Polen führt verpflichtende KI-Grundbildung über ZBADAI-Programm ein
Bearbeitet von: Olga Samsonova
Das polnische Bildungsministerium (MEN) finalisiert die Einführung eines obligatorischen Lehrplans zur Künstliche-Intelligenz-Alphabetisierung für Grund- und weiterführende Schulen. Dies bestätigte die Parlamentarische Staatssekretärin Katarzyna Lubnauer am 5. Januar 2026. Die bildungspolitische Maßnahme zielt darauf ab, Schüler proaktiv für die potenziellen Gefahren der technologischen Entwicklung, insbesondere im Kontext von Desinformation, zu sensibilisieren. Katarzyna Lubnauer, die seit 2023 im Ministerium tätig ist und eine akademische Laufbahn als Mathematikerin an der Universität Łódź innehatte, unterstreicht damit die nationale Priorität, digitale Kompetenzen flächendeckend zu verankern.
Diese Initiative ist integraler Bestandteil des umfassenderen Projekts ZBADAI, einer Kooperation zwischen dem MEN und dem Kopernikus Science Centre (CNK), die Ende 2025 initiiert wurde und bis Juni 2028 laufen soll. Das ZBADAI-Programm, dessen Auftakt im Dezember 2025 stattfand, involviert aktuell 200 Bildungseinrichtungen, 930 Lehrkräfte und 13.000 Schülerinnen und Schüler, die an spezifischen Forschungsprojekten teilnehmen. Jede Schule entsendet ein Team aus zwei Pädagogen und mindestens 15 Lernenden, die sich semesterlang unter Anleitung von CNK-Experten mit praktischen KI-Anwendungen auseinandersetzen.
Das Kernziel der Projektteilnahme liegt in der Befähigung der Lehrkräfte, effektive didaktische Werkzeuge für die Einführung von KI bereitzustellen. Dies soll die digitale Kompetenz, die kritische Denkfähigkeit und die Fähigkeit zur Bewertung KI-generierter Inhalte fördern. Die Pädagogen absolvieren hierfür einen fünf Wochen dauernden, moderierten Kurs zur Künstlichen Intelligenz auf der Integrierten Bildungsplattform (ZPE). Dieser Weiterbildungspfad behandelt Grundlagen von KI-Systemen, Prompt Engineering, Datenanalyse, Multimedia-Erstellung mittels KI sowie ethische und rechtliche Implikationen.
Die teilnehmenden Lehrer entwickeln im Rahmen der Ausbildung konkrete Unterrichtsszenarien in spezialisierten Workshops. Diese fertigen Materialien sollen nach Abschluss des Projekts potenziell sechs Millionen Nutzern über die ZPE-Plattform zugänglich gemacht werden, was eine signifikante Verbreitung der erarbeiteten didaktischen Innovationen gewährleistet. Diese Fokussierung auf anwendungsorientierte Fertigkeiten steht im Einklang mit der bildungspolitischen Reform „Kompass der Zukunft“ des Ministeriums.
Die strategische Bedeutung der digitalen Transformation wird durch weitere staatliche Maßnahmen untermauert: Der Nationale Wiederaufbauplan sieht vor, bis zum Jahr 2026 insgesamt 12.000 Schulen mit dedizierten KI-Laboren auszustatten. Dies signalisiert Polens nationale Strategie, bis 2030 zu den weltweit führenden 10–20 Ländern im Bereich Künstliche Intelligenz aufzusteigen und ein kohärentes nationales KI-Ökosystem zu etablieren. Die Verankerung von KI-Grundlagen in der schulischen Bildung ist somit ein proaktiver Schritt zur Gestaltung des technologischen Wandels, der über die reine Nutzung hinausgeht und kritisches Bewusstsein fördert.
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Quellen
edukacja.dziennik.pl
Dziennik.pl
Centrum Nauki Kopernik
Wprost
ESG Trends
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