Japan startet weltweit ersten Dauerversuch zur Gewinnung seltener Erden vom Meeresboden
Bearbeitet von: Svetlana Velgush
Am 12. Januar 2026 hat Japan eine historische Premiere eingeläutet: den weltweit ersten kontinuierlichen Test zur Gewinnung von Seltenerdmetallen (SEMs) enthaltenden Tiefseesedimenten. Diese Ablagerungen wurden in einer Tiefe von rund sechs Kilometern lokalisiert. Das Forschungsschiff „Chikyu“, das Flaggschiff des Japanischen Agentur für Meeres- und Erd-Wissenschaften und Technologie (JAMSTEC), verließ den Hafen von Shimizu in der Präfektur Shizuoka, um diese Mission anzugehen. Ausgestattet mit fortschrittlicher Riser-Bohrtechnologie, nimmt das Schiff Kurs auf das Gebiet um die Insel Minamitorishima, welche ungefähr 1.900 Kilometer südöstlich von Tokio liegt.
Diese Unternehmung ist integraler Bestandteil eines nationalen Vorhabens, das unter der Schirmherrschaft einer Innovationsplattform des Kabinetts läuft. Das Hauptziel besteht darin, eine inländische Versorgung mit diesen kritischen Mineralien zu etablieren. Damit soll die strategische Abhängigkeit von externen Lieferanten, allen voran China, signifikant reduziert werden. Die jüngsten geopolitischen Spannungen, einschließlich der Exportbeschränkungen Chinas für Güter mit doppeltem Verwendungszweck, haben die Sorgen Tokios zusätzlich verschärft. Diese Entwicklungen erinnern an das Jahr 2010, als ein diplomatischer Streit zur drastischen Einschränkung der SEM-Lieferungen nach Japan führte und damit die langfristige Diversifizierungsstrategie des Landes anstieß.
Als direkte Konsequenz der Ereignisse von 2010 konnte Japan seinen Anteil der SEM-Importe aus China von über 90 Prozent auf gegenwärtig etwa 60 Prozent senken. Das Potenzial der Lagerstätten rund um Minamitorishima wird als immens eingeschätzt: Die Vorkommen an Schlamm, der Dysprosium und Yttrium enthält, könnten den weltweiten Bedarf über Jahrhunderte hinweg decken. Die technische Herausforderung liegt jedoch in der kontinuierlichen Förderung des Schlamms aus der extremen Tiefe von sechs Kilometern. Sollte dieser Test erfolgreich verlaufen, peilt das Projekt an, bis Januar 2027 eine Testförderung von täglich 350 metrischen Tonnen Schlamm aufzunehmen.
Die erste Aufbereitung, bei der durch Zentrifugation Wasser abgetrennt und das Volumen um bis zu 80 Prozent reduziert wird, ist direkt auf der Insel Minamitorishima geplant. Anschließend wird das konzentrierte Material zu den japanischen Hauptinseln transportiert. Forscher betonen, dass die Tiefseesedimente bei Minamitor im Gegensatz zu terrestrischen Vorkommen nur geringe Mengen an radioaktiven Beimischungen wie Thorium und Uran aufweisen. Dies könnte den gesamten Extraktions- und Verarbeitungsprozess vereinfachen und kosteneffizienter gestalten.
Parallel zu Japans nationaler Initiative fand am selben Tag, dem 12. Januar 2026, in Washington ein Treffen der Finanzminister der G7-Staaten statt. Im Fokus standen dort Strategien zur kollektiven Verringerung der Abhängigkeit von chinesischen Lieferungen kritischer Mineralien. Ein wichtiger Diskussionspunkt war die Etablierung koordinierter Mindestpreise für nicht-chinesische Lieferungen, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit alternativer Projekte zu gewährleisten. Der Erfolg des Experiments mit der „Chikyu“, dem weltweit ersten Forschungsschiff, das für Riser-Bohrungen ausgerüstet ist, könnte somit einen entscheidenden Impuls für die globale Neuausrichtung der SEM-Lieferketten setzen.
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Quellen
WION
Mining Weekly
Reuters
Reuters
The Economic Times
Ship Universe
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