Archäologische Funde belegen 10.900 Jahre alte Kultivierung der Four-Corners-Kartoffel auf dem Colorado-Plateau

Bearbeitet von: An goldy

Im Januar 2026 wurden bahnbrechende Forschungsergebnisse veröffentlicht, die ein neues Licht auf die antike Domestizierung der sogenannten Four-Corners-Kartoffel (*Solanum jamesii*) auf dem Colorado-Plateau werfen. Diese unter der Leitung der University of Utah durchgeführte Initiative stellt bisherige Annahmen über die frühen landwirtschaftlichen Praktiken im Südwesten Amerikas grundlegend infrage.

Ein Team von Wissenschaftlern, darunter Lisbeth Louderback vom Natural History Museum of Utah und Bruce Pavlik vom Red Butte Garden der University of Utah, leitete die Untersuchung. Sie konnten nachweisen, dass indigene Völker diese Kartoffelart bereits seit mindestens 11.000 Jahren nutzen, was die früheste dokumentierte Verwendung von Kartoffeln in ganz Nordamerika darstellt.

Ein entscheidender Beleg für diese Erkenntnisse war die mikroskopische Analyse von Stärkekörnern, die an 401 antiken Steinwerkzeugen gefunden wurden. Diese Werkzeuge stammten aus insgesamt 14 verschiedenen archäologischen Stätten der Region.

Die Funde belegen die gezielte Verarbeitung von *S. jamesii* über einen kalibrierten Zeitraum von bis zu 10.900 Jahren vor der Gegenwart. Damit wird eine Chronologie etabliert, die zeigt, dass frühe indigene Völker diese Knolle weit über ihr natürliches Verbreitungsgebiet hinaus aktiv kultivierten.

Während das natürliche Vorkommen traditionell auf die Region des Mogollon Rim in Arizona und New Mexico beschränkt war, liegt das Zentrum der genetischen Vielfalt woanders. Dieses wurde von den Forschern im Mesa-Verde-Nationalpark im Süden Colorados identifiziert.

Die gesammelten Daten skizzieren ein sogenanntes „anthropogenes Areal“, in dem indianische Populationen diese Kartoffel gezielt verbreiteten und anbauten. Zu den bedeutendsten Fundorten in diesem Zusammenhang zählen das North Creek Shelter im Süden Utahs sowie Pueblo Bonito in New Mexico.

Die Forscher dokumentierten signifikante Veränderungen in den Merkmalen der Pflanze innerhalb dieses Gebiets, was auf die frühen Stadien einer künstlichen Selektion hindeutet. Ein Beispiel hierfür ist die Entwicklung einer erhöhten Frostbeständigkeit bei den kultivierten Pflanzen.

Bereits zuvor gab es Hinweise auf die Nutzung von *S. jamesii* in Utah, die bis in das Jahr 8950 v. Chr. zurückreichen. Dies unterstreicht die außergewöhnlich lange Geschichte der Interaktion zwischen den Menschen der Region und dieser speziellen Nutzpflanze.

In Bezug auf den Nährwert stellt die Four-Corners-Kartoffel eine äußerst wertvolle Ressource dar. Im Vergleich zu herkömmlichen kommerziellen Kartoffelsorten (*Solanum tuberosum*) enthält sie die dreifache Menge an Protein und die doppelte Menge an Kalorien.

Diese Nährstoffdichte verdeutlicht ihre Unverzichtbarkeit für die Sicherung der Lebensgrundlagen in einem semiariden Klima. Dennoch sind die Knollen von *S. jamesii* wesentlich kleiner als die der heute weltweit verbreiteten Kultkartoffel.

Zudem weisen sie einen höheren Gehalt an Glykoalkaloiden wie Tomatin auf, was die Knollen bitter macht. Dies erforderte von den indigenen Völkern spezielle Verarbeitungstechniken, wie das Auslaugen oder das Mischen mit Tonerde, um die Bitterkeit zu neutralisieren.

Diese interdisziplinäre Beweisführung verknüpft moderne Archäologie mit dem traditionellen Wissen indigener Völker, einschließlich der Überlieferungen von Ältesten der Diné und Hopi. Gemeinsam schreiben diese Quellen die Agrargeschichte Nordamerikas neu.

Wissenschaftler, unter anderem vom US-Landwirtschaftsministerium (USDA), untersuchen derzeit die DNA von *S. jamesii* auf spezifische Resistenzen. Ziel ist es, Gene für Dürre- und Krankheitsresistenz zu finden, die in moderne Kartoffelsorten eingekreuzt werden könnten.

Die antike Knolle besitzt bemerkenswerte Eigenschaften wie eine zehnjährige Keimruhe und eine extrem hohe Trockenheitstoleranz. Daher wird sie heute als potenzielle Nahrungsquelle der Zukunft betrachtet, die zur globalen Ernährungssicherheit beitragen könnte.

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Quellen

  • Scienmag: Latest Science and Health News

  • ScienceDaily

  • SSBCrack News

  • PLOS One

  • Phys.org

  • The University of Utah

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