Wie menschlicher Stressgeruch das Verhalten von Hunden beeinflusst: Eine wissenschaftliche Untersuchung
Bearbeitet von: Katerina S.
Eine bahnbrechende Untersuchung unter der Leitung von Wissenschaftlern der Universität Bristol hat eine direkte Korrelation zwischen der olfaktorischen Wahrnehmung von menschlichem Stress und dem darauffolgenden Verhalten von Hunden nachgewiesen. Die im Juli 2024 in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichte Arbeit beschreibt eine Reaktion, die von den Forschern als pessimistisch eingestuft wird. Es handelt sich hierbei um das erste Experiment dieser Art, das gezielt analysiert, wie Geruchsmarker menschlicher Anspannung den Lernprozess und den emotionalen Zustand der Tiere beeinflussen. Diese Erkenntnisse eröffnen eine völlig neue Perspektive auf die tiefe emotionale Bindung und die nonverbale Kommunikation zwischen Mensch und Hund.
Im Zentrum der Studie stand das Phänomen der emotionalen Ansteckung, bei dem Tiere unbewusst die affektiven Zustände ihrer Umgebung übernehmen können. Um diese Hypothese unter kontrollierten Bedingungen zu prüfen, nahmen achtzehn Hund-Halter-Gespanne an den Versuchen teil. Zunächst lernten die Hunde, zwei verschiedene Napfpositionen zu unterscheiden: Eine Stelle enthielt stets eine Belohnung, während die andere leer blieb. Nach dieser Trainingsphase näherten sich die Tiere dem positiven Ort erwartungsgemäß deutlich schneller, da sie eine klare Erwartungshaltung entwickelt hatten.
Um die Zuversicht der Hunde auf eine Belohnung in unsicheren Situationen zu messen, platzierten die Forscher Näpfe an drei uneindeutigen Positionen zwischen den ursprünglichen Punkten. Eine schnelle Annäherung an diese Zwischenstationen galt als Indikator für Optimismus, während eine verzögerte Reaktion auf Pessimismus hindeutete. Während dieser Tests wurden die Hunde Geruchsproben von fremden Personen ausgesetzt, die sich entweder in einem Stresszustand durch das Lösen komplexer Rechenaufgaben oder in einem Entspannungszustand durch das Hören von Naturgeräuschen befanden. Die Proben bestanden dabei aus der Atemluft und dem Schweiß der Probanden.
Die Ergebnisse waren eindeutig: Die Einwirkung von Stressgerüchen führte zu einer signifikanten Verlangsamung der Hunde beim Aufsuchen der uneindeutigen Näpfe, was auf ein verringertes Vertrauen in einen positiven Ausgang hindeutete. Im Gegensatz dazu rief der Geruch einer entspannten Person keinen derartigen Effekt hervor, was die Spezifität der Reaktion unterstreicht. Diese Entdeckung liefert wichtige Erkenntnisse für das Verständnis der artübergreifenden Kommunikation. Es wird vermutet, dass dies auf evolutionäre Überlebensmechanismen zurückzuführen ist, bei denen das Erkennen von Spannungen bei Artgenossen oder Partnern als Warnsignal vor Gefahren diente. Die feine Hundenase ist in der Lage, flüchtige organische Verbindungen wahrzunehmen, die sich bei physiologischen Reaktionen wie erhöhtem Herzschlag oder Blutdruck verändern.
Die Experten der Bristol Veterinary School gehen davon aus, dass diese pessimistische Reaktion ein adaptiver Mechanismus sein könnte, der tief in der Biologie verwurzelt ist. In Situationen der Unsicherheit, die durch den Stress anderer signalisiert wird, hilft dieses Verhalten den Tieren, wertvolle Energie zu sparen und potenzielle Enttäuschungen zu vermeiden. Diese Resultate unterstreichen zudem eine wichtige Praxisrelevanz für den Alltag: Tierärzte und Fachpersonal sollten sich bewusst sein, in welchem Maße ihr eigener emotionaler Zustand, der unbewusst über Gerüche übertragen wird, das psychische Wohlbefinden und die Behandlungsergebnisse ihrer tierischen Patienten beeinflussen kann. Ein ruhiges Umfeld beginnt somit bereits bei der emotionalen Verfassung des Menschen.
9 Ansichten
Quellen
Clarin
Study shows dogs can smell human stress that makes them more 'pessimistic' in decision-making - POP!
Dogs react to human stress by making more pessimistic choices - Tech Explorist
Smell of human stress affects dogs' emotions leading them to make more pessimistic choices - University of Bristol
The odour of an unfamiliar stressed or relaxed person affects dogs' responses to a cognitive bias test - PubMed
Dogs affected by the smell of human stress, study finds | The Independent
Weitere Nachrichten zu diesem Thema lesen:
Haben Sie einen Fehler oder eine Ungenauigkeit festgestellt?Wir werden Ihre Kommentare so schnell wie möglich berücksichtigen.