In der Nähe des Thwaites Glacier in Antarctica wurden Hunderte zuvor unbekannter 'glazialer Erdbeben' entdeckt.
Gletscherbeben erschüttern den Thwaites-Gletscher in der Antarktis
Bearbeitet von: Uliana S.
Die Antarktis entwickelt sich zunehmend zu einer Region erhöhter geophysikalischer Aktivität. Im Fokus dieser Vorgänge steht der Thwaites-Gletscher, der aufgrund seiner entscheidenden Rolle für die globale Ozeandynamik oft als der „Doomsday-Gletscher“ bezeichnet wird. Eine detaillierte geophysikalische Auswertung von Daten aus dem Zeitraum von 2010 bis 2023 hat mehr als 360 Gletscherbeben aufgedeckt. Bemerkenswert ist, dass ungefähr zwei Drittel dieser seismischen Ereignisse in unmittelbarer Nähe der Schelfkante des Thwaites-Gletschers lokalisiert wurden.
Sentinel-1 Überwachung der Antarktis Thwaites-Eisschelf, Timelapse von 2017 bis 2025. Eines der größten Eisschelfe der Westantarktis, obwohl es hochinstabil ist und sich rasch zersetzt.
Die Stärke einiger dieser Erschütterungen war beachtlich; sie erreichten eine Intensität, die mit den Atomtests vergleichbar ist, welche Nordkorea in den letzten zwei Jahrzehnten durchgeführt hat. Diese seismischen Signaturen unterscheiden sich grundlegend von tektonischen Beben. Gletscherbeben entstehen typischerweise, wenn massive Eisberge ins Wasser stürzen oder umkippen. Der resultierende Aufprall auf den Eiskörper erzeugt starke, niederfrequente Schwingungen.
Die Periode der intensivsten seismischen Aufzeichnungen, nämlich zwischen 2018 und 2020, fiel zeitlich mit einer von Satelliten bestätigten Beschleunigung der Fließgeschwindigkeit der Gletscherzunge des Thwaites in Richtung Ozean zusammen. Diese Beobachtung untermauert die Hypothese, dass die Instabilität des Gletschers primär durch ozeanische Bedingungen und nicht allein durch atmosphärische Temperaturen angetrieben wird. Dies ist eine wichtige Erkenntnis für die Genauigkeit der Prognosen bezüglich des Meeresspiegelanstiegs bis zum Jahr 2025.
Der Thwaites-Gletscher selbst ist von immenser Größe, vergleichbar mit der Fläche Großbritanniens oder des US-Bundesstaates Florida. Er ist bereits heute für rund vier Prozent des aktuellen Anstiegs des globalen Meeresspiegels verantwortlich und verliert jährlich etwa 50 Milliarden Tonnen Eis. Wissenschaftler, die im Rahmen der International Thwaites Glacier Collaboration (ITGC) von 2018 bis 2025 zusammenarbeiten, betonen die Notwendigkeit fortlaufender Forschung, um die Zeitfenster für einen möglichen vollständigen Kollaps präziser eingrenzen zu können.
Neben dem Hauptcluster der Beben nahe Thwaites wurde ein zweiter, bedeutenderer seismischer Cluster im Bereich des Pine-Island-Gletschers registriert. Diese Ereignisse fanden jedoch in einer Entfernung von 60 bis 80 Kilometern von der Küstenlinie statt. Diese Distanz macht eine direkte Verknüpfung mit dem Abbrechen von Eisbergen unwahrscheinlich, weshalb die genaue Ursache dieser Beben weiterhin Gegenstand intensiver Forschung bleibt.
Die Entdeckung dieser Hunderte von Gletscherbeben in der Antarktis, die zuvor von globalen seismischen Netzwerken übersehen wurden – hauptsächlich wegen des Fehlens hochfrequenter Komponenten –, eröffnet neue Perspektiven für die Überwachung der Dynamik von Eisschilden. Die in den Geophysical Research Letters veröffentlichten Ergebnisse legen nahe, dass die mechanische Beanspruchung an den Kontaktpunkten zwischen Eis und dem darunterliegenden Meeresboden in Klimamodellen möglicherweise unterschätzt wurde. Letztlich bleibt die Dekarbonisierung, also die konsequente Reduktion von Emissionen, der Schlüssel zur Verzögerung des Eisverlusts in den marinen Sektoren der Antarktis.
Quellen
El Confidencial
noi.md
Frankfurter Rundschau
UC Irvine ESS
El Confidencial
El Confidencial
Minuto Fueguino
Infobae
La Razón
The Australian National University
ANU Reporter - The Australian National University
Science Alert
Express.co.uk
Eos.org
Dartmouth Engineering
News Report (Spanish Language Source)
YouTube
Scripps Institution of Oceanography (Implied context)
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