EZB schließt technische Vorbereitung für digitalen Euro ab; Fokus liegt auf politischer Autorisierung
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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Ende 2025 die technischen und vorbereitenden Arbeiten für die Einführung einer potenziellen digitalen Zentralbankwährung (CBDC), des digitalen Euro, weitgehend abgeschlossen. Dieser Abschluss markiert einen wesentlichen Meilenstein, da das Projekt nun in die entscheidende Phase der politischen Legitimation übergeht. EZB-Präsidentin Christine Lagarde bestätigte nach der abschließenden Pressekonferenz des Jahres am 18. Dezember 2025, dass die Aufmerksamkeit nun auf den Europäischen Rat und das Europäische Parlament gerichtet sei, um die notwendigen legislativen Aspekte zu klären.
Die EZB rechnet damit, dass die erforderlichen EU-Gesetze zur Verankerung des digitalen Euro bis zum zweiten Quartal 2026 beschlossen werden könnten, wobei die Bundesbank auf einen zügigen Abschluss des politischen Prozesses noch im Jahr 2026 hofft. Die Konzeption des digitalen Euros sieht vor, der Gemeinschaftswährung einen stabilen Anker im digitalen Zeitalter zu sichern und die strategische Autonomie Europas zu stärken. Dieses allgemein nutzbare, öffentliche Zahlungsmittel soll das Bargeld ergänzen, nicht ersetzen, und die Abhängigkeit von außereuropäischen Zahlungssystemen wie Visa oder Mastercard mindern. Ziel ist es, die Vorteile des Bargeldes – Einfachheit, Zuverlässigkeit und Privatsphäre – in den digitalen Raum zu übertragen, einschließlich der Fähigkeit zur Offline-Funktion.
Die Verlagerung des Fokus auf die Politik ist unabdingbar, da die EZB eine rechtliche Grundlage für die Fortsetzung der nächsten Phase benötigt. Obwohl die Europäische Kommission ihren Gesetzesvorschlag bereits im Juni 2023 vorgelegt hat, stehen die Verhandlungen zwischen Rat und Parlament noch aus. Sollte die Verordnung zur Einführung des digitalen Euro im Laufe des Jahres 2026 in Kraft treten, könnte ab Mitte 2027 ein Pilotprojekt mit Marktteilnehmern wie Zahlungsdienstleistern und Händlern beginnen. Das Eurosystem plant, für eine mögliche Erstausgabe des digitalen Euro im Jahr 2029 bereit zu sein, wobei die geschätzten Kosten für das Eurosystem bis dahin rund 1,3 Milliarden Euro betragen.
Die geopolitische Dimension des Vorhabens wird durch die Entwicklungen in den Vereinigten Staaten unterstrichen. Während Europa die CBDC vorantreibt, untersagte US-Präsident Donald Trump mit einer Executive Order vom 23. Januar 2025 Bundesbehörden explizit die Etablierung, Ausgabe oder Förderung von CBDCs, was die US-Entwicklung stoppte. Gleichzeitig förderte die Trump-Administration private Stablecoins, was durch die Verabschiedung des GENIUS Act im Juli 2025 mit strengen Reservestandards untermauert wurde. Diese divergierende US-Politik verstärkt die europäische Sorge um die Wahrung der monetären Souveränität.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) mahnt zur Vorsicht im Umgang mit privaten digitalen Währungen und warnte, dass die zunehmende Verbreitung von Stablecoins, insbesondere an den US-Dollar gekoppelte, Risiken für die inländische Geldpolitik und die Finanzstabilität bergen könne, da sie zu einer Währungssubstitution führen könnten. Die EZB teilt diese Besorgnis, da ein starker Mittelabfluss von Giralgeld in den digitalen Euro die Kreditvergabe der Geschäftsbanken negativ beeinflussen könnte, weshalb ein Haltelimit für Wallets diskutiert wird. Die strategische Bedeutung des digitalen Euros wurde bereits Anfang 2025 durch das ehemalige EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone betont, der die Notwendigkeit einer digitalen Währung als Reaktion auf die sich ändernde Regulierung von Stablecoins in den USA hervorhob.
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Quellen
Decrypt
European Central Bank
Reuters
Atlantic Council
CNBC
International Monetary Fund
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