Ernteameise klont fremde Spezies zur Sicherung des Arbeiterkaders
Bearbeitet von: Katia Cherviakova
Eine wissenschaftliche Untersuchung, deren Ergebnisse Ende 2025 im Fachjournal Nature veröffentlicht wurden, erregt im Februar 2026 weiterhin Aufmerksamkeit in der zoologischen Forschung. Die Studie befasste sich mit der Ernteameisenart Messor ibericus, die hauptsächlich auf der Iberischen Halbinsel und im Mittelmeerraum verbreitet ist. Die Kolonien dieser Art nutzen ein komplexes Reproduktionssystem: Königinnen kopulieren mit Männchen der verwandten Art Messor structor, um sterile Hybridarbeiterinnen zu zeugen, die für den täglichen Betrieb der Kolonie notwendig sind.
Die Forschung unter der Leitung des Biologen Jonathan Romiguier von der Universität Montpellier deckte einen Mechanismus auf, der etablierte Paradigmen der Speziesdefinition herausfordert. Die Messor ibericus-Königin nutzt nicht nur das genetische Material von Messor structor, sondern ist auch in der Lage, dieses Material durch ihre eigenen Eier zu klonen. Wissenschaftler prägten für diesen Vorgang den Begriff „Xenoparie“, abgeleitet vom Griechischen für „fremde Geburt“, was den ersten dokumentierten Fall dieser Art im Tierreich darstellt.
Dieser Mechanismus ermöglicht es der Königin, Männchen zu produzieren, die genetische Kopien von Messor structor sind – also Klone –, ohne eine direkte Paarung mit diesen Individuen. Es wird gespeichertes Sperma der Messor structor-Art als genetische Vorlage verwendet. Dieses Vorgehen ist entscheidend für das Gedeihen der M. ibericus-Kolonien in Regionen, die weit von M. structor-Populationen entfernt liegen, und stellt das Axiom in Frage, dass eine Spezies ausschließlich Nachkommen ihrer eigenen Abstammungslinie hervorbringt.
Die fünf Jahre dauernde Analyse, die die Sequenzierung von nahezu 400 Individuen umfasste, zeigte signifikante Unterschiede zwischen den Genomen der geklonten M. structor-Männchen und den M. ibericus-Männchen. Diese Unterschiede entsprechen jenen zwischen Spezies, die sich vor über fünf Millionen Jahren getrennt haben. Morphologisch sind die M. structor-Klone nahezu unbehaart, während M. ibericus-Männchen typischerweise dicht behaart sind.
Dieses evolutionäre Phänomen, das als „sexuelle Domestizierung“ und obligatorisches interspezifisches Klonen beschrieben wird, sichert der M. ibericus-Spezies eine bemerkenswerte Flexibilität und Expansion im Mittelmeerraum, da sie nicht mehr geografisch an die Vorkommen von M. structor gebunden ist. Es handelt sich um den ersten Nachweis, dass eine weibliche Spezies das Klonen von Mitgliedern einer anderen Spezies als integralen Bestandteil ihres Lebenszyklus nutzt, was weitreichende Implikationen für die Evolutionsbiologie hat.
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Quellen
MARCA
SSBCrack News
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