KI-Speichermangel bremst Smartphone-Markt aus, während Kanada seine E-Mobilitätsstrategie neu ausrichtet

Bearbeitet von: Svetlana Velgush

Zu Beginn des Jahres 2026 sieht sich der globale Mobilfunkmarkt mit erheblichen strukturellen Hürden konfrontiert, die aus einer massiven Umverteilung der Produktionskapazitäten in der Halbleiterindustrie resultieren. Führende Chiphersteller wie Samsung, SK Hynix und Micron konzentrieren ihre Ressourcen verstärkt auf die Fertigung von High Bandwidth Memory (HBM). Diese Hochleistungsspeicher sind für die Rechenzentren der künstlichen Intelligenz (KI) unerlässlich geworden. Infolgedessen verknappt sich das Angebot an herkömmlichem DRAM-Speicher, der das Rückgrat der Unterhaltungselektronik bildet. Diese Entwicklung führt bereits zu spürbaren Preissteigerungen bei Smartphones und dämpft die Verkaufszahlen, wobei insbesondere das preisgünstige Einstiegssegment unter Druck gerät.

Branchenexperten äußern sich besorgt über die aktuelle Lage. Rene Haas, der CEO von Arm, bezeichnete die gegenwärtigen Lieferengpässe als die schwerwiegendsten der letzten zwei Jahrzehnte. T. M. Roh, Co-CEO von Samsung, sprach in diesem Zusammenhang von einer „beispiellosen“ Situation. Die Auswirkungen sind bereits in den Bilanzen der Technologieriesen ablesbar. Qualcomm meldete für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026 zwar einen Rekordumsatz von 12,25 Milliarden US-Dollar, verschreckte Investoren jedoch mit einer düsteren Prognose. CEO Cristiano Amon machte hierfür explizit den Speichermangel verantwortlich, woraufhin die Qualcomm-Aktie um 9 % einbrach. Ähnlich erging es Arm: Finanzvorstand Jason Child warnte vor negativen Einflüssen auf die Lizenzeinnahmen im kommenden Jahr, was einen Kurssturz von 7 % auslöste.

Analysten von Morningstar und J.P. Morgan gehen davon aus, dass die Knappheit bis 2027 anhalten wird. Counterpoint Research rechnet für 2026 mit einem Rückgang der weltweiten Auslieferungen moderner Smartphone-Chips um 7 %, wobei Geräte unter 150 US-Dollar am stärksten betroffen sind. Während die Tech-Branche mit Chip-Engpässen kämpft, kündigte die kanadische Regierung für Donnerstag, den 5. Februar 2026, eine radikale Neuausrichtung ihrer nationalen Automobilstrategie an. Premierminister Mark Carney plant, die bisherige Vorgabe aufzuheben, nach der bis 2026 mindestens 20 % der verkauften Fahrzeuge emissionsfrei (Zero Emission Vehicles, ZEV) sein müssen – ein Ziel, das zuvor von Ministerin Mélanie Joly unterstützt worden war.

Die künftige Politik Kanadas orientiert sich stattdessen an durchschnittlichen Kraftstoffeffizienzstandards nach dem europäischen CAFE-Modell. Dies ermöglicht es den Herstellern, mit Emissionsgutschriften zu handeln. Dieser Kurswechsel ist das Ergebnis einer im September 2025 eingeleiteten sechsmonatigen Überprüfung. Er erfolgt unter dem Druck von Automobilproduzenten und Provinzregierungen, die angesichts der protektionistischen Handelspolitik der USA unter Präsident Donald Trump um ihre Wettbewerbsfähigkeit fürchten. Im Zuge dieser Neuausrichtung will Ottawa die direkten Kaufanreize für Verbraucher wiederbeleben, die dem früheren iZEV-Programm ähneln, dessen Mittel zuletzt erschöpft waren. Die geplanten Förderungen sehen Zuschüsse von bis zu 5.000 kanadischen Dollar für rein elektrische Modelle und 2.500 kanadischen Dollar für Plug-in-Hybride vor.

Diese politische Wende findet vor dem Hintergrund alarmierender Produktionszahlen statt: Die Fahrzeugfertigung in Kanada sank von 2,3 Millionen Einheiten im Jahr 2016 auf nur noch 1,2 Millionen im Jahr 2025. Dabei dominieren die japanischen Konzerne Honda und Toyota mit einem Anteil von 77 % die lokale Produktion. Um in Zeiten geopolitischer Spannungen pragmatische Handelswege zu sichern, wurde zudem im Januar eine Vereinbarung getroffen, die den Import von 49.000 chinesischen Elektrofahrzeugen zu einem reduzierten Zollsatz von 6,1 % ermöglicht. Dies spiegelt Ottawas Suche nach alternativen Handelspartnern wider, während sich die globale Industrielandschaft durch technologische und politische Umbrüche grundlegend transformiert.

5 Ansichten

Quellen

  • Reuters

  • Bloomberg Business

  • Whalesbook

  • Business Today

  • Reuters

  • Morningstar

  • Counterpoint Research

  • The Canadian Press

  • CBC News

  • Reuters

  • National Post

  • 440 Megatonnes

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