Inkrafttreten des BBNJ‑Abkommens — Rede des Generalsekretärs der Vereinten Nationen
Ocean Equity Index: Ein neuer Standard für die globale Blue Economy
Bearbeitet von: Inna Horoshkina One
In der komplexen Welt der globalen Meeresgovernance wurde ein wegweisendes neues Instrument eingeführt: der Ocean Equity Index (OEI). Dieser innovative Rahmen zielt darauf ab, den oft abstrakten Begriff der „Gerechtigkeit“ in greifbare und überprüfbare Kriterien zu übersetzen. Anstatt sich auf vage Deklarationen zu verlassen, bietet der OEI eine Struktur, um kritische Fragen zu beantworten: Wer ist an den Entscheidungsprozessen beteiligt? Wer profitiert von den maritimen Ressourcen, und wer trägt die Lasten ökologischer Schäden? Dabei stehen Transparenz und die Rechenschaftspflicht der Akteure im Vordergrund.
Die offizielle Vorstellung des OEI erfolgte am 28. Januar 2026 in der renommierten Fachzeitschrift Nature. Hinter dem Projekt steht ein internationales Team von Wissenschaftlern unter der Leitung von Jessica Blythe, außerordentliche Professorin am Environmental Sustainability Research Centre der Brock University in Kanada. Die Entwicklung des Index basiert auf der Erkenntnis, dass die Vorteile der Meeresnutzung häufig bei globalen Playern konzentriert sind, während die negativen Auswirkungen von Umweltverschmutzung und Klimawandel unverhältnismäßig stark auf Küstengemeinden, indigene Völker und handwerkliche Fischer zurückfallen.
Der OEI bietet eine methodische Lösung, um diese strukturellen Ungleichgewichte sichtbar zu machen, noch bevor sie sich als fester Bestandteil von Großprojekten etablieren können. Das Timing für die Einführung dieses Werkzeugs könnte kaum relevanter sein, da sich die internationale Rechtslage für die Weltmeere gerade grundlegend wandelt. Ein entscheidender Meilenstein war hierbei das Inkrafttreten des BBNJ-Abkommens (High Seas Treaty) am 17. Januar 2026.
Dieses rechtlich bindende Abkommen befasst sich mit der Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt in Gebieten außerhalb nationaler Hoheitsgewalt. Da dieses Abkommen nun in Kraft ist, erhält etwa die Hälfte der gesamten Meeresfläche der Erde einen völlig neuen Managementrahmen. In diesem Kontext wird die Frage nach der Verteilungsgerechtigkeit und den Rechten lokaler Akteure von einer Randnotiz zu einer zentralen Säule der internationalen Politik.
Technisch gesehen basiert der Ocean Equity Index auf zwölf detaillierten Kriterien. Diese decken ein breites Spektrum ab, das von rechtlichen Ansprüchen und aktiver Teilhabe bis hin zur Rechenschaftspflicht und der fairen Verteilung von Gewinnen und Lasten reicht. Jedes dieser Kriterien wird auf einer Skala von 0 bis 3 bewertet, was zu einer maximalen Gesamtpunktzahl von 36 führt. Diese Struktur erlaubt es, komplexe soziale Dynamiken in ein Format zu bringen, das für Verhandlungen und Projektbewertungen direkt nutzbar ist.
Die Entwickler legten großen Wert darauf, dass die Methodik zwar wissenschaftlich fundiert, aber dennoch praxisnah bleibt. Das Werkzeug wird in Form einer einfachen Excel-Tabelle bereitgestellt, die keine spezialisierte Software oder langwierige Schulungen erfordert. Ein wesentlicher Vorteil ist zudem die Möglichkeit der Offline-Nutzung, was besonders für Akteure in entlegenen Regionen oder auf See von unschätzbarem Wert ist. Der OEI ist somit als Instrument für eine effiziente „Schnellbewertung“ konzipiert.
Die Anwendungsmöglichkeiten des Index sind weitreichend und betreffen verschiedene Sektoren der maritimen Wirtschaft und Politik:
- Bei der Planung kommerzieller Projekte im Meer und der damit verbundenen Investitionsprüfung.
- Im Rahmen der Mittelbeschaffung, um den steigenden Anforderungen von Geldgebern an soziale Nachhaltigkeit gerecht zu werden.
- In der staatlichen Verwaltung zur Evaluierung der tatsächlichen Wirksamkeit politischer Strategien.
- In der Interessenvertretung indigener Völker und lokaler Gemeinschaften, um Projekte objektiv zu bewerten und Rechenschaft einzufordern.
Ein wesentliches Merkmal des OEI ist seine konstruktive Ausrichtung. Er fungiert nicht als bloßes Richterinstrument, sondern dient primär dazu, Defizite und Lücken aufzuzeigen. Er macht deutlich, wo Rechte ignoriert werden, wo Partizipation nur oberflächlich stattfindet oder wo wirtschaftliche Gewinne privatisiert werden, während die ökologischen und sozialen Kosten der Allgemeinheit aufgebürdet werden.
Durch diese Transparenz schafft der Index eine fundierte Grundlage für kontinuierliche Zyklen aus Überwachung, Bewertung und Anpassung. Ohne solche präzisen Messinstrumente besteht die Gefahr, dass der Begriff der „Blue Economy“ zu einer leeren Worthülse verkommt, die lediglich bestehende Machtstrukturen unter einem ökologischen Deckmantel festschreibt. Der OEI stellt sicher, dass soziale Gerechtigkeit ein integraler Bestandteil der wirtschaftlichen Entwicklung bleibt.
Letztlich erinnert uns der Ocean Equity Index an eine fundamentale Wahrheit: Echte ökologische Nachhaltigkeit ist ohne soziale Fairness nicht denkbar. Wenn die Weltgemeinschaft das Ziel verfolgt, bis zum Jahr 2030 einen gesunden und geschützten Ozean zu hinterlassen, darf sich der Erfolg nicht nur in geschützten Quadratkilometern messen lassen. Es muss ebenso um die Qualität der menschlichen Teilhabe und die Integrität der Rechte aller Beteiligten gehen.
Mit dem OEI steht nun ein Standard zur Verfügung, der genau diese Dimensionen messbar macht. Er ist ein Aufruf dazu, die Zukunft unserer Ozeane nicht nur effizient, sondern vor allem gerecht zu gestalten, damit die „blaue Wirtschaft“ tatsächlich allen zugutekommt und nicht nur denjenigen, die bereits über die größten Ressourcen verfügen.
Quellen
Nature
Nature
Nature
生物分子凝聚种子的预组装驱动RSV复制—小柯机器人—科学网
Pre-assembly of biomolecular condensate seeds drives RSV replication - ResearchGate
Respiratory Syncytial Virus-Associated Respiratory Diseases in Children and Adults - PubMed
Role of the M2-1 Transcription Antitermination Protein of Respiratory Syncytial Virus in Sequential Transcription - PubMed
CNRS
Brock University
Brock University
United Nations
Carbon Brief
Met Office
Xinhua
ResearchGate
MPG.PuRe
