
Studie: Welche Fast-Fashion-Akteure bei der Abfallproduktion führend sind
Bearbeitet von: Katerina S.

Eine aktuelle Feldstudie in dreißig Textilrecyclingzentren hat signifikante Daten über die Abfallströme innerhalb der Branche geliefert. Die Analyse ergab, dass 49 % der als nicht wiederverwendbar eingestuften Textilien von etablierten Fast-Fashion-Einzelhandelsketten wie Zara und H&M stammen. Auch die Untersuchung des Zweitmarktes bestätigt die Dominanz der alten Akteure. So finden sich beispielsweise auf einer der gängigen Wiederverkaufsplattformen 61,8 Millionen Kleidungsstücke von Zara und 59,7 Millionen von H&M, während die Anzahl der Artikel von Shein bei 21,8 Millionen liegt. Diese gewaltigen Mengen auf den Resale-Plattformen verdeutlichen, dass Verbraucher diese Produkte in enormen Massen erwerben und – was entscheidend ist – deren Attraktivität für den Käufer nur von kurzer Dauer ist. Gleichzeitig entfallen auf Ultra-Fast-Fashion-Anbieter, vornehmlich chinesische Unternehmen wie Shein und Temu, lediglich 5 % der in den Sekundärkanälen identifizierten Abfälle. Diese Diskrepanz zeigt, dass die Abfallmenge der ersten Generation von Fast-Fashion-Marken in den untersuchten Second-Hand-Kanälen zwölfmal so hoch ist wie die der Ultra-Fast-Fashion-Konkurrenz. Das heißt: Obwohl chinesische Ultra-Fast-Fashion-Marken diesen Erneuerungszyklus der Kollektionen mittels Algorithmen und digitaler Lieferketten auf 10 bis 20 Tage verkürzt haben, belegt die Studie, dass gerade die von den etablierten Marktführern produzierten Mengen die Hauptmasse der unbrauchbaren Abfälle bilden.
Dieses statistische Bild stellt die gegenwärtigen regulatorischen und gesellschaftlichen Schwerpunkte infrage. Ein Anti-Fast-Fashion-Gesetz wird seit Herbst 2025 aufgrund von Diskussionen über die Vereinbarkeit mit EU-Vorgaben im Gemeinsamen Ausschuss geprüft. Das EU-Verbot zur Vernichtung unverkaufter Kleidung, das am 19. Juli 2026 in Kraft tritt, soll große Unternehmen dazu verpflichten, nachhaltige Lösungen wie Recycling oder Wiederverwendung zu finden, statt Ware zu verbrennen oder zu deponieren. Der italienische Senat hat einen Gesetzentwurf zur Einführung einer Gebühr von zwei Euro auf Pakete im Wert von unter 150 Euro von außerhalb der EU verabschiedet, der auf Shein und Temu abzielt. Interessenvertretungen argumentieren jedoch, dass der politische Fokus, der sich ausschließlich auf die neuesten Online-Akteure richtet, ein Ablenkungsmanöver von dem weit größeren Problem der Überproduktion im gesamten Sektor darstellt. Sie betonen, dass die künstliche Trennung zwischen traditioneller Fast Fashion und Ultra-Fast Fashion nicht ausreicht, um die Krise effektiv zu bewältigen, und dass die Konzentration auf neue Akteure den wesentlich größeren Beitrag der etablierten Riesen zum Müllproblem übersehen könnte.
Umweltschützer betonen die dringende Notwendigkeit einer umfassenden Regulierung für das gesamte Branchensegment, um die anhaltenden ökologischen und sozialen Auswirkungen einzudämmen. Die Modeindustrie ist insgesamt für 8–10 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich – mehr als der Luft- und Schiffsverkehr zusammen. Dies unterstreicht, dass für eine echte Kreislaufwirtschaft und die Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks ein ganzheitlicher Ansatz erforderlich ist, der die gesamte Produktionskette einbezieht und nicht nur deren neueste Glieder.
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Quellen
Ouest France
Reporterre
Zero Waste France
Public Sénat
Carenews
Fairtrade.net
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