Geopolitischer Gezeitenwechsel: US-Eisbrecherkrise trifft auf Chinas antarktische Ambitionen

Bearbeitet von: Uliana S.

Der chinesische Eisbrecher «Сюэлун» steuert zum Hafen Литтелтон in Новой Зеландии, nachdem er 1.400 Tonnen Fracht an станция Циньлин in Антарктиde entladen hat.

Die Vereinigten Staaten von Amerika stehen in der Antarktis vor einer logistischen Zerreißprobe. Grund dafür ist das bevorstehende Ende des Chartervertrags für den RVIB Nathaniel B. Palmer, den einzigen spezialisierten Forschungseisbrecher des Landes, zum Abschluss des Geschäftsjahres 2026. Das im Jahr 1992 konstruierte Schiff, das in der Lage ist, eine Eisdicke von bis zu drei Fuß bei einer konstanten Geschwindigkeit von drei Knoten zu durchbrechen, stellt eine unverzichtbare Ressource dar. Sein Wegfall fällt fatalerweise mit Budgetkürzungen der National Science Foundation (NSF) für polare Programme zusammen, was die operativen Möglichkeiten in der Region, die durch den Antarktisvertrag vom 1. Dezember 1959 geschützt ist, massiv einschränkt.

Die Last der Versorgung der McMurdo-Station im Januar 2026 verbleibt damit fast ausschließlich bei der USCGC Polar Star. Dieser Eisbrecher wurde bereits 1976 in Dienst gestellt und ist das einzige verbliebene, voll funktionsfähige Schiff unter den zwei veralteten schweren Eisbrechern der US-Flotte. Diese Kapazitätslücke alarmiert die Fachwelt: Am 28. Juli richteten mehr als 170 Wissenschaftler einen eindringlichen Appell an die NSF-Führung und den US-Kongress. Sie fordern eine Revision der Entscheidung, da die Palmer eine fundamentale Rolle bei der Erhebung von Daten zum globalen Klima, zu ozeanischen Strömungen und zur Schmelzrate von Gletschern – insbesondere des kritischen Thwaites-Gletschers – spielt.

Während die USA durch interne Sparzwänge gelähmt wirken, treibt die Volksrepublik China ihre wissenschaftliche und infrastrukturelle Präsenz auf dem südlichen Kontinent systematisch voran. Peking hat mit der Station „Qinling“ im Gebiet des Rossmeeres bereits seinen fünften Stützpunkt eröffnet. Die Bauarbeiten begannen 2018 und wurden im Februar 2024 finalisiert. Mit einer Fläche von 5.200 Quadratmetern bietet die Anlage Platz für 80 Personen im Sommer und 30 im Winter. Darüber hinaus plant China bereits für das Jahr 2027 die Eröffnung einer sechsten permanenten Forschungsstation im Marie-Byrd-Land. Westliche Beobachter, darunter Experten aus Großbritannien, werten diese Expansion und den Bau potenzieller Hafenanlagen als geostrategische Manöver, die weit über die reine Wissenschaft hinausgehen.

Diese Machtverschiebung gewinnt vor allem mit Blick auf das Jahr 2048 an Brisanz, wenn das aktuelle Moratorium für den Abbau von Bodenschätzen in der Antarktis neu verhandelt werden könnte. Um ihren Einfluss zu sichen, planen die USA zwar die Entwicklung eines neuen Hochtechnologieschiffes, doch der Zeitraum für Design und Bau wird auf vier bis zehn Jahre geschätzt. Dies hinterlässt bis zum Ende des Jahrzehnts ein gefährliches operatives Vakuum. Ähnliche Tendenzen zeigen sich bereits in der Arktis: Nachdem China im Jahr 2025 verstärkt Forschungsschiffe in US-nahe Gewässer entsandte, reagierte die US-Küstenwache mit der Indienststellung der USCGC Storis – dem ersten Polareisbrecher seit 25 Jahren. Die dringend benötigten Schiffe der Polar Security Cutter-Klasse werden jedoch nicht vor 2030 erwartet.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der durch Budgetkürzungen der NSF forcierte Rückzug der USA aus der Antarktis zeitlich mit einer aggressiven Infrastrukturoffensive ihrer globalen Konkurrenten zusammenfällt. Das wachsende Defizit bei der Eisbrecher-Verfügbarkeit wird somit zu einem direkten Gradmesser für die Neuverteilung des geopolitischen Gewichts in den südlichen Polarregionen. In einem Umfeld, in dem Russland und China bereits über modernisierte Flotten verfügen, kämpfen die USA nun darum, den Anschluss nicht zu verlieren und ihre strategische Parität in dieser sensiblen Weltregion wiederherzustellen.

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Quellen

  • tportal.hr

  • Sky News

  • Zócalo Saltillo

  • El Vacanudo.cl, Noticias de Osorno y Los Lagos

  • El Mercurio de Santiago

  • Libertatea

  • Confirmado.net

  • Environmental Health News

  • USNI News

  • The New York Times

  • The Daily Climate

  • British Antarctic Survey

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  • CSIS

  • The Daily Climate

  • World Politics Review

  • Southern Winds

  • HELLO! Magazine

  • La Prensa Austral

  • CNN Chile

  • El Magallánico

  • pnt.cl

  • La Opinión Austral

  • El Rancahuaso.cl, Noticias de Rancagua y O'Higgins

  • ELPINGUINO.COM

  • MercoPress

  • Polar Journal

  • Cooperativa

  • EMOL

  • ELPINGUINO.COM

  • La Prensa Austral

  • EFE

  • High North News

  • Sky News

  • U.S. Naval Institute

  • WION

  • Congress.gov

  • Foreign Ministry Spokesperson Mao Ning's Regular Press Conference on January 15, 2026

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