Frühe Tierkontakte reduzieren Allergierisiko und stärken kindliche Immunität
Bearbeitet von: Olga Samsonova
Die frühe Exposition gegenüber domestizierten Tieren wie Hunden oder Katzen ist mit signifikanten biologischen Vorteilen für Kinder verbunden, wie wissenschaftliche Untersuchungen belegen. Die tägliche Interaktion mit diesen Begleitern stimuliert das kindliche Immunsystem und führt zu einer nachweislich besseren Abwehr gegen häufig auftretende Infektionskrankheiten. Dieser Prozess der Mikroorganismen-Exposition trainiert die körpereigene Abwehr, präzise zwischen pathogenen Bedrohungen und harmlosen Reizen, die durch die Tiere übertragen werden, unterscheiden zu können. Die kontinuierliche Zufuhr unterschiedlicher Mikroben fungiert dabei als ein biologisches Trainingslager für die Immunzellen, wodurch der Körper lernt, effizient zu reagieren, ohne unnötige Entzündungsreaktionen auszulösen.
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass diese frühe Exposition auch vor chronisch niedriggradigen Entzündungszuständen schützen kann, die mit bestimmten psychiatrischen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden. Spezifische Daten zur Prävention von Atemwegserkrankungen lieferte eine schwedische Studie: Kinder, die im ersten Lebensjahr in einem Haushalt mit einem Hund lebten, wiesen im Alter von etwa sechs Jahren ein um zirka 15 Prozent geringeres Risiko auf, an Asthma zu erkranken, verglichen mit Kindern ohne Hundekontakt. Diese Zahlen basieren auf einer umfangreichen schwedischen Analyse, die Daten von über einer Million zwischen 2001 und 2010 geborenen Kindern aus neun Registern auswertete. Interessanterweise war die Asthma-Rate bei Kindern, die mit einer Hündin aufwuchsen, mit 4,9 Prozent niedriger als bei denen mit einem Rüden (5,8 Prozent), was auf ein spezifisches Allergen im Prostatagewebe männlicher Hunde zurückgeführt wird. Die stärkste Schutzwirkung zeigten Kinder auf Bauernhöfen mit einem um 52 Prozent geringeren Asthmarisiko im Schulalter, was die sogenannte Hygienehypothese untermauert, da diese Kinder einem weitaus größeren Spektrum an bakteriellen Antigenen ausgesetzt sind.
Auch finnische Wissenschaftler belegten positive Effekte: Eine Studie des Universitätsspitals Kuopio stellte einen Zusammenhang zwischen der Anwesenheit von Haustieren und einer reduzierten Anfälligkeit für atopische Dermatitis sowie allergische Rhinitis fest. Babys aus Hundehaushalten litten demnach seltener an Husten und Ohrinfektionen, was zu einem um 30 Prozent geringeren Bedarf an Antibiotika führte. Diese Erkenntnisse stützen die breiter gefasste „Hygienehypothese“, die besagt, dass ein Mangel an Umweltkeimen durch übertriebene Sterilität die normale Reifung des Immunsystems stören kann. Die Entwicklung einer Toleranz gegenüber Allergenen wird durch die Koexistenz mit Tieren wissenschaftlich gestützt, da dies die Produktion von Molekülen reduziert, die für allergische Reaktionen verantwortlich sind.
Eine japanische Umfrage ergab, dass Kinder, die mit Hunden aufwuchsen, eine geringere Wahrscheinlichkeit aufwiesen, schwere Unverträglichkeiten gegen Lebensmittel wie Eier, Milch und Nüsse zu entwickeln; die Präsenz von Katzen zeigte einen spezifischen Schutzmechanismus gegen Allergien auf Weizen und Eier. Forscher der Universität Göteborg stellten in einer in PLOS One veröffentlichten Studie fest, dass je mehr Hunde oder Katzen im Haushalt lebten, desto unwahrscheinlicher war die Entwicklung von Allergien bei den Kindern. Im Gegensatz zu früheren Annahmen, die Haustierhaltung als Risikofaktor betrachteten, belegen diese neueren Daten, dass die Dosis des Keimkontakts eine schützende Rolle spielt.
Die positiven Effekte gehen über die reine Immunmodulation hinaus. Hunde fördern nachweislich auch die soziale Entwicklung und das Verantwortungsbewusstsein von Kindern. Eine Untersuchung der Universität Wien zeigte, dass stille Kinder nach dem Besuch eines Schulhundes gesprächiger wurden, während laute Kinder durch die Anwesenheit des Tieres Beruhigung fanden. Dies wird auf die Ausschüttung des Hormons Oxytocin und die Senkung des Stresshormons Cortisol zurückgeführt. Die kontinuierliche Konfrontation mit den Mikroorganismen der Tiere macht das kindliche Immunsystem widerstandsfähiger, wobei die Vermeidung von übermäßiger Sterilität als Schlüssel zur Prävention atopischer Erkrankungen gilt.
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Quellen
Unica Radio
Children's Health Ireland
Colorado Arts and Sciences Magazine
Galaxus
SMC Spain
The Drake Center
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