Zehn Monate Dauerflug: Neue Erkenntnisse zur Luftakrobatik des Mauerseglers
Bearbeitet von: Olga Samsonova
Eine bahnbrechende wissenschaftliche Untersuchung hat die erstaunliche Ausdauer des Mauerseglers (*Apus apus*) eindrucksvoll bestätigt: Diese Vogelart kann bemerkenswerte zehn Monate lang ununterbrochen in der Luft verbringen. Federführend bei dieser Entdeckung war eine Forschergruppe um Professor Anders Hedenström von der Universität Lund in Schweden. Die Resultate dieser Studie, die 2016 im Fachjournal Current Biology veröffentlicht wurden, beleuchten die einzigartigen evolutionären Anpassungen, die dem Mauersegler ein nahezu vollständig aërisches Leben ermöglichen.
Die Wissenschaftler verfolgten die Flugmuster von dreizehn Mauerseglern mithilfe winziger, hochmoderner Datenlogger. Diese Geräte waren mit Beschleunigungsmessern ausgestattet, um die Aktivität zu protokollieren, sowie mit Lichtsensoren zur Positionsbestimmung. Die daraus resultierende Datenanalyse offenbarte, dass diese Vögel außerhalb der Brutzeit über 99,5 Prozent ihrer Existenz in der Luft verbringen. Sie ernähren sich von Insekten, die sie im Flug erbeuten, und es wird angenommen, dass sie selbst während ausgedehnter Wanderungen von Nordeuropa nach Zentralafrika im Flug ruhen. Lediglich etwa zwei Monate im Jahr verbringen die Segler an Land, um in den nördlichen Regionen ihre Nester zu bauen und die Brutpflege zu übernehmen.
Die verhältnismäßig kurzen Beine des Mauerseglers machen ihn anfällig für Bodenprädatoren, was die Notwendigkeit des ständigen Aufenthalts im Luftraum vermutlich noch verstärkt. Ein zentrales Rätsel für die Forscher ist die genaue Funktionsweise des Schlafmechanismus während des Fluges. Physiologisch gesehen verfügen Mauersegler über bemerkenswerte Fähigkeiten: Sie können bei Kälte oder Nahrungsmangel in einen Zustand der Torpor verfallen, der einer Art Koma ähnelt. Dieser Zustand senkt den Stoffwechsel drastisch. Erwachsene Vögel können diesen Zustand bis zu zwei Tage aufrechterhalten, während Jungvögel dies sogar bis zu fünf Tage lang vermögen.
Der Mauersegler zählt zu den schnellsten Fliegern Europas. In Gruppenformationen über ihrem Revier erreichen die Kolonien im Sturzflug Geschwindigkeiten von bis zu 220 Kilometern pro Stunde. Nur der Alpensegler (*Apus melba*) mit 250 km/h und der Baumfalke (*Falco subbuteo*) mit 240 km/h, der auch ein natürlicher Lufträuber für Segler ist, können im Sturzflug höhere Geschwindigkeiten erzielen. Jungvögel, die Ende Juli das Nest verlassen, zeigen Flugfertigkeiten, die denen der Altvögel ebenbürtig sind, und kehren danach nie wieder zum Nistplatz zurück – ein beeindruckender Start ins Leben.
Diese Forschungsergebnisse bestätigen eine bereits in den 1970er Jahren von dem walisischen Ornithologen Ronald Lockley aufgestellte Hypothese. Mauersegler zeigen eine hohe Treue zu ihren Brutplätzen und kehren um den 1. Mai herum in Mitteleuropa stets in dieselbe Kolonie zurück. Oftmals bleiben die Brutpaare über viele Jahre hinweg zusammen. Während der Brutzeit, wenn die Paare mit dem Bebrüten ihrer zwei bis drei Eier und der anschließenden Fütterung der Küken beschäftigt sind, fliegen sie bis zur völligen Dunkelheit. Diese Beobachtungen unterstreichen, dass der Flug für den Mauersegler die absolute Lebensgrundlage darstellt. Diese Existenz erfordert eine extrem hohe metabolische Effizienz, die unter anderem durch ein leistungsstarkes Vierkammerherz und eine doppelte Atmung gewährleistet wird.
Quellen
detikedu
science.org
Prensa Mercosur - Imprensa Mercosul El diario online del MERCOSUR
Audubon
BBC Science Focus Magazine
Animals | HowStuffWorks
Guinness World Records
PubMed
Dr Steve Portugal, The University of Oxford
Publications | Dr Steve Portugal, The University of Oxford
January | 2025 | Dr Steve Portugal, The University of Oxford
October | 2025 | Dr Steve Portugal, The University of Oxford
Projected Spatial-Temporal Habitat Patterns of the Lady Amherst's Pheasant (Chrysolophus amherstiae) Under Climate and Land Use Change - PubMed
Infobae
Vienna BioCenter
EL PAÍS
Scientific Inquirer
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