Vorläufige Einigung zwischen EU und MERCOSUR: Nach 25 Jahren Verhandlungen ein Meilenstein
Bearbeitet von: Tatyana Hurynovich
Am 9. Januar 2026 haben die Delegationen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union in Brüssel dem Handelsabkommen mit dem südamerikanischen Wirtschaftsblock MERCOSUR ihre vorläufige Zustimmung erteilt. Dieser Beschluss markiert den Abschluss eines Verhandlungsprozesses, der sich über mehr als ein Vierteljahrhundert erstreckte – eine wahre Geduldsprobe.
Die Entscheidung, die mit qualifizierter Mehrheit getroffen wurde, ebnet nun den Weg für die formelle Unterzeichnung. Diese Zeremonie ist für den 17. Januar in Paraguay angesetzt, zu der auch die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, erwartet wird. Dieses Abkommen stellt den bedeutendsten Schritt für MERCOSUR seit seiner Gründung im Jahr 1991 dar.
Nun steht die finale Ratifizierung im Europäischen Parlament an. Darüber hinaus erfordern einige spezifische Klauseln die Zustimmung der nationalen Parlamente der einzelnen EU-Mitgliedstaaten. Der Weg zur Genehmigung offenbarte deutliche interne Spannungen innerhalb der EU.
Gegen die Vereinbarung stimmten Frankreich, Polen, Österreich, Irland und Ungarn, während Belgien sich der Stimme enthielt. Befürworter, darunter Deutschland und Spanien, sehen in dem Deal ein wichtiges Instrument zur Diversifizierung der Handelsmärkte, insbesondere angesichts der aktuellen geopolitischen Turbulenzen. Die Meinungen gingen hier auseinander wie Kraut und Rüben.
Der französische Präsident Emmanuel Macron, dessen Land sich vehement gegen das Abkommen aussprach, bezeichnete den Vertrag als „Abkommen aus einer anderen Ära“. Diese Kritik fiel zeitlich mit den anhaltenden Bauernprotesten in Paris zusammen, die sich um die Sorge vor unfairem Wettbewerb drehten.
Das wirtschaftliche Potenzial dieser Vereinbarung ist immens: Es soll die größte Freihandelszone der Welt entstehen, die rund 700 Millionen Verbraucher umfasst. Es wird erwartet, dass durch das Abkommen Zölle für 92 Prozent der MERCOSUR-Exporte entfallen, während weitere 7,5 Prozent präferenziellen Zugang erhalten. Dies deckt somit 99 Prozent des gesamten Agrar- und Industrieexportvolumens des Blocks ab. Für europäische Exporteure könnte dies bis 2040 ein zusätzliches Geschäftsvolumen von 50 Milliarden Euro bedeuten. Bereits heute sind rund 30.000 europäische Unternehmen in den lateinamerikanischen Märkten aktiv. Der bilaterale Handel belief sich im Jahr 2024 auf beachtliche 111 Milliarden Euro.
Um die Bedenken des europäischen Agrarsektors zu zerstreuen, hatte die Europäische Kommission bereits 2025 Anpassungen vorgenommen. Diese beinhalteten zusätzliche Garantien und Zugeständnisse im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Dennoch halten Agrarverbände wie COPA-COGECA die Vereinbarung für unausgewogen. Umweltorganisationen äußern scharfe Kritik, da sie befürchten, dass das Abkommen zu vermehrter Entwaldung und einem größeren Absatzmarkt für Pestizide führen könnte, von denen viele in der EU ohnehin verboten sind.
MERCOSUR, bestehend aus Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay (Bolivien trat 2024 als Vollmitglied bei, Venezuela ist suspendiert), betrachtet diesen Durchbruch als Sprungbrett für neue Horizonte. Man spricht von der Aussicht auf „mehr Handel, mehr Investitionen und mehr Beschäftigung“. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßte die Zustimmung, merkte jedoch an, dass 25 Jahre Verhandlungen schlichtweg zu lang seien, und forderte eine Beschleunigung künftiger Entscheidungsfindungen. Aus geopolitischer Sicht signalisiert die Entscheidung aus Brüssel Europas Bestreben, angesichts der globalen Instabilität neue verlässliche Handelspartner zu erschließen.
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Quellen
Clarin
Xinhua
EUobserver
Wikipedia
The Guardian
The Diplomat in Spain
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