Wohlbefinden als kognitive Grundlage: Neuausrichtung der Bildung notwendig
Bearbeitet von: Olga Samsonova
Angesichts prognostizierter steigender psychischer Belastungen bei Schülern bis zum Jahr 2026 wird eine strategische Neuausrichtung im Bildungswesen als unumgänglich erachtet. Leistungszentrierte Modelle und die permanente digitale Erreichbarkeit verstärken diesen Trend, was die Priorisierung des Schülerwohlbefindens als notwendige kognitive Infrastruktur für tiefgehendes und nachhaltiges Lernen erfordert. Psychische Herausforderungen wie chronischer Stress und Angstzustände betreffen Lernende auf allen Bildungsebenen und zwingen Einrichtungen zur Erweiterung ihrer Unterstützungsangebote.
Internationale Organisationen, darunter die UNESCO, betonen explizit, dass die psychologische Verfassung eine grundlegende Voraussetzung für Lernerfolg darstellt und nicht als nachrangiger Faktor behandelt werden darf. Diese Perspektive spiegelt sich auch im OECD Lernkompass 2030 wider, der vorschlägt, das studentische Wohlbefinden in den Mittelpunkt der Bildung zu stellen und die Erfolgsmessung über reine Leistungsindikatoren hinaus zu erweitern. Chronischer Stress wirkt sich nachweislich negativ auf zentrale kognitive Prozesse wie das Arbeitsgedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit aus und mindert dadurch die langfristige Lernkapazität.
Studien belegen, dass andauernder Stress neuronale Verbindungen schwächen und Hirnstrukturen schädigen kann, was die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt. Im Gegensatz dazu zeigen Forschungsergebnisse, dass die Implementierung von Kompetenzen des Sozial-Emotionalen Lernens (SEL) die akademische Leistung sowie die sozio-emotionalen Fähigkeiten der Schüler verbessert. Eine Meta-Analyse von Joseph A. Durlak und Kollegen, welche 213 universelle SEL-Programme mit 270.034 Schülern vom Kindergarten bis zur Oberstufe untersuchte, belegte signifikante Verbesserungen in sozialen und emotionalen Kompetenzen, Einstellungen, Verhalten und akademischen Ergebnissen, was einem Leistungsgewinn von elf Prozentpunkten entsprach.
Die Integration dieser SEL-Fähigkeiten, welche emotionale Intelligenz und Verhaltensregulation umfassen, gilt als empirisch fundierter Weg zur Förderung der psychischen Gesundheit. Progressive Bildungssysteme, wie sie in den nordischen Ländern praktiziert werden, verfolgen einen Ansatz des „Whole-School Well-being“, der schulische Lehre, psychologische Betreuung und SEL-Erziehung nahtlos verknüpft. Das finnische Modell integriert das Wohlbefinden als Eckpfeiler in die täglichen Schulabläufe, anstatt es als isoliertes Zusatzprogramm zu behandeln, wobei die Lehrkräfte durch professionelle Autonomie gestärkt werden.
Die Umsetzung eines solchen umfassenden Wohlbefindensprogramms erfordert die Einbeziehung der gesamten Schulgemeinschaft – Schüler, Familien und Personal. Es ist entscheidend, dass die Schulleitung die zugrundeliegenden Prinzipien des Wohlbefindens aktiv unterstützt, um der Sichtweise entgegenzuwirken, dass Bildung ausschließlich auf Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten fokussiert ist. Die Forschung bestätigt, dass eine solche ganzheitliche Perspektive, die auch soziale und emotionale Dimensionen umfasst, die Grundlage für eine robuste Entwicklung der Lernenden im 21. Jahrhundert bildet.
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Quellen
Agenda Digitale
UNESCO
PubMed
OECD
ResearchGate
OECD
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