EU-Initiative ACT4FOOD: Stärkung der Cybersicherheit in der europäischen Agrar- und Ernährungswirtschaft

Bearbeitet von: Tatyana Hurynovich

Am 9. Februar 2026 fiel der offizielle Startschuss für das wegweisende europäische Projekt ACT4FOOD. Diese Initiative widmet sich gezielt der Stärkung der Cyber-Resilienz innerhalb der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette der Europäischen Union – von der landwirtschaftlichen Erzeugung bis hin zum Endverbraucher. Gefördert durch das EU-Programm „Digitales Europa“ (DIGITAL), vereint das Vorhaben elf kompetente Partner aus acht verschiedenen Nationen. Dieser grenzüberschreitende Ansatz unterstreicht die Komplexität und die transnationale Tragweite der Cybersicherheitsherausforderungen, denen sich der moderne Agrar- und Ernährungssektor heute gegenübersteht.

Die strategische Leitung des Konsortiums liegt in den Händen der zyprischen Firma INNOV-ACTS Limited, einem Spezialisten für Informations- und Kommunikationstechnologie sowie strategische Unternehmensberatung. Über eine geplante Laufzeit von 36 Monaten konzentriert sich das Projekt darauf, jene Sicherheitslücken systematisch zu schließen, die durch die rasant voranschreitende Digitalisierung der Branche entstanden sind. Zu den maßgeblichen technologischen und wissenschaftlichen Akteuren von ACT4FOOD zählen renommierte Organisationen wie Maggioli S.p.A., die Universidad Politécnica de Cartagena (UPCT), CREME Software Ltd, Montimage EURL, Ianus Technologies Ltd sowie Agritrack Lyseis Technologias A.E., die gemeinsam die notwendige technische Expertise für dieses komplexe Unterfangen bereitstellen.

Ein wesentliches Merkmal des Projekts ist die praktische Validierung der entwickelten Sicherheitslösungen unter realen Bedingungen an verschiedenen Standorten. Hierfür arbeiten Entwickler und Forscher eng mit Endnutzern zusammen, darunter die GR Family Farm im Bereich der Weiterverarbeitung, Obedineni Akvakulturi OOD – United Aquaculture auf der Erzeugerseite sowie der Einzelhandelskonzern METRO A.E. Diese synergetische Struktur zielt darauf ab, die Kluft zwischen akademischer Forschung und marktfähiger Anwendung effektiv zu überbrücken, was eine Kernzielsetzung des Programms „Digitales Europa“ darstellt.

Die Dringlichkeit dieses Vorhabens wird durch aktuelle Einschätzungen der Regulierungsbehörden untermauert. Bereits im Jahr 2025 identifizierte die Europäische Kommission Cyberbedrohungen als das signifikanteste Risiko für die allgemeine Ernährungssicherheit innerhalb der EU. Statistiken belegen zudem, dass im Zeitraum von Juli 2024 bis 2025 rund 18 % aller registrierten Sicherheitsvorfälle gezielt auf operative Technologiesysteme (OT) abzielten. Vor diesem Hintergrund stuft die NIS2-Richtlinie den Lebensmittelsektor nun offiziell als kritische Infrastruktur ein, die einen verstärkten Schutz gegen Ransomware-Angriffe und Schwachstellen in IoT-Geräten zwingend erforderlich macht.

Auf technischer Ebene basiert ACT4FOOD auf der Erweiterung der bewährten TACCP-Methodik (Threat Analysis Critical Control Point) hin zum neuen Standard TACCP 4.0. Dieser innovative Ansatz integriert cyber-physische Risiken in bestehende Sicherheitsnormen wie PAS 96, FSMA und die DSGVO (GDPR). Dr. Odysseas Kokkinos hob hervor, dass das Projekt gezielt künstliche Intelligenz, sicheren Datenaustausch und fortschrittliche Bedrohungsbewertungsmodelle einsetzt, um die Integrität von Lebensmitteln dauerhaft zu gewährleisten. Ergänzend dazu betonte Iuliana Floricica die Notwendigkeit einer verantwortungsvollen Kommunikation, um sicherzustellen, dass technologische Innovationen eine tatsächliche Wirkung in der Praxis entfalten.

Mit einer jährlichen Wertschöpfung von 222 Milliarden Euro und rund 4,5 Millionen Beschäftigten stellt der EU-Lebensmittelsektor ein hochkomplexes Ökosystem dar, das aufgrund seiner verzweigten Lieferketten besonders verwundbar ist. ACT4FOOD nutzt Mittel aus dem DIGITAL-Programm, das im Zeitraum 2021-2027 insgesamt 1,4 Milliarden Euro für Cybersicherheit aus einem Gesamtbudget von 7,59 Milliarden Euro bereitstellt. Das Ziel ist die langfristige Festigung der Sektorenstabilität. Der Erfolg wird maßgeblich davon abhängen, wie effektiv Spitzenforschung in den Bereichen KI und Cyber Threat Intelligence (CTI) in skalierbare Lösungen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) überführt werden kann, die das Rückgrat der europäischen Agrarwirtschaft bilden.

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Quellen

  • Piata Financiara

  • EIN Presswire

  • EU Funding & Tenders Portal

  • Innov-acts – High caliber consulting for sparkling ICT-based innovation

  • Romania Insider

  • ESED

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