Neugier und Selbstbeherrschung: Die Schlüsselqualitäten von Hunden, die Hunderte von Wörtern verstehen
Bearbeitet von: Katerina S.
Eine kleine, aber bemerkenswerte Gruppe von Hunden, die von Forschern als „Label-Lerner“ klassifiziert werden, zeigt die beeindruckende Fähigkeit, Hunderte von Objekten allein anhand ihrer Bezeichnungen zu identifizieren. Ein internationales Wissenschaftlerteam hat sich intensiv mit den Merkmalen beschäftigt, die diese außergewöhnlichen Tiere von der breiteren Hundepopulation unterscheiden. Die zentralen Erkenntnisse der Untersuchung deuten darauf hin, dass diese besonderen Fähigkeiten tief in der Persönlichkeit der Hunde verwurzelt sind: eine angeborene Neugier, die Fähigkeit zur fokussierten Aufmerksamkeit sowie ein hoher Grad an Selbstkontrolle, sprich Hemmung.
Die Forscher konnten bislang lediglich elf solcher Hunde ausfindig machen, die in Großbritannien, den USA, den Niederlanden, der Schweiz und Deutschland leben. Dies unterstreicht die Seltenheit dieser Gruppe. Die Besitzer dieser Tiere dokumentierten standardisierte Tests im Rahmen eines Citizen-Science-Projekts per Videoaufzeichnung. Diese „Label-Lerner“ zeigten ein signifikant größeres Interesse an neuen Gegenständen und besaßen eine einzigartige Konzentrationsfähigkeit, um ihre Aufmerksamkeit auf ein einzelnes Objekt zu bündeln und dabei Ablenkungen erfolgreich auszublenden. Entscheidend für diesen Lernerfolg erwies sich die vorhandene starke Selbstkontrolle, welche die Hunde befähigte, spontane Impulse während des Lernprozesses zu unterdrücken.
Frühere Studien, wie beispielsweise eine 2020 von ungarischen Wissenschaftlern gestartete Kampagne in den sozialen Medien, hatten bereits 41 besonders begabte Hunde aus neun verschiedenen Ländern identifiziert. Innerhalb dieser Gruppe dominierten Border Collies mit einem Anteil von 56 Prozent, was 23 Individuen entsprach. Das Durchschnittsalter der Hunde, die an der aktuellen Untersuchung teilnahmen, lag bei 3,8 Jahren. Die Auswertungen, die auf einer Kontrollliste von 172 Wörtern und Phrasen basierten, belegten, dass die am besten lernfähigen Hunde auf über 200 Begriffe und Sätze reagieren können. Diese Leistung ist vergleichbar mit dem Wortschatz eines zweijährigen menschlichen Kindes.
Im Vergleich dazu versteht der durchschnittliche Haushund etwa 89 Wörter und Phrasen. Diese umfassen primär Kommandos, aber auch Begriffe wie „Leckerli“ oder „Zuhause“. Insbesondere Hütehunde und Begleithunde, darunter Rassen wie Border Collies, Deutsche Schäferhunde und Bichon Frisé, weisen eine überlegene Kompetenz im Erfassen verbaler und nonverbaler menschlicher Signale auf. Diese Forschungsergebnisse könnten zukünftig als Grundlage dienen, um schon bei jungen Hunden besondere Lernpotenziale frühzeitig zu erkennen. Dies eröffnet diesen Tieren Perspektiven für verantwortungsvolle Aufgaben, beispielsweise als Führhunde oder als tierische Helfer in der Therapie.
Die Fähigkeit, komplexe verbale Informationen zu verarbeiten, stellt einen faszinierenden Einblick in die kognitiven Grenzen der Domestizierung dar. Es zeigt sich, dass nicht nur Rassezugehörigkeit, sondern vor allem individuelle Persönlichkeitsmerkmale wie Hartnäckigkeit und die Bereitschaft, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren, den Ausschlag geben. Die Forscher hoffen, durch weitere Studien mehr über die neurologischen Grundlagen dieser bemerkenswerten sprachlichen Fähigkeiten zu erfahren, um das Potenzial von Hunden noch besser ausschöpfen zu können.
14 Ansichten
Quellen
The Indian Express
SÜDKURIER Online
Pawlore
The Indian Express
Kinship
Parade Pets
iHeartDogs.com
University of Portsmouth
Friedrich Schiller University Jena
University of Portsmouth
MDR WISSEN
Weitere Nachrichten zu diesem Thema lesen:
Haben Sie einen Fehler oder eine Ungenauigkeit festgestellt?Wir werden Ihre Kommentare so schnell wie möglich berücksichtigen.
