Tesla FSD ignoriert Bahnschranke in Texas: Haarscharfe Flucht vor herannahendem Zug

Bearbeitet von: Dmytro Drozd

Am 7. April ereignete sich in Plano, Texas, ein lebensgefährlicher Vorfall an einem Bahnübergang in der 18th Street AOL. Der Fahrer Joshua Brown war mit dem "Full Self-Driving"-Modus (FSD) seines Tesla unterwegs, als er sich den Gleisen näherte. Zu diesem Zeitpunkt war die Schranke bereits gesenkt, Warnlichter blinkten und ein DART-Zug war in der Ferne deutlich erkennbar. Brown rechnete mit einer längeren Wartezeit und entspannte sich kurzzeitig in seinem Sitz.

Völlig unerwartet setzte sich der Tesla jedoch von selbst in Bewegung und steuerte direkt auf die Gleise zu. Die Technologie schien die offensichtlichen Warnsignale des Bahnübergangs komplett zu missachten und beschleunigte den Wagen plötzlich in Richtung der herannahenden Gefahr.

"Ohne jede Vorwarnung beschleunigte mein Tesla plötzlich von allein. Ich war völlig schockiert", berichtete Joshua Brown später in einem Interview. Er gab zu, dass es eine volle Sekunde dauerte – länger, als ihm lieb war – bis er überhaupt auf die gefährliche Situation reagieren und die manuelle Kontrolle zurückgewinnen konnte.

Da Brown über Erfahrung im Rennsport verfügt, entschied er sich in diesem kritischen Moment gegen eine Vollbremsung direkt auf den Schienen. Getreu dem Rennfahrer-Motto "Im Zweifelsfall Vollgas" drückte er das Pedal durch, um die Gleise noch vor dem herannahenden Zug zu überqueren. Das Fahrzeug durchbrach dabei die Schranke, wobei der Aufschlag die Fahrerscheibe traf und Gegenstände im Cockpit sowie auf der Mittelkonsole umherwirbelte.

In diesem chaotischen Moment sah Brown nach rechts und blickte direkt in die hellen Scheinwerfer des Zuges, dessen Signalhorn ohrenbetäubend schallte. Wie durch ein Wunder schaffte es der Tesla im letzten Augenblick auf die andere Seite der Schienen, bevor Brown endlich sicher die Bremsen betätigen konnte.

Direkt nach dem Stillstand erschien auf dem Display des Fahrzeugs eine fast schon sarkastisch wirkende Systemabfrage: "Autopilot deaktiviert. Was ist passiert?" Joshua Brown blieb bei dem Vorfall glücklicherweise körperlich unverletzt, war jedoch sichtlich gezeichnet von dem extremen Schreckmoment.

Trotz dieses lebensbedrohlichen Erlebnisses ist Brown kein Neuling auf dem Gebiet der Tesla-Technologie. Er hat bereits über 40.000 Meilen mit dem FSD-System zurückgelegt und bezeichnete diesen Vorfall als das erste Mal, dass ihn die Software in einer solch kritischen Weise im Stich gelassen habe.

Technisch basiert das FSD-System auf einem "Vision-only"-Ansatz mit einer End-to-End-KI, die ausschließlich acht Kameras anstelle von Radarsensoren nutzt. Während dies auf Autobahnen oft reibungslos funktioniert, stellen Bahnübergänge eine komplexe und gefährliche Herausforderung dar. Das System reagiert dort oft inkonsistent und ignoriert in kritischen Momenten Schranken oder blinkende Lichtsignale.

Der Vorfall in Plano ist kein Einzelfall, sondern Teil eines besorgniserregenden Musters, das sich in den letzten Jahren abzeichnet. Im März 2026 erfasste eine Dashcam ein Model 3, das in West Covina, Kalifornien, mit 37 km/h eine geschlossene Bahnschranke durchbrach. Der Besitzer kommentierte das Video später mit den eindringlichen Worten: "Tesla FSD hätte mich heute fast getötet."

Recherchen von NBC News belegen inzwischen über 40 ähnliche Fehlfunktionen, die in sozialen Medien dokumentiert wurden. Zudem wurde im Jahr 2025 ein Tesla mit aktiviertem FSD-Modus in Pennsylvania tatsächlich von einem Zug erfasst, was die reale Gefahr dieser Softwarefehler unterstreicht.

Auch Joe Tegtmeyer, ein bekannter Tesla-Enthusiast, berichtete von einem ähnlichen Vorfall während einer Robotaxi-Testfahrt in Austin. Obwohl die Lichter am Übergang blinkten und die Schranken bereits heruntergingen, erkannte das Fahrzeug die Gefahr nicht. Ein Tesla-Mitarbeiter auf dem Beifahrersitz musste manuell eingreifen und das Auto stoppen.

Diese Serie von gefährlichen Zwischenfällen hat nun auch die US-Politik auf den Plan gerufen. Die Senatoren Ed Markey und Richard Blumenthal wandten sich an die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA, um eine offizielle Untersuchung des FSD-Verhaltens an Bahnübergängen zu fordern.

Die NHTSA führt bereits laufende Ermittlungen und bringt das System mit mindestens 58 Zwischenfällen, 14 Unfällen und 23 Verletzungen in Verbindung. Inzwischen ist die Liste der dokumentierten Verstöße, zu denen auch Fahrten auf der Gegenspur oder das Überfahren roter Ampeln gehören, auf etwa 80 Fälle angewachsen.

Die Senatoren betonten in ihrem Schreiben, dass Fehler wie das Übersehen eines Stoppschilds zwar gefährlich seien, ein Versagen an einem Bahnübergang jedoch katastrophale Folgen haben könne. Hier drohen Unfälle mit zahlreichen Todesopfern unter den Autoinsassen, Zugpassagieren und Bahnmitarbeitern.

Nur einen Tag nach dem Vorfall in Plano begann Tesla mit dem Rollout der FSD-Version v14.3. Diese neue Version basiert auf einem verbesserten Compiler und verspricht eine um 20 % schnellere Reaktionszeit sowie eine bessere Verarbeitung von "seltenen und ungewöhnlichen Objekten", die hängend oder überstehend in die Fahrbahn ragen.

Experten deuten diese technischen Formulierungen als ein indirektes Eingeständnis der Probleme mit Bahnschranken, auch wenn Tesla den Begriff "Bahnübergang" in der offiziellen Beschreibung nicht explizit verwendet. Trotz der Verbesserungen bleibt die Software offiziell ein Level-2-System, das zwingend die ständige Überwachung durch den Fahrer erfordert.

Elon Musk selbst räumte bereits in der Vergangenheit ein, dass es noch Jahre dauern werde, bis das System signifikant sicherer als ein menschlicher Fahrer sei. Besondere Grenzfälle wie untypische Lichtverhältnisse oder ungewöhnliche Schrankenformen bleiben weiterhin eine Achillesferse der Vision-basierten Technologie.

Laut Daten der Federal Railroad Administration starben im Jahr 2024 insgesamt 267 Menschen an Bahnübergängen in den USA. Die Geschichte von Joshua Brown dient als deutliches Signal: FSD ist keine vollendete Technologie, sondern eine Software in der Entwicklung. Bis die Zuverlässigkeit an jedem Bahnübergang bewiesen ist, bleibt der Fahrer in der vollen Verantwortung.

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Quellen

  • Tesla ‘Full Self-Driving’ crashed through railroad gate seconds before train

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