Wissenschaftliche Quantifizierung tierischer Freude: Von Kea-Papageien bis zu Delfinen
Bearbeitet von: Olga Samsonova
Die wissenschaftliche Forschung vollzieht eine signifikante Verschiebung hin zur objektiven Messung positiver Affekte bei Tieren, wodurch frühere Bedenken hinsichtlich einer bloßen Vermenschlichung, dem Anthropomorphismus, adressiert werden sollen. Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, das intern als „Joy-o-meter“ bezeichnet wird, arbeitet daran, messbare Indikatoren für intensive Freude über verschiedene Spezies hinweg zu etablieren. Diese Entwicklung markiert einen Paradigmenwechsel im Tierschutz, der sich von der reinen Vermeidung negativer Erfahrungen hin zur aktiven Förderung positiver Zustände verlagert, ein Diskurs, der auch in der Humanforschung geführt wird.
Diese Forschung erstreckt sich auf Meeressäuger wie Delfine und baut auf früheren Ergebnissen mit Menschenaffen und Papageien auf, um objektive Marker für Wohlbefinden zu definieren. Ein besonderer Fokus liegt auf dem intelligenten neuseeländischen Kea-Papagei, der für sein spielerisches Verhalten bekannt ist, selbst wenn keine unmittelbare Notwendigkeit besteht. Forscher, darunter die Verhaltensbiologin Ximena Nelson von der University of Canterbury in Christchurch, untersuchen physiologische Parameter wie Körpertemperatur und Hormonspiegel sowie spezifische Lautäußerungen, um echtes Glück von Stresszuständen abzugrenzen. Die Keas, die in den alpinen Regionen Neuseelands beheimatet sind, sind die einzige Papageienart mit diesem Lebensraum und zeigen durch ihr Spielverhalten, wie das Bauen von Schneebällen, eine Vorliebe für bestimmte Umweltbedingungen, was die Komplexität ihrer kognitiven und emotionalen Welt unterstreicht.
Im Falle der Keas haben Studien bereits gezeigt, dass bestimmte vokale Äußerungen, die als ansteckende „Warble Calls“ (Trillerrufe) bezeichnet werden, eine spielerische Reaktion bei Artgenossen auslösen können, die mit einer Art „Tap-Dancing“ beschrieben wird. Forscher, zu denen auch der Zoologe Alex Grabham zählt, nutzen diese Rufe als leicht auslösbare Freude-Trigger für Experimente mit Kea-Gruppen, die teilweise im Willowbank Wildlife Reserve in Christchurch durchgeführt werden. Zur objektiven Validierung dieser emotionalen Zustände werden physiologische Proben herangezogen, um Freude von Stress zu unterscheiden. Ähnlich wie bei Säugetieren, wo oft die Messung von Stresshormonen wie Cortisol zur Feststellung von Leiden dient, wird auch bei Delfinen die Hormonanalyse angewandt, wobei für Studien zur Delfintherapie harmlose Speichelproben bevorzugt werden, um Stress zu vermeiden.
Bei Delfinen selbst deuten Beobachtungen darauf hin, dass sie bei Fang oder Erwartung einer Belohnung quietschen und knattern, was Forscher der National Marine Mammal Foundation in San Diego als „Siegesquietscher“ bezeichneten und mit der Dopamin-Ausschüttung im Belohnungssystem in Verbindung bringen. Das übergeordnete Ziel dieser Forschung, die auch von Organisationen wie der Templeton Foundation mit Mitteln unterstützt wird, ist die Entwicklung eines differenzierten Verständnisses tierischer Glückseligkeit. Die frühere Ablehnung der Emotionsforschung bei Tieren, die bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts andauerte, da Gefühle als nicht quantifizierbar galten, weicht nun der Anerkennung, dass Tiere ein breites Spektrum an Gefühlen besitzen, was auch von Forschern wie Dr. Marcela Benítez von der Emory University bestätigt wird. Die Fähigkeit, positive Zustände wie Freude zu messen, stellt einen Fortschritt dar, der über die traditionelle Fokussierung auf die Vermeidung von Schmerz und Leid hinausgeht. Die wissenschaftliche Gemeinschaft sieht in der Kombination von Verhaltensbeobachtung, wie spielerischen Lautäußerungen, und physiologischen Korrelaten den Schlüssel zur Entschlüsselung des inneren Erlebens von Tieren.
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Quellen
VICE
Science News
VICE
Uniavisen
Science News
John Templeton Foundation
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