da auch die Gerechtigkeit gegenüber den Opfern gewahrt bleiben müsse. Diese Aussage verdeutlicht die globale Herausforderung, eine Balance zwischen Resozialisierung und strafender Gerechtigkeit zu finden. Das Jahr 2026 markiert zudem das elfjährige Bestehen der Nelson-Mandela-Regeln seit ihrer Verabschiedung durch die UN-Generalversammlung.

Die Gründung der Akademie erfolgt vor dem Hintergrund eines massiven systemischen Drucks auf das südafrikanische Gefängniswesen, das insbesondere unter extremer Überbelegung leidet. Aktuellen Daten zufolge befinden sich etwa 60.000 Personen in Untersuchungshaft, ohne verurteilt zu sein – eine deutliche Steigerung gegenüber den 49.000 Personen im Jahr 2021. Im März 2023 erreichte die Gesamtzahl der Inhaftierten 157.056 Personen, was einer Belegungsdichte von 143 % entspricht. Um das System zu entlasten, prüft die Regierung derzeit gesetzliche Änderungen, die die Abschiebung von rund 27.000 ausländischen Staatsbürgern ermöglichen könnten.

Der symbolische Startschuss für die Umbauarbeiten des bestehenden Schulungszentrums in die neue Akademie fiel bereits am 18. Juli 2025. Ein bemerkenswerter Aspekt des Projekts ist, dass der Bau und die Renovierung – einschließlich Fliesenleger-, Maler- und Klempnerarbeiten – unter Einsatz von Gefängnisarbeit realisiert wurden. Als erste Einrichtung ihrer Art in Afrika, die sich ausschließlich auf die Nelson-Mandela-Regeln konzentriert, wird die Akademie künftig auch als regionales und globales Kompetenzzentrum dienen. Hier sollen künftig Beamte aus den Mitgliedsstaaten der Südafrikanischen Zollunion (SACU) sowie aus der ganzen Welt geschult werden.

Präsident Ramaphosa hob hervor, dass eine wirksame Kriminalitätsbekämpfung nur durch einen „offenen und ehrlichen“ Dialog über die Rehabilitation und Wiedereingliederung von Straftätern in die Gesellschaft möglich sei. Die Wahl des Standorts für die Akademie ist dabei von tiefer Symbolik geprägt: In Drakenstein verbrachte Mandela die letzten 14 Monate seiner Haft. Die Eröffnung an diesem Ort steht für die Humanisierung des Strafvollzugs und das weltweite Streben nach einer Justiz, die auf Menschlichkeit gründet.

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Quellen

  • EWN Traffic

  • Scrolla.Africa

  • South African Government

  • South African Government

  • EWN

  • South African Government

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