Orca Wikie demonstriert vokales Lernvermögen durch Nachahmung menschlicher Sprache

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2018, bei der der Orca Wikie menschliche Äußerungen wie „Hallo“ imitierte, erfährt im Jahr 2026 erneute öffentliche Beachtung. Die Forschungsergebnisse belegen die bemerkenswerte kognitive Anpassungsfähigkeit und das Potenzial zum vokalen Lernen innerhalb der Spezies der Schwertwale. Ein internationales Forscherteam, dem Wissenschaftler der University of St Andrews angehörten, untersuchte die Grenzen der Fähigkeit von Orcas zur Nachahmung von Lauten außerhalb ihres natürlichen akustischen Spektrums.

Die Studie, veröffentlicht im Fachjournal Proceedings of the Royal Society B, lieferte schlüssige Beweise für diese Fähigkeit. Die untersuchte Orca-Dame Wikie lebte zum Zeitpunkt der ursprünglichen Untersuchung im Marineland Aquarium in Antibes, Frankreich, und war 14 Jahre alt. Mithilfe eines „Do-as-I-do“-Paradigmas, bei dem Tiere aufgefordert werden, eine Handlung nach einem spezifischen Signal zu imitieren, konnte Wikie trainiert werden, neue Vokalisationen zu reproduzieren. Neben menschlichen Wörtern wie „Hallo“ und „Tschüss“ war sie in der Lage, auch Geräusche wie ein „Furzgeräusch“ oder das Quietschen einer Tür nachzuahmen, indem sie Luft durch ihr Blasloch ausstieß.

Professor Josep Call von der School of Psychology and Neuroscience an der University of St Andrews hob hervor, dass die Fähigkeit, neue, unbekannte Laute zu imitieren, die nicht zum Repertoire eines Orcas gehören, ein überzeugender Nachweis für diese Flexibilität sei. Die vokale Produktionslernfähigkeit ist ein zentrales Merkmal der menschlichen Sprache, jedoch bei Säugetieren äußerst selten. Orcas gehören zu den wenigen Säugetiergruppen, die diese Fähigkeit entwickelt haben, was auf eine hohe neuronale Plastizität hindeutet. Die Tatsache, dass Wikie Wörter wie „Amy“ und „eins, zwei, drei“ wiedergab, oft schon beim ersten Versuch, untermauert die These, dass Schwertwale neue Geräusche durch Imitation erlernen können.

Eine wesentliche Implikation dieser Forschung betrifft die Erklärung für die Existenz von Dialekten in wilden Orca-Populationen. Orcas in freier Wildbahn entwickeln spezifische Rufe für ihre jeweiligen Schulen (Pods) und passen diese an neue Gefährten an. Die erfolgreiche Nachahmung menschlicher Laute durch Wikie stützt die Hypothese, dass vokale Imitation die Grundlage für die Entwicklung dieser unterschiedlichen „Dialekte“ in der Natur bildet. Die Forscher stellten jedoch fest, dass es keine Belege dafür gibt, dass Wikie die Bedeutung der nachgeahmten Wörter verstand.

Die Forschung erweitert das Verständnis der vokalen Fähigkeiten von Walen und zeigt, dass sie Laute mit bemerkenswerter Genauigkeit reproduzieren können, trotz anatomischer Unterschiede zu Menschen. Orcas sind generell bekannt dafür, Bewegungen anderer Artgenossen zu kopieren und Laute von Großen Tümmlern oder Seelöwen nachzuahmen. Die Fähigkeit zur Imitation impliziert laut Kognitionsforschern ein gewisses Maß an Bewusstsein, da eine Nachahmung den Vergleich des eigenen Tuns mit dem eines anderen erfordert. Zukünftige Forschung, etwa durch die Nutzung von Hydrophon-Arrays zur Lokalisierung von Vokalisationen in freier Wildbahn, soll tiefere Einblicke in die komplexe Kommunikation der Schwertwale liefern.

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Quellen

  • Noticias de Venezuela y el Mundo - Caraota Digital

  • Current time information in Fife, GB

  • The Washington Post

  • Live Science

  • LA NACION

  • PubMed

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