Die Galaxie NGC 2775, die sich nur schwer klassifizieren lässt. Bild: ESA/Hubble und NASA, F. Belfiore, J. Lee und das PHANGS-HST-Team.
Hubble fängt Galaxie NGC 2775 mit hybrider Struktur ein
Bearbeitet von: Uliana S.
Das Weltraumteleskop Hubble, ein Gemeinschaftsprojekt der NASA und der ESA, hat beeindruckende Detailaufnahmen der Galaxie NGC 2775 veröffentlicht. Die Morphologie dieses Objekts sorgt unter Astronomen weiterhin für intensive Diskussionen. NGC 2775, auch bekannt als Caldwell 48, ist im Sternbild Krebs beheimatet und trennt uns eine Distanz von rund 67 Millionen Lichtjahren.
Die Besonderheit von NGC 2775 liegt in ihrer ambivalenten Beschaffenheit. Während der zentrale Bereich ein homogenes, gasarmes Zentrum aufweist, was typisch für elliptische Galaxien ist, wird die Peripherie von einem Staubring mit verstreuten Ansammlungen junger Sterne dominiert. Diese äußere Struktur erinnert stark an Spiralgalaxien. Die Mehrheit der Forscher ordnet NGC 2775 daher als flockige Spiralgalaxie mit der Klassifikation SA(r)ab ein. Diese Bezeichnung deutet auf eine spiralförmige Struktur ohne Balken und eine ausgeprägte Ringarchitektur hin. Dennoch ziehen einige Experten in Betracht, dass NGC 2775 zu den selteneren Lentikulärgalaxien gehören könnte – einem Übergangstyp, der Merkmale sowohl von Spiralen als auch von Ellipsen vereint.
Das Zentrum der Galaxie, das sich über einen Winkeldurchmesser von 0,4 Bogenminuten erstreckt, zeigt sich inaktiv und nahezu frei von Gas. Dies limitiert die aktuelle Sternentstehung erheblich. Eine plausible Erklärung hierfür liegt in einer hohen Frequenz früherer Supernova-Explosionen, die das Gas in die äußeren Regionen verdrängt haben könnten. Starke Indizien deuten darauf hin, dass diese ungewöhnliche Form das Resultat vergangener galaktischer Interaktionen, einschließlich Verschmelzungen, ist. Diese Theorie wird durch die Entdeckung eines schwachen Wasserstoffschweifs untermauert, der sich fast 100.000 Lichtjahre um NGC 2775 erstreckt. Dieser Gasschleier ist höchstwahrscheinlich das Überbleibsel einer oder mehrerer absorbierten Begleitgalaxien.
Die benachbarte irreguläre Galaxie NGC 2777 zeigt ebenfalls einen Gezeitenwasserstoffschweif, der in Richtung NGC 2775 weist. Dies verstärkt die Vermutung einer gravitativen Wechselwirkung zwischen den beiden Objekten. NGC 2775 nimmt eine dominante Stellung in der kleinen NGC 2775-Gruppe ein, zu der auch UGC 4781 und NGC 2777 zählen. Diese Gruppe wiederum ist Teil des größeren Antlia-Hydra-Superhaufens innerhalb des Jungfrauen-Superhaufens. Die Erstentdeckung dieser Galaxie geht auf William Herschel zurück, der sie am 19. Dezember 1783 katalogisierte.
Die jüngsten Aufnahmen des Hubble-Teleskops nutzten zusätzlich Beobachtungen im roten Licht des Wasserstoffs. Dies ermöglichte eine präzisere Kartierung der aktiven Sternentstehungsgebiete im äußeren Ring, welche sich auf den Bildern als zarte, rosafarbene Strukturen abzeichnen. Obwohl im äußeren Ring Sternbildung stattfindet, zeigt die Galaxie insgesamt keine Anzeichen einer aktuellen Starburst-Aktivität. NGC 2775 weist eine scheinbare Ausdehnung von etwa 4,3 mal 3,3 Bogenminuten auf und besitzt eine scheinbare Helligkeit von 10,4 Magnituden. In den Datenbanken ist die Beobachtung einer einzelnen Supernova, SN 1993Z (Typ Ia), bestätigt, die am 23. September 1993 entdeckt wurde.
Quellen
punjabkesari
NASA Hubble Mission Team
Wikipedia
NASA Science
ESA/Hubble
Space
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