Studie zeigt Näheentwicklung zu KI durch Selbstoffenbarung

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Wissenschaftler der Universität Freiburg und der Universität Heidelberg haben die Dynamik emotionaler Interaktionen mit KI-Systemen untersucht und dabei bemerkenswerte Ergebnisse zur Näheentwicklung zwischen Mensch und Maschine veröffentlicht. Die Forscher, darunter Prof. Dr. Markus Heinrichs und Dr. Tobias Kleinert von der Universität Freiburg sowie Prof. Dr. Bastian Schiller von der Universität Heidelberg, publizierten ihre Befunde Anfang 2026 in der Fachzeitschrift „Communications Psychology“.

In zwei Online-Studien mit insgesamt 492 Teilnehmern wurden Chat-Konversationen zu persönlichen und emotionalen Themen simuliert, wobei die Antworten entweder von einem menschlichen Gesprächspartner oder einem KI-basierten Sprachmodell stammten. Ein zentrales Ergebnis war, dass die von der KI generierten Antworten ein vergleichbares Gefühl der Verbundenheit auslösten wie menschliche Antworten, sofern die Probanden die maschinelle Natur des Gegenübers nicht kannten. Dies deutet auf das Potenzial der KI als sozialer Akteur hin.

Besonders in emotional fokussierten Dialogen übertraf die Künstliche Intelligenz die menschlichen Gesprächspartner hinsichtlich des erzeugten Nähegefühls. Dieser Effekt wird primär darauf zurückgeführt, dass die KI eine höhere Frequenz an vermeintlich persönlichen Informationen preisgab, was in der Beziehungspychologie als erhöhte „Selbstoffenbarung“ bekannt ist. Diese Vulnerabilität, das Teilen intimer Details, beschleunigt nachweislich den Aufbau von Vertrauen und erklärt die stärkere emotionale Bindung zur KI.

Die Studie identifizierte jedoch eine signifikante Kehrseite: Sobald den Teilnehmern explizit mitgeteilt wurde, dass sie mit einer Maschine kommunizierten, sanken das wahrgenommene Nähegefühl und das Vertrauen merklich, was zu oberflächlicheren Kommunikationsmustern führte. Diese Erkenntnisse aus dem Jahr 2026 haben weitreichende Implikationen für Bereiche wie psychologische Unterstützung, Pflege und Bildung, insbesondere im Kontext von niedrigschwelligen Diensten wie KI-Begleitern, die darauf ausgelegt sind, eine intime Erfahrung des „Gekanntwerdens“ zu simulieren.

Die Forschung mahnt zur Vorsicht, da die unbewusste Ausbildung sozialer Bindungen zu KI-Systemen eine potenzielle Abhängigkeit fördern und reale soziale Kompetenzen schwächen könnte. Angesichts dieser Implikationen wird die Notwendigkeit klarer ethischer und regulatorischer Rahmenbedingungen betont, wie sie beispielsweise im EU AI Act skizziert werden, um Transparenz zu gewährleisten und den Missbrauch emotionaler Interaktionen zu verhindern. Die Entwicklung erfordert eine Ausrichtung an ethischen Werten und Menschenrechten im gesamten Lebenszyklus dieser emotional wirksamen Technologien.

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Quellen

  • ČT24 - Nejdůvěryhodnější zpravodajský web v ČR - Česká televize

  • Artificial Intelligence can generate a feeling of intimacy - Uni Freiburg

  • Research When Artificial Intelligence Creates Stronger Emotional Closeness than a Human - Heidelberg University

  • Teaching AI Ethics 2026: Emotions and Social Chatbots - Leon Furze

  • AI chatbots and digital companions are reshaping emotional connection

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