Kosovo hält Neuwahlen am 28. Dezember 2025 angesichts politischer Blockade und EU-Finanzrisiken
Bearbeitet von: gaya ❤️ one
Am Sonntag, dem 28. Dezember 2025, fanden im Kosovo vorgezogene Parlamentswahlen statt. Diese Abstimmung markierte einen erneuten Versuch, die seit den Parlamentswahlen vom 9. Februar 2025 andauernde institutionelle Lähmung zu beenden. Die Kosten dieser zweiten landesweiten Wahl innerhalb eines Jahres beliefen sich nach Schätzungen auf rund 30 Millionen Euro. Ziel war es, die politische Pattsituation aufzulösen, welche die Verabschiedung des Budgets für 2026 und die Umsetzung wichtiger Gesetzesvorhaben verhinderte.
Insgesamt konkurrierten 24 politische Entitäten um die 120 Sitze im Parlament der Republik Kosovo. Die anhaltende politische Dysfunktion birgt weitreichende finanzielle Risiken: Das Land läuft Gefahr, rund 820 Millionen Euro aus dem EU-Wachstumsplan sowie weitere Kredite der Weltbank nicht fristgerecht abrufen zu können. Die EU hatte für den Kosovo aus dem Wachstumsplan für den Westbalkan, der insgesamt sechs Milliarden Euro umfasst, über 882 Millionen Euro vorgesehen, wovon ein Teil als nicht rückzahlbarer Zuschuss gewährt werden sollte.
Die Ursache der aktuellen Krise liegt in der gescheiterten Regierungsbildung nach den Wahlen vom Februar 2025. Die Vetëvendosje (LVV) unter dem damaligen amtierenden Premierminister Albin Kurti wurde mit rund 42 Prozent der Stimmen stärkste Kraft, verfehlte jedoch die für eine Regierungsbildung notwendige Mehrheit von 61 Stimmen. Nach monatelanger Blockade, die erst durch die Wahl von Dimalj Baša zum Parlamentssprecher im Spät-August 2025 vorübergehend beendet wurde, scheiterten nachfolgende Versuche, eine Regierung zu etablieren. Präsidentin Vjosa Osmani löste daraufhin am 20. November 2025 die Versammlung auf und setzte die Neuwahlen an.
Die Opposition, bestehend aus PDK, LDK und AAK, die im Februar zusammen 46 Prozent der Stimmen erhielt, kritisiert Kurtis konfrontative Außenpolitik, insbesondere im Umgang mit der serbischen Minderheit im Norden. Die wirtschaftlichen Konsequenzen der Stagnation sind signifikant, da wichtige Finanzhilfen, darunter Darlehensvereinbarungen mit der EU und der Weltbank im Wert von etwa einer Milliarde Euro, auf die Ratifizierung durch die neu konstituierte Versammlung warten. Ein kritischer Termin ist der 13. Februar 2026, bis zu dem bestimmte Unterstützungsleistungen der Weltbank auslaufen könnten. Zudem muss bis April 2026 ein neuer Präsident gewählt werden, was den Zeitdruck auf die neu gewählten Volksvertreter erhöht.
Die Bürger zeigten sich angesichts der wiederholten Wahlzyklen erschöpft. Während einige die Notwendigkeit eines Konsenses betonten, sahen Politikwissenschaftler die Gefahr einer weiteren Stagnation im europäischen Integrationsprozess. Die EU hatte zuvor teilweise Sanktionen gegen Kosovo aufgehoben, nachdem die Serbische Liste bei Kommunalwahlen im Oktober 2025 in den nördlichen Gemeinden Erfolge verbuchen konnte. Die aktuelle Wahl am 28. Dezember 2025 stellt somit eine entscheidende Bewährungsprobe für die Stabilität des jüngsten europäischen Staates dar, dessen Unabhängigkeit von Serbien weiterhin nicht anerkannt ist.
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Quellen
Deutsche Welle
Deutsche Welle
Al Jazeera Online
Radio Slobodna Evropa
N1
Hayat.ba
033.BA
Rojters
Wikipedia
The Hindu
SWI swissinfo.ch
The Straits Times
December 2025 Kosovan parliamentary election - Wikipedia
February 2025 Kosovan parliamentary election - Wikipedia
February 2025 Kosovan parliamentary election - Wikipedia
Kosovo heads to snap elections after year-long political deadlock, financial strain - Türkiye Today
Kosovo votes in bid to end year-long political impasse - The Hindu
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