Wie man Groll nach einem Konflikt loslässt

❓ FRAGE:
Ich hatte eine Auseinandersetzung mit meinen Arbeitskollegen. In mir stauen sich Schmerz und Empörung an – sechs Monate sind vergangen, die Situation schwelt weiter, und ich kann einfach nicht damit abschließen. Warum versteife ich mich so auf das Leid, kaue alte Verletzungen immer wieder durch und suche ständig nach neuen Argumenten, um mich zu rechtfertigen?
❗️ ANTWORT von lee:
Der Grund liegt darin, dass der Verstand zwar ein komplexes Werkzeug ist, aber auf einem einfachen Prinzip basiert. Das Fundament bilden Überzeugungen. Es sind diese tief verwurzelten Glaubenssätze, die unsere Gedanken generieren.
Gedanken entstehen nicht als „spontanes, chaotisches Gemisch“. Sie folgen der präzisen Logik eines Systemprozesses. Zuerst geben die Überzeugungen den Rhythmus und die Richtung der Verbindungen vor (die grundlegenden neuronalen Netze des Gehirns), woraufhin der Gedankenfluss innerhalb dieses festen Rahmens erfolgt.
Mit einem schlichten „Hör auf zu grübeln, setz dich hin und meditiere“ ist es nicht getan. Es bedarf der Beobachtung und Identifizierung von Mustern, gefolgt von einer Veränderung der Überzeugungen selbst. Dies habe ich ausführlich in meinem Webinar über die Integration negativer Glaubenssätze erläutert.
Dass Ihnen diese „seltsame Fixierung“ überhaupt aufgefallen ist, ist ein positives Signal: Ihre Bewusstseinsebene ist bereits so hoch, dass diese Beobachtung von selbst geschieht. Viele Menschen verharren jahrelang in solchen Gedankenschleifen, ohne zu bemerken, dass sie sich im Kreis drehen.
Ihr Kreislauf deutet auf ein System von Überzeugungen hin, die mit Schutz und Sicherheit zu tun haben. Diese Glaubenssätze zwingen Sie dazu, sich durch das ständige Durchspielen der vergangenen Situation zu „schützen“. Letztlich unterliegen Sie der Illusion, dass eine Lösung für die Vergangenheit Sie vor der gegenwärtigen Lage bewahren könnte.
In Wahrheit ist es jedoch Ihr aktueller Zustand, der Ihre Aufgaben bereits jetzt zu 100 % löst. Unabhängig von der Vergangenheit erschafft das gegenwärtige „Ich bin derjenige, der...“ die Lösung. Mehr muss nicht geändert werden.
Die Änderung der Überzeugungen erschafft eben jenes neue „Ich bin derjenige, der...“, in dem Sie sich selbst bestätigen, wobei Ihre neue Selbstdefinition zur Grundlage für eine völlig neue Art des Denkens wird.
Wenn Sie sich zum Beispiel entscheiden, dass Sie bereits ein anderer Mensch sind – völlig frei von der Meinung anderer und absolut geschützt durch das Wissen, dass Sie der alleinige Schöpfer Ihrer Realität sind –, dann werden Sie buchstäblich schon am nächsten Tag erleben, wie Ihre Kollegen ihr Verhalten Ihnen gegenüber radikal ändern.
Das bedeutet, die Transformation findet nicht nur auf psychischer Ebene statt – die Menschen verändern sich tatsächlich in der Praxis. Wenn Sie das sehen, werden Sie sagen: „Das sind ja völlig andere Leute.“ Und Sie werden recht haben – es werden tatsächlich andere Menschen sein, da Sie sich in einem anderen Universum befinden.
Genau deshalb ist die Änderung von Überzeugungen kein Trick, kein Kniff und kein psychologisches Manöver – es ist ein Wechsel der Realität.




