Wirtschaftskrise löst landesweite Proteste im Iran aus

Bearbeitet von: gaya ❤️ one

Seit dem 28. Dezember 2025 wird die Islamische Republik Iran von einer signifikanten Welle landesweiter Unruhen und Streiks erfasst, deren Hauptursache die rapide sich verschärfende Wirtschaftskrise und der damit einhergehende Kollaps des iranischen Rial ist. Die anfängliche Frustration von Kaufleuten und Basarhändlern, die ihre Geschäfte im Großen Basar von Teheran schlossen, weitete sich rasch auf Universitätsstudenten und die breitere Bevölkerung aus. Damit stellen die aktuellen Ereignisse die größte Unruhe seit der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ im Jahr 2022 dar.

Die wirtschaftliche Notlage manifestiert sich in alarmierenden Kennzahlen: Die jährliche Inflation überstieg im Dezember 2025 die Marke von 42,2 Prozent, wobei die Lebensmittelinflation bereits im September 2025 57,90 Prozent erreichte. Der iranische Rial erlebte einen starken Wertverlust; Ende Dezember 2025 fiel er auf etwa 1,4 Millionen IRR pro US-Dollar, was einer Abwertung von mehr als zwei Dritteln seit 2022 entspricht. Die Weltbank prognostiziert für den Iran einen BIP-Rückgang von 1,7 % in 2025 und 2,8 % in 2026, was die prekäre Lage unterstreicht.

Die Proteste entwickelten sich von primär ökonomischen Forderungen zu explizit politischen Slogans, die sich gegen die Führung richteten, darunter Rufe wie „Tod dem Diktator“ gegen den Obersten Führer Ali Khamenei. Diese politische Dimension gewinnt an Gewicht, da die Basarhändler bereits eine zentrale Rolle beim Sturz der Monarchie im Jahr 1979 spielten. Die Reaktion der Sicherheitskräfte war unterschiedlich: In Teheran kamen Wasserwerfer und Tränengas zum Einsatz, während aus der Provinz Fars Berichte über den Einsatz von scharfer Munition durch Sicherheitskräfte vorliegen. Ein Mitglied der Basidsch-Miliz, Amirhossam Khodayari Fard, wurde in Kuhdasht, Provinz Lorestan, bei der „Verteidigung der öffentlichen Ordnung“ getötet; zudem gab es Berichte über zwei getötete Demonstranten im Südwesten.

Die politische Elite reagierte mit einer Mischung aus Beschwichtigung und Drohung. Präsident Masoud Pezeshkian, seit Juli 2024 im Amt, betonte die Notwendigkeit, die Lebenshaltungsprobleme der Bürger zu lösen, um katastrophale Folgen abzuwenden, und rief zum Dialog auf. Regierungssprecherin Fatemeh Mohajerani, die erste Frau in dieser Position seit August 2024, bestätigte, dass die Regierung die Stimmen der Protestierenden höre, die aus „natürlichem Druck auf die Lebensgrundlagen der Menschen“ entstünden. Im Gegensatz dazu kündigte der Generalstaatsanwalt eine „entschlossene Reaktion“ auf Proteste an, die zu „Ausschreitungen“ würden. Deputy Executive President Mohammad Jafar Ghaempanah führte die Inflation auf westliche Sanktionen und den „Wirtschaftskrieg“ zurück.

Die aktuellen Turbulenzen sind durch externe Schocks verschärft. Sie folgen auf einen zwölf Tage andauernden Krieg mit Israel im Juni 2025, nach dem Iran eine Einstellung der Urananreicherung zur Sanktionserleichterung angekündigt hatte. Die Wirtschaft litt zudem unter den im Januar 2025 von der Regierung Donald Trump wieder verhängten Sanktionen, welche die Ölexporte stark einschränkten. Analyst Kasra Qaredaghi von der Central Florida University merkte an, dass Lebenshaltungsprobleme schnell in breitere politische Unzufriedenheit umschlagen, wenn die Lebenshaltungskosten ohne entsprechende Einkommenssicherheit steigen.

Während oppositionelle Stimmen eine Eskalation forderten – Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi sah die Islamische Republik vor ihren „letzten Tagen“ und Reza Pahlavi rief zum Sturz des Regimes auf – warnte der inhaftierte Aktivist Mostafa Tajzadeh vor einem möglichen Absturz in „Anarchie und Chaos“ bei ungelösten ökonomischen Problemen. Die Staatsorgane selbst äußerten die Sorge, dass „antirevolutionäre Strömungen“ versuchten, zivile Proteste in Unruhen zu lenken. Die staatliche Repression setzt sich fort: Menschenrechtsorganisationen Iran Human Rights (IHR) und HRANA meldeten zusammen mindestens 1.500 bis 1.922 Hinrichtungen im Jahr 2025, was als „beispiellose Zunahme“ beschrieben wurde. Die Entwicklungen Ende 2025 stellen somit eine tiefgreifende systemische Herausforderung dar, die durch eine Kombination aus wirtschaftlichem Kollaps, geopolitischem Druck und erodierender Legitimität angetrieben wird.

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Quellen

  • Deutsche Welle

  • Clarin

  • Deutsche Welle

  • Deutsche Welle

  • Liputan6.com

  • KBA News

  • Berita Senator

  • YouTube

  • El Diario Venezuela

  • TV Azteca

  • En Segundos Panama

  • La Tercera

  • NCRI

  • Iran Insight

  • Wikipedia

  • The Times of Israel

  • Al Jazeera

  • 2025–2026 Iranian protests - Wikipedia

  • Volunteer in Iran's Revolutionary Guard reportedly killed during widening protests

  • Iran appoints new central bank governor amid protests over plunging rial | DD News On Air

  • Day four of Iran protests sees rallies spread and regime change calls grow

  • Fatemeh Mohajerani - Wikipedia

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