Russisches Silberfuchs-Experiment beleuchtet Mechanismen der Domestikation

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Ein seit Langem etabliertes russisches Forschungsvorhaben untersucht die Mechanismen der Hundedomestikation anhand der Verhaltensselektion bei Silberfüchsen. Dieses Projekt wurde 1959 von dem Genetiker Dmitri Belyaev am Institut für Zytologie und Genetik in Nowosibirsk initiiert. Das Ziel war die ausschließliche Selektion von Füchsen basierend auf ihrer Zähmbarkeit gegenüber dem Menschen. Die strengen Zuchtrichtlinien führten dazu, dass die Füchse im Laufe der Zeit deutliche, hundähnliche phänotypische Merkmale annahmen, darunter Schlappohren und geschecktes Fell, was die Hypothese des Domestikationssyndroms untermauert.

Die wissenschaftliche Leitung dieses Vorhabens oblag der Genetikerin Lyudmila Trut, die das Projekt über 66 Jahre bis zu ihrem Ableben im Jahr 2024 maßgeblich prägte. Die Forschung, die aktuell im Jahr 2026 weitergeführt wird, stützt sich auf den Vergleich von gezüchteten zahmen Linien mit Kontrollgruppen sowie Linien, die auf Aggressivität selektiert wurden, um die genetischen Grundlagen des Verhaltens zu isolieren. Die ursprüngliche Auswahl erfolgte streng nach dem Grad der Furchtlosigkeit und des Kontaktsuchverhaltens, wobei nur die zahmsten Tiere zur Fortpflanzung zugelassen wurden, um eine genetische Grundlage für die Zähmung zu demonstrieren.

Obwohl Diskussionen über die absolute Aussagekraft der Befunde zum Domestikationssyndrom bestehen, hat die Arbeit entscheidende genetische Marker identifiziert, die mit freundlichem Verhalten korrelieren. Insbesondere das Gen SorCS1 wurde als starker Kandidat identifiziert, dessen Mutationen mit dem freundlichen Charakter der Belyaev-Füchse in Verbindung gebracht werden, was durch die Sequenzierung der DNA von zahmen, aggressiven und normalen Farmtieren bestätigt wurde. Diese genetischen Einblicke bieten eine Gelegenheit, die molekularen Mechanismen zu entschlüsseln, die komplexe Verhaltensweisen wie Affiliation und Aggression steuern, was auch für Studien an Hunden und anderen Säugetieren von Bedeutung ist.

Die physischen Transformationen, die in weniger als einem Jahrzehnt auftraten, umfassten neben Schlappohren auch geringere Stresshormonspiegel und eine erhöhte Serotoninaktivität in den domestizierten Exemplaren, was auf physiologische Anpassungen hindeutet. Belyaevs ursprüngliche Motivation in den 1950er Jahren war es, die Entstehung der Vielfalt der Haushunde aus ihren wolfsähnlichen Vorfahren zu erklären, indem er die Prinzipien der Mendelschen Vererbung anwandte. Die anfängliche Population stammte von Pelztierfarmen und wurde ab 1959 in Nowosibirsk selektiert, wobei ein geringes Inzuchtlevel von 0,02–0,07 über die Projektlaufzeit aufrechterhalten wurde.

Die Forschungsgruppe unter Trut pflegt heute verschiedene Fox-Populationen, darunter die selektierte zahme Linie, eine aggressive Linie und eine unselektierte Kontrollgruppe, um die genetische Divergenz weiter zu untersuchen. Die Ergebnisse dieses über 60-jährigen Experiments haben gezeigt, dass die Selektion auf ein einziges Merkmal – die Zähmbarkeit – eine Kaskade morphologischer Veränderungen auslösen kann, die Charles Darwin bereits vorweggenommen hatte. Die Fortführung des Projekts im Jahr 2026 sichert die Möglichkeit, diese tiefgreifenden evolutionären Prozesse weiter zu beobachten und zu analysieren.

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Quellen

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  • Vertex AI Search

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