Pferdephysiologie: Der Stay Apparatus ermöglicht Ruhe, REM-Schlaf erfordert jedoch das Hinlegen

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Die Fähigkeit von Pferden, im Stehen Ruhephasen einzulegen, ist eine tief verwurzelte evolutionäre Anpassung, die aus ihrer Historie als Beutetiere resultiert. Diese Haltung ermöglicht es den Tieren, in offenen Umgebungen jederzeit zur Flucht vor potenziellen Prädatoren bereit zu sein. Pferde nutzen hierfür den sogenannten Stay Apparatus, eine spezialisierte anatomische Konstruktion, die durch ein komplexes Zusammenspiel von Sehnen und Bändern die Gelenke passiv in einer gestreckten Position fixiert.

Dieses System erlaubt es dem Pferd, das Körpergewicht mit minimalem muskulärem Aufwand zu tragen, wodurch leichte Schlafphasen im Stehen realisierbar werden. Der Stay Apparatus unterscheidet sich in Vorder- und Hintergliedmaßen und ist entscheidend für die Reduzierung der Ermüdung bei großen Säugetieren wie Pferden und Rindern. In den Vordergliedmaßen stabilisieren muskel-sehnenartige Strukturen die Schulter- und Ellenbogengelenke in passiver Streckung. In den Hintergliedmaßen synchronisiert ein reziprokes System das Sprung- und Kniegelenk. Ein zentraler Mechanismus ist die Patellaverriegelung, bei der die Kniescheibe über den Rollkamm des Femurs gleitet und einrastet, was die Beugung des Kniegelenks verhindert und die Stützfunktion passiv sichert. Diese Mechanismen erlauben es Pferden, das Gewicht auf drei Gliedmaßen zu verteilen und abwechselnd eine vierte zu entlasten, was die Gesamtbelastung minimiert.

Obwohl das Stehen eine essenzielle leichte Erholung, den sogenannten Slow-Wave-Sleep (SWS) oder Tiefschlaf, ermöglicht, ist diese Phase für die vollständige Regeneration nicht ausreichend. Für den lebenswichtigen Rapid Eye Movement (REM) Schlaf, der für die neuronale Verarbeitung und tiefgreifende körperliche Erholung unerlässlich ist, müssen Pferde die Seitenlage einnehmen. Erwachsene Pferde benötigen täglich zwischen 30 Minuten und zwei Stunden REM-Schlaf, welcher ausschließlich im Liegen erreicht wird, da in dieser Phase die Muskelspannung vollständig abfällt. Gesunde Pferde verbringen insgesamt etwa drei bis fünf Stunden mit Schlafen pro Tag, wobei der REM-Anteil nur einen kleinen Teil ausmacht.

Das Verständnis dieses Gleichgewichts zwischen stehendem Dösen und der Notwendigkeit des Hinlegens für den REM-Schlaf ist für das Wohlbefinden domestizierter Pferde von größter Wichtigkeit. Ein Mangel an Tiefschlaf kann zu ernsten gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen, manifestiert in Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche und verminderter Leistungsfähigkeit. Forschungen von Dr. Lena Charlotte Kiefner und Dr. Christine Fuchs beschreiben den extremen Fall, bei dem chronischer Schlafmangel dazu führt, dass Pferde im Stehen in die REM-Phase fallen, was durch das Einknicken der Beine zu schweren Verletzungen führen kann – ein Zustand, der als Pseudo-Narkolepsie bezeichnet wird.

Die Umgebung spielt eine entscheidende Rolle bei der Gewährleistung des notwendigen Tiefschlafs. Unsichere oder zu kleine Liegeflächen, sozialer Stress oder Schmerzen, beispielsweise durch Arthrose, können Pferde davon abhalten, sich für die Regeneration niederzulegen. Die Schaffung einer sicheren, ruhigen Umgebung mit geeignetem Untergrund, wie Stroh oder speziellen Matten, ist daher eine primäre Verantwortung des Pferdehalters, um diese essenzielle nächtliche Regeneration zu gewährleisten.

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Quellen

  • Postoast

  • Wikipedia

  • Onlinepethealth

  • Encyclopedia Britannica

  • The Equine Institute

  • The Indian Express

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