Delfinrudel schirmt Schwimmer in Neuseeland vor Weißem Hai ab

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Im Oktober 2004 ereignete sich vor Ocean Beach in Neuseeland ein bemerkenswertes Beispiel interspezifischer Kooperation, als eine Gruppe Großer Tümmler menschliche Schwimmer aktiv vor einem Weißen Hai abschirmte. Der Vorfall liefert Forschern Einblicke in die komplexen sozialen Strukturen und Schutzinstinkte dieser Meeressäuger, ein Thema, das unter anderem von der neuseeländischen Meeresbiologin Dr. Ingrid Visser untersucht wird.

Der Rettungsschwimmer Rob Howes befand sich zusammen mit seiner 15-jährigen Tochter und zwei weiteren Begleitern nahe Whangārei im Wasser, als das Delfinrudel plötzlich erschien und die Gruppe umschloss. Die Delfine formierten einen dichten Schutzwall, nachdem ein etwa drei Meter langer Weißer Hai in unmittelbare Nähe gesichtet wurde. Howes berichtete, den Hai im klaren Wasser nur zwei Meter entfernt wahrgenommen zu haben. Dieses aktive Eingreifen zum Schutz anderer wird von Wissenschaftlern als Beleg für ein hohes Maß an Empathie und komplexem Sozialverhalten bei Delfinen gewertet, das mit dem des Menschen vergleichbar ist.

Die Meeressäuger hielten die Schutzbarriere fast 40 Minuten lang aufrecht und setzten gezielte, kraftvolle Wasserschläge ein, um den potenziellen Angreifer abzuschrecken, bis dieser schließlich die Flucht ergriff. Dank dieses entschlossenen Eingreifens konnten die Schwimmer sicher an den Strand zurückkehren. Die Tatsache, dass die lokalen Rettungsschwimmer die Delfine kannten, da sie dort regelmäßig im Sommer auftraten, unterstrich die Ungewöhnlichkeit der Situation, da die Tiere zuvor noch nie derart aufgeregt erschienen waren.

Die Thematik der Hai-Sicherheit in Neuseeland ist historisch relevant: Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1837 wurden 15 tödliche Hai-Vorfälle dokumentiert, wobei der Weiße Hai in elf dieser Fälle involviert war. Nicht-tödliche Angriffe sind mit durchschnittlich ein bis zwei Vorfällen pro Jahr in den letzten Jahren häufiger. Der Vorfall von 2004 reiht sich in die Begegnungen ein, die das Verhältnis zwischen Mensch und Großhai in diesen Gewässern beleuchten, wobei die Abwehr durch Delfine eine bemerkenswerte Ausnahme darstellt.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Delfinen, wie sie von Dr. Ingrid Visser, der Gründerin des Orca Research Trust, vorangetrieben wird, betont die hohe Intelligenz und die Fähigkeit zur Kulturübertragung der Spezies. Vissers Forschung trug maßgeblich zur Einstufung der neuseeländischen Orca-Population als „national gefährdet“ im Jahr 2002 bei. Die komplexe Sozialstruktur männlicher Delfine, die lose Allianzen bilden, unterstreicht die Ähnlichkeit zu menschlichen sozialen Systemen. Die im Falle von Ocean Beach gezeigte Kooperation und der Schutz von Nicht-Artgenossen demonstriert eine bemerkenswerte Flexibilität im sozialen Verhalten, die über rein artspezifische Notwendigkeiten hinausgeht.

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Quellen

  • cafef.vn

  • Reddit

  • The Times of India

  • Al Jazeera

  • Reddit

  • The HotJem

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