Künstlerische Auseinandersetzung mit dem Internet als fehlerhaftem Speichersystem

Bearbeitet von: Irena II

Die zeitgenössische Gestaltung und digitale Medienlandschaft konzentriert sich zunehmend auf eine kritische Untersuchung des Internets als ein dynamisches, fehleranfälliges Gedächtnissystem, anstatt es als neutrale Plattform zu behandeln. Diese Verschiebung im Fokus signalisiert eine tiefere Reflexion über die inhärenten Widersprüche und Verzerrungen, die in der Struktur des World Wide Web verankert sind. Die Ausstellung RANDOM-ACCESS MEMORY beleuchtet Multimedia-Künstler, die nachweisbare Online-Quellen nutzen, um neue, oft poetische Ergebnisse zu generieren, wobei sie die digitale Infrastruktur als Material begreifen.

Diese Kreativen stellen technologische Unvollkommenheiten, wie Fehler und Störungen, in den Vordergrund, um den Zufall innerhalb digitaler Architekturen und der menschlichen Erfahrung zu ergründen. Die Organisatoren der Ausstellung betonten, dass die Faszination für Fehler und Störungen die Künstler vereint, indem sie die Unvollkommenheiten hervorheben, um die zentrale Rolle des Zufalls in digitalen Systemen und der menschlichen Existenz aufzuzeigen. Die Werke sind aus hochspezifischen und nachverfolgbaren Online-Quellen gefertigt, was zu unerwartet poetischen Resultaten führt.

Die in Brooklyn ansässige Multimedia-Künstlerin Claire Hentschker konstruiert durch die Verwendung von YouTube-Screenshots und fehlerhaft eingesetzter Photogrammetrie-Software glitch-gefüllte 3D-Umgebungen, wodurch sie persönliche Erzählungen mit digitaler Rekonstruktion verschmilzt. Hentschker, die auch mit Standort-spezifischer Mixed Reality arbeitet, präsentiert ihre VR-Arbeiten in unkonventionellen Umgebungen. Ihre Technik, die oft für Archäologie und Konservierung genutzte Photogrammetrie zu „missbrauchen“, führt zu traumartigen 3D-Umgebungen, die die Ambivalenz digitaler Werkzeuge beim Bewahren und Verzerren der Vergangenheit aufzeigen. Ein spezifisches Werk von ihr rekonstruiert den zerstörten New Jersey Achterbahn „Star Jet Coaster, 2002–2012“ allein anhand von YouTube-Ride-Through-Videos.

Andrew Norman Wilson, ein zeitgenössischer Filmemacher, der seine Karriere mit internetbasierten Videoinstallationen begann, wendet seinen kritischen Blick auf Mediensysteme, wobei er sich auf die Verflechtung von Kino, Bildzirkulation und Arbeit konzentriert. Er erstellt Schleifen-Videos, indem er wasserzeichenbelastetes Stock Footage zusammensetzt, was automatisierte Nachrichtenzyklen imitiert, die jeglicher menschlichen Interaktion entbehren. Wilson, geboren 1983 in Millis, MA, untersuchte in früheren Arbeiten auch die Unternehmens- und politischen Interessen hinter der Kreativwirtschaft, beispielsweise mit „Workers Leaving the Googleplex“ (2011) oder „Kodak“ (2019).

Zhanyi Chen verbindet Wissenschaft und Online-Subkulturen, um Werke zu schaffen, die sich mit der Beziehung zwischen Umwelt und Medien auseinandersetzen, oft unter Rückgriff auf Wetterdaten. Ein herausragendes Beispiel ist ihr fiktives astrologisches System, das als YouTube-Tutorial präsentiert wird, basierend auf der Position von Satelliten anstelle von Planeten, wie in „How to Create Your Satellite Birth Chart“ (2025) zu sehen. Chen, die einen MS in Art, Culture and Technology am Massachusetts Institute of Technology anstrebt, übersetzt zudem Live-Satellitendaten in visuelle Poesie, wie in „Astrological Concrete Poetry to Clouds Written by Weather Satellites“ (2020).

Die Ausstellung RANDOM-ACCESS MEMORY, die unter anderem vom Santa Barbara Museum of Art (SBMA) präsentiert wird und vom 15. März bis zum 27. September läuft, bringt diese drei Künstler zusammen. Sie positioniert das Internet als ein lebendiges, sich ständig veränderndes Gedächtnis, in dem persönliche und kollektive Narrative verschwimmen. Die Künstler agieren dabei wie Archivare oder Archäologen, die vertraute Orte wie YouTube und Google Maps nach dem Kuriosen und Poetischen durchsuchen, um die digitale Sphäre als aktives und kritisches Untersuchungsfeld zu begreifen.

4 Ansichten

Quellen

  • Noozhawk

  • Artdaily

  • Santa Barbara Museum of Art

  • The Los Angeles Post

  • Noozhawk

  • Art Rabbit

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